El Río Pastaza

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Dienstag, 10. Mai 2016

8. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

Las cuatro regiones del Ecuador.
Besser spät als nie: Da ich mich jetzt schon mehr als 8 Monate hier in Ecuador befinde, wird es Zeit für den nächsten Rückblick bzw. die nächste Zusammenfassung.
Dieses Mal möchte ich ein Thema aufgreifen, das ich schon öfters kurz erwähnt habe.

Ecuador kann in vier geographisch unterschiedliche Regionen eingeteilt werden:

  • die Küste (= "costa")
  • das Andenhochland (= "sierra")
  • das Amazonastiefland (= "Amazonía / Oriente") und 
  • die Galapagos - Inseln (= "Islas Galápagos")

Inzwischen habe ich das Glück gehabt, alle vier Regionen kennenlernen zu dürfen.

La costa:
Die Pazifikküste Ecuadors setzt sich aus Touristenzentren, Mangrovenwäldern, Sümpfen, Flussmündungen, kleinen Fischerdörfern und Traumstränden zusammen.
Vor allem im Norden sind vermehrt Afro-Ecuadorianer beheimatet. Die Musikgattung "Marimba" ist ein Sinnbild für das lebendige Treiben, das hier vorzufinden ist.
Der Rest der Küste ist im Gegensatz zum Norden etwas trockener. Am Fluss Guayas liegt die Hafenstadt Guayaquil, eine der größten Städte und Wirtschaftszentrum Ecuadors.



La sierra:
Wie viele andere Reisende kenne auch ich das Andenhochland am besten der vier Regionen.
Schneebedeckte Berge, Handwerkermärkte, Moore, Inka-Ruinen und die indígenas der sierra, mit denen man in ihren bunten Trachten und roten Wangen nur schwer nicht mitlächeln kann, machen das Andenhochland so einzigartig.
Die große Gebirgskette, die Anden, trennt die Küste vom Amazonastiefland. Fast 50% der Gesamtbevölkerung Ecuadors ist im Andenhochland beheimatet. Auch die Hauptstadt, Quito, liegt im nördlichen Teil der sierra. 



La Amazonía / El Oriente:
Diese Region weist einige der ursprünglichsten Bereiche mit der größten Biodiversität des Planeten auf. Kanus, die auf riesigen mäanderndern Flüssen zu Fuße prachtvoller Bäume schippern. Wege, die durch die Unendlichkeit des Primärwalds führen, eine Fülle einheimischer Kulturen und eine unglaubliche Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die man nirgendwo sonst auf der Welt findet.
Auch Puyo befindet sich im Amazonastiefland. Es ist sozusagen die letzte große Stadt (mit 40.000 Einwohnern) vor dem "großen Grün".



Las Islas Galápagos:
Ein Garten Eden, in dem man die Evolution hautnah nachvollziehen kann. In einem Wort: spektakulär! Die Inseln sind die Spitzen großer Unterwasser-Vulkane. Ein Wunder der Natur, dessen unglaubliche Flora und Fauna sich in völliger Isolation, abgeschieden vom Festland entwickelte. Schwimmen zwischen Hammerhaien, Riff-Fischen, Seelöwen und Pinguinen. Wandern zwischen Kakteen und Farn. Wo in der Welt ist das sonst möglich?



Ich hoffe, ich konnte euch einen kurzen Einblick in die vier wunderschönen Regionen meines aktuellen Heimatlandes.
So langsam läuft die Zeit immer schneller ab! Inzwischen sind 2/3 meiner Zeit hier schon um! :O
Mit einer unglaublichen Vorfreude auf die nächsten 4 Monate, verabschiede ich mich.
Liebste Grüße aus Ecuador, eure
Clara


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Quelle: http://www.ecuadorexplorer.com/es/html/regiones-de-ecuador.html

Montag, 4. April 2016

7. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

Seit sieben Monaten ist Ecuador jetzt ein zweites Zuhause für mich geworden. Ich finde es immer noch unglaublich, wie man sich in einer so "kurzen" Zeit ein komplett "neues Leben" aufbauen kann.

Ein großer Teil meines Lebens hier ist offensichtlich das Instituto mit allen Schülern, Eltern und Lehrern, die mir inzwischen so sehr ans Herz gewachsen sind.
Natürlich vergesse ich nie, warum ich eigentlich hier bin. Ich bin mit dem Wissen hier her gekommen, dass ich hier einen weltwärts - Freiwilligendienst leisten werde.
Aber wie definiert sich eigentlich die Rolle eines "Freiwilligen". Was sind seine Aufgaben, was seine Pflichten und was bekommt er zurück?
Dieser Frage werde ich in diesem Rückblick nachgehen.


Zuerst einmal muss gesagt werden, dass das Wort "Freiwilliger" oder auch "Freiwillige" nichts über die Dauer des Freiwilligendienstes aussagt. Es gibt Freiwillige, die nur wenige Tage ein Projekt, eine Organisation oder eine Einrichtung unterstützen. Andere Freiwillige bleiben ein ganzes Jahr (oder länger) in ihrem Projekt (/ ihrer Organisation / ihrer Einrichtung).
Im Rahmen des weltwärts - Programms leiste auch ich einen sogenannten "Langzeit-Freiwilligendienst".
Freiwillige gibt es außerdem nicht nur in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Schulen oder Kindergärten sondern auch in Umwelt- oder Tourismusprojekten.
Da ich mit letzteren Projekten wenig zu tun habe, werde ich den Augenmerk jetzt aber eher auf den sozialen Bereich legen. Auch gehe ich vom Optimalfall (den ich glücklicherweise erfahren darf) des Verlaufs eines Freiwilligendienstes aus.

Eine Sache sollte gleich zu Anfang klar gestellt werden. Ein Freiwilliger / eine Freiwillige ist KEIN Weltverbesserer / KEINE Weltverbesserin!
Auch wenn viele Freiwilligendienste in Ländern geleistet werden, in denen die wirtschaftliche, politische und soziale Lage vielleicht nicht ganz so gut ist, wie in Deutschland sollte und darf der / die Freiwillige nicht mit dem Gedanken an die Sache gehen, die Einrichtung, Organisation oder das Projekt mit Verbesserungsvorschlägen "auf den Kopf zu stellen". Nicht alles, was in Deutschland "gut" ist, ist auch in anderen Ländern "gut" und "richtig".

Natürlich darf Kritik (wenn auch in angepasstem Maße und besser nur nach Aufforderung) geübt werden, jedoch sollte eine / ein Freiwillige(r) niemals seine Rolle überschätzen.
Viele Einrichtungen, Organisationen oder Projekte haben für Kritik und Verbesserungsvorschläge aber ein offenes Ohr und / oder erwünschen diese sogar.

Freiwillige sind jedoch in vielen Einrichtungen, Organisationen oder Projekten essentiell.
Da die Freiwilligen (meistens) mit einer anderen Kultur und in einem anderen Umfeld aufgewachsen sind, betrachten sie Dinge oft ganz anders. Das bringt die Chance mit sich, dass auch Mitarbeiter und Verantwortliche einen ganz anderen Blickwinkel entwickeln, was sich oft positiv auswirkt.

Da die Freiwilligen sich meist "freier" bewegen können, da sie nicht so vielen Pflichten wie beispielsweise die Lehrer, unterliegen, haben sie die Möglichkeit, eigene Ideen in den (Schul-) Alltag einzubringen, die im Stundenplan keinen Platz hätten.
Durch diese Eigeninitiative wird die Arbeit des Freiwilligen außerdem abwechslungsreicher und "erfüllender".

Durch einen Freiwilligendienst lernt der / die Freiwillige natürlich eine ganz andere Kultur und Lebensweise kennen. Menschen, die er nie in seinem Leben getroffen hätte, wachsen ihm ans Herz, Orte, die er nie gesehen hätte brennen sich ins Gedächtnis ein und ein Land an das er vielleicht nie zuvor gedacht hat, wird zu seinem Zuhause.
Auch erfährt der / die Freiwillige (im Normalfall) sehr viel Liebe, Offenheit und Gastfreundschaft. Er lernt andere Werte kennen und wird sich vielleicht selbst über einige Dinge klar. So fern von der Heimat hat man nochmal einen ganz anderen Blickwinkel auf viele Dinge.

Somit bringt der / die Freiwillige frischen Wind mit sich und lernt im Gegenzug eine komplett andere Lebens- und Arbeitsmentalität kennen. Eine win -win - Situation!

In großer Dankbarkeit, dass auch ich die Chance habe, einen Freiwilligendienst leisten zu dürfen, beende ich diesen Rückblick.
Bis bald, eure
Clara

Dienstag, 1. März 2016

6. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

UNFASSBAR! Ab jetzt wird rückwärts gezählt: mehr als die Hälfte meiner Zeit in Ecuador ist jetzt vorbei.
Ich fühle mich inzwischen so zuhause, dass mein Alltag hier zur Normalität geworden ist. Ein Leben ohne Ruth, ohne Samuel und ohne Rahel (um mal nur ein paar der wichtigen Personen zu nennen), ohne das Instituto, ohne das ecuadorianische Essen und ohne all die besonderen Erfahrungen, die ich jeden Tag mache, ist für mich gerade unvorstellbar.
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich nun dem nächsten halben Jahr entgegen.
Zuvor möchte ich aber auch auf dieses halbe Jahr zurück blicken.
Wie immer möchte ich ins Gedächtnis rufen, dass dies meine subjektiven Eindrücke sind, die durch meine Erziehung und meine Bildung geprägt wurden. Es soll (und darf) somit nichts pauschalisiert und generalisiert werden! Außerdem treffen viele der Dinge nur auf meinen aktuellen Wohnort Puyo zu.

Ecuador ist, wenn...
  • man zu einem Gericht sechs Soßen serviert bekommt aber weder Salz noch Pfeffer
  • du nicht das Essen suchst, sondern das Essen dich sucht
  • sich auf einmal jeder teure Markenkleidung (natürlich "original") leisten kann und Leggings von jedem als ganz normale Hosen genutzt werden
  • sich auf einer längeren Busreise mindestens ein Mal das Landschaftsbild bzw. die Vegetation radikal verändert
  • man anstatt Taschentücher in der Handtasche mit Toilettenpapier in der Hosentasche herumläuft
  • jeder einen mit herzlich offenen Armen empfängt (zumindest ist mir bisher nichts gegenteiliges passiert)
  • man die Kinder beim Englischunterricht fragt, was es in der Schule so alles gibt und die erste Antwort "die Flagge" ist
  • es an jeder Ecke einen "Minimarket" gibt
  • man an einem Ort übernachten will, wo die Familie von Bekannten wohnt und dir gleich zwei Häuser angeboten werden
  • am Straßenrand mindestens ein Grill auf dem maduros, Maiskolben oder Fleisch liegen, vor sich hin raucht
  • man sehr tolerant gegenüber der Lautstärke wird, in der die Nachbarn Musik hören
  • man zum Frühstück im Nebenhaus (ca. 10 Schritte) mit dem Regenschirm läuft, da es mal wieder so stark regnet
  • jeder, mit dem du dich auch nur ein Mal unterhalten hast, gleich dein "amigo" (= Freund) ist
  • man manchmal mehrere Tage warten muss, bis die Wäsche trocken ist (ein Hoch auf die Luftfeuchtigkeit in Puyo)
  • es einem nach ein paar Monaten richtig leicht fällt, für eine Kurzreise zu packen
  • man sich abends mit einem Stein bewaffnet bevor man den Heimweg antritt um aggressive Hunde in die Flucht zu schlagen
  • Spontanität und Flexibilität eine viel größere Rolle spielen
  • man inzwischen seine Passnummer auswendig gelernt hat, da sie überall angegeben werden muss
  • ab 19 Uhr das öffentliche Nahverkehrssystem lahm liegt (Ausnahme: Großstädte wie Quito, Guayaquil,..)
  • man die Zeit ab 18 Uhr schon als "noche" (= Nacht) bezeichnet, da es einfach dunkel ist
  • man mehr als je zuvor zu schätzen lernt, was man in Deutschland alles hat (Familie, Freunde, guten Käse,...)
  • die "hora ecuatoriana" so manchen Europäer auf der Straße stehen lässt
  • man die Tiere in seinem Zimmer toleriert, solange sie einem nicht das Bett streitig machen
  • fast jeder Ort, den man besucht ein anderes Landschaftsbild und ein anderes Ökosystem aufweist
  • Reis täglich und zu jeder Tageszeit gegessen werden kann (eine Mahlzeit zählt nicht als Mahlzeit, wenn kein Reis dabei ist)
  • man aus Höflichkeit immer eine Auskunft bekommt, egal, ob sie stimmt oder nicht
  • man an der "costa" plötzlich überlegt, ob in Ecuador spanisch gesprochen wird (die costeños lassen nämlich beim Sprechen das "s" weg - so wird aus einem "¿cómo estás?" einfach ein "¿cómo etá?")
  • man dem Busfahrer in Puyo drei Mal sagt, dass man nicht nach Shell möchte und er trotzdem noch einmal nachfragt
  • in der Pfütze vor der Haustüre Kaulquappen wohnen weil es so oft regnet
  • jeden Abend das Zimmer ausgeräuchert werden muss, da wieder zehn neue Mücken durch die Gegend schwirren
  • man ganz erstaunt ist, wenn ein Lied mal nicht von der Liebe handelt
  • es immer wieder Orte mit gleichen Namen gibt und Touristen dann mit dem Surfbrett im Andenhochland stehen 
  • man alle zwei Meter ein Foto machen könnte, dann aber immer enttäuscht ist, weil das Foto nicht einen Bruchteil der Schönheit des Landes einfängt
  • man denkt, dass sobald ein Feiertag vorbei ist, Ruhe einkehrt, der nächste Feiertag aber schon vor der Tür steht
  • nach dem Regen in Puyo der Weg nach Hause durch Pfützen zum Slalomlauf wird
  • man während der Karnevalszeit die Wertsachen in Plastiktüten steckt um sie vor möglichen Schaum- und Wasserattacken zu schützen
  • morgens um 5 Uhr der Beifahrer im Bus Raumerfrischer durch den Gang sprüht
  • man nach 5 Monaten endlich die perfekte Bus-Schlaf-Position gefunden hat
  • in der Apotheke mehr Schokolade, Windeln und Shampoos verkauft werden, als Medikamente
  • die ersten 6 Autos an der Ampel Taxis sind
  • man, sobald man einen Laden betritt von mindestens einem Verkäufer auf bis zu einem halben Meter Abstand verfolgt wird
  • Kinder im Auto nicht als Passagiere zählen, da man sie einfach auf den Schoß nimmt
  • man bei einer Straße mit Spur und Gegenspur auch auf der linken Seite parken kann
  • man öfters "Deutsch" mit Nachnamen heißt, da nicht verstanden wird, dass "Deutsch" im Reisepass die Nationalität angibt
  • man ganz erstaunt ist, wenn beim Zebrastreifen mal einer anhält (... und dann merkt, dass es nur die Fahrschule ist)
  • es nicht mehr komisch ist, dass man im "comedor" (= Mittagessenslokal) nur gefragt wird, welche Fleischsorte man möchte, weil man weiß, dass Suppe, Reis + wahlweise Bohnen, Linsen oder Salat und Saft obligatorischer Bestandteil des Mittagessens sind
  • jedes Kind das Lied singen kann, das die Müllabfuhr in Dauerschleife abspielt während sie durch die Straßen fegt
  • einem eine 5-Stunden-Busfahrt plötzlich "kurz" erscheint
  • man mehrmals am Tag den Satz liest, der inzwischen zum Lebensmotto geworden ist: "ama la vida" (= liebe das Leben)(Anmerkung: der Satz "ama la vida" ist vergleichbar mit dem Untertitel eines Buches oder dem Beinamen einer Person; so heißt es immer "Ecuador - ama la vida")
  • auf den Bussen "no vendedores ni payasos" (= weder Verkäufer noch Clowns) steht und trotzdem jede Reisebusfahrt mit einer Leidensgeschichte beginnt, worauf Geld sammeln folgt
  • physische als auch psychische Grenzen getestet werden


Ich glaube, ich könnte diese Liste noch um viele Punkte erweitern, lasse das jetzt aber mal so stehen ;).
¡Ama la vida!
Clara

Dienstag, 2. Februar 2016

5. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

Ganze 5 Monate lebe ich jetzt schon in einer etwas anderen Welt als ich es von meinen letzten 18 Lebensjahren gewöhnt bin.
Neben wunderschönen Orten, spannenden Bräuchen und teilweise merkwürdigen Sitten habe ich auch viele interessante Leute kennengelernt. Durch die verschiedenen Nationalitäten, die besonders hier in der Amazonía Ecuadors leben, trifft man immer wieder auf völlig andere Leute mit völlig anderen Geschichten.
In diesem Rückblick möchte ich euch die Lebensgeschichten zweier Kichwa-indígenas erzählen.
Neben den Shuar, den Ashuar, den Shiwiar, den Andoa, den Waorani den Zápara und weiteren kleineren Gruppierungen bilden die Kichwa die größte Gruppe der indígenas.
Fast täglich werde ich mit der gleichnamigen Sprache konfrontiert, da es gerade im Instituto einige Kinder gibt, die aus den comunidades der Kichwa stammen.
Vor allem die Wörter guagua (was so viel wie Mädchen bedeutet) und ñaña bzw. ñaño (= Schwester bzw. Bruder) sind tief in den täglichen Sprachgebrauch eingeflochten.
Neben der Wörter sind Teile der Kichwa-Kultur auch bei den zahlreichen Umzügen in Form von Tänzen und traditioneller Kleidung präsent.
Den ersten "richtigen" Kontakt mit der Kichwa-Kultur habe ich gemacht, als Rahel und ich an einem Wochenende den Ausflug in das Hola Vida Reservat gemacht haben. Dort haben wir die comunidad Cotococha besucht.
Dabei habe ich das traditionelle Getränk chicha getrunken, den traditionellen Schmuck aus bemalten Samen und Naturfasern bestaunt, mich auch mal in die traditionelle Kleidung geworfen, die traditionelle Bemalung auf der Haut gehabt und ein wenig in das Leben in der comunidad hineinschauen dürfen.
Es gibt bei den Kichwa einen Anführer, der meistens der Älteste in der comunidad ist.
Die Wohnhäuser sind aus Holz und Pflanzenfasern, die kunstvoll geflochten werden, dienen als Dach.


Besonders letztes Wochenende habe ich aber tiefer in die Kultur der Kichwa eintauchen können. Da Wuanshu und seine Familie Kichwa sind, war es sehr interessant, einen Nacht bei ihnen zu wohnen.
Das Haus in dem sie in Tena wohnen besteht aus Beton und reicht über drei Stockwerke. Betontreppen bei denen es kein Licht gibt, verbinden die Stockwerke miteinander. Im Erdgeschoss befindet sich Wuanshus Reisebüro, wo auch artesanía-Schmuck, der von der Familie hergestellt wird, verkauft wird. Im ersten Stock befinden sich mehrere Schlafzimmer, ein Kajak lehnt an der Wand und überall liegen Gummistiefel in den Ecken. Auf dem ersten Stock befindet sich auch die Küche, in deren Mitte ein großer Esstisch steht. Im zweiten Stock befinden sich weitere Zimmer, auf einer Seite gibt es keine Seitenwände, eine Waschmaschine steht in der Mitte unter ein paar Wäscheleinen und eine Hängematte schaukelt im Wind. Auf diesem Stockwerk haben auch Rahel und ich übernachtet.
Das Zimmer, in dem wir geschlafen haben, besteht aus Betonwänden, die von einem Wellblechdach, das mit Holzbalken gestützt wird, überdacht wird. Dort, wo normalerweise die Wand auf das Dach trifft, bleibt ein Spalt. Wenn man sich aber die Fensterlöcher, die lediglich durch ein Tuch abgedeckt sind, anschaut, dann stört auch diese Lücke nicht mehr.


In dem großen Raum stehen drei hübsch gemachte Betten und ein Holztisch. Sonst nichts. Vereinzelt hängt eine Steckdose oder ein Lichtschalter aus der Wand.
Hinter einer weiteren Betonwand, in der sich eine Holztür befindet, finden wir das Bad. Toilette, Mülleimer, ein schiefes Waschbecken und ein Duschkopf, der aus der Betonwand ragt. Ansonsten ist auch hier nichts zu finden.
Natürlich könnte man sich einen Duschvorhang oder Glas in den Fenstern wünschen aber irgendwie würde mir das hier Fehl am Platz vorkommen.

Allgemein fehlt es eigentlich an nichts. Es ist sehr simpel aber sehr effizient. Was auffällt: überall sind Menschen und speziell Kinder :D.
Während dem Wochenende erfahre ich viel über Wuanshu und seine Familie. Somit komme ich jetzt endlich zu den Geschichten. Wuanshu wurde als Zweitjüngster von insgesamt 10 Kindern geboren. Manche seiner Geschwister leben heute noch in den comunidades, andere wohnen in Städten. 
Er wächst in der comunidad in der selva auf. Da er von seinen Eltern und seinen älteren Geschwistern geschlagen wird, lebt er mit 9 Jahren als Straßenkind in Tena.
"Freunde", die er auf der Straße kennenlernt, versprechen ihm eine bessere Zukunft. Er wird zum guerrillero und kämpft im ecuadorianischen Dschungel an der Grenze zu Kolumbien. Er gewinnt das Vertrauen eines Anführers, für den er etwas in der Stadt besorgen soll. Von dort kommt er nicht mehr zurück. Wuanshu kommt bei einem chilenischen Freund in Quito unter, wo er ein Jahr nicht das Haus verlässt, da er in ganz Ecuador gesucht wird.
Es folgen Drogen- und Alkoholprobleme und Suizidgedanken. Durch einen Aufenthalt in einer Entzugsklinik kommt er wieder auf den richtigen Weg. Drei Jahre lang macht er eine Ausbildung beim ecuadorianischen Militär, bricht diese dann aber (gegen den Rat seiner Eltern und seiner Freunde) vor dem Abschluss ab. Wuanshu findet Halt und Lösungen in der Natur, die er für sich entdeckt. Heute hat er ein eigenes Reisebüro in Tena, eine Surfschule in Montañita und hat auch internationalen Erfolg (demnächst fliegt er für 3 Monate nach Deutschland, um dort ein Interview bei der Sendung Galileo zu geben). Außerdem hat er zahlreiche Projekte, mit denen er seine comunidad unterstützt. Beispielsweise kooperiert er mit einer deutschen Organisation, die Paten für die jungen indígenas sucht. Die Pakete, die für die Kinder ankommen, verteilt er dann und schickt die Fotos der glücklichen Kinder zurück nach Deutschland. Als wir bei ihm im Reisebüro stehen, zeigt er uns einen Karton, der wie ich erkennen kann, aus Bayern für einen seiner Neffen ankam.
Sein Traum ist es, eines Tages ein Haus für Kinder zu eröffnen, die auf der Straße leben, für Kinder, die eine Behinderung haben und für Kinder, die von ihren Eltern verlassen wurden. Seine "Casa hogar" ist (mit deutscher Unterstützung) sogar schon in der Planung. Was neben seiner Hilfsbereitschaft zu einem seiner größten Hobbies zählt ist das Reisen. Am liebsten möchte er die ganze Welt kennenlernen.
Nach allem, was ich jetzt über ihn weiß, finde ich es mehr als nur bewundernswert, wie glücklich er heute ist. Wie ich es schon einmal erwähnt habe, habe ich in meinem Leben noch nie jemanden getroffen, der so mit sich im Reinen, ausgeglichen, glücklich und mild ist. Ich kann jetzt besser verstehen, wenn er sagt, dass die Natur für ihn die beste Medizin sei. Beim Essen wirft er immer ein Stück oder einen Bissen in die Natur, "für die Pachamama".



Also falls jemand von euch mal zufällig nach Ecuador kommt, kann ich euch nur ans Herz legen: lernt Wuanshu kennen, es ist eine inspirierende Erfahrung wert!
Die zweite Geschichte, die ich erfahren habe, ist nur sehr kurz, gibt aber doch Einblicke in das moderne Leben eines Kichwa und wie dieses dennoch mit alten Traditionen verknüpft ist.
Als ich am Sonntagmorgen Pfannkuchen mache, gesellt sich eine junge Frau zu mir, Hilda. Ohne großen Smalltalk fängt sie mit mir ein Gespräch an. Sie ist 22 Jahre alt, hat gerade das colegio beendet, dann geheiratet und ist Mutter eines dreijährigen Jungen. Auf meine Frage, was sie jetzt nach der Schule macht, antwortet sie: "ich arbeite auf der chacra (= ein kleines Grundstück), koche und kümmere mich um meinen Sohn". Dann wirft Wuanshu ein "und hörst auf deinen Ehemann". An diesem Einwurf erkenne ich die traditionellen Strukturen, die bei den Kichwa wohl vorhanden sind. Besonders wichtig ist es Hilda, mir von der Patentante ihres Sohnes zu erzählen. Sie ist blond - wie ich, weshalb mich ihr Sohn mit ihr verwechselt - und Amerikanerin (aus den USA). Ihr Mann ist Englisch-Professor und wird demnächst nach Ecuador kommen, da er mit seinen Kichwa-Sprachkenntnissen als Übersetzer in den comunidades arbeiten wird. Der nordamerikanische Einfluss führte dazu, dass Hildas Sohn jetzt Sebastián Jackson heißt ;). Auch an diesem Wochenende in der Kichwa-comunidad springen überall kleine Kinder herum.
In diesem Sinne auf das Leben, die Liebe, die Freundschaft und die Natur (wie Wuanshu es vor jedem Essen zu sagen pflegt).
Bis demnächst, eure 
Clara

Freitag, 1. Januar 2016

4. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

1/3 meiner Zeit in Ecuador liegt nun hinter mir. Inzwischen habe ich schon viele Teile der ecuadorianischen Kultur kennengelernt. In dieser Zusammenfassung möchte ich mich den Bräuchen widmen, die ich bisher kennengelernt habe. Da wäre als erstes am 2. November der "Día de los difuntos" oder auch "Día de los muertos". An diesem Tag steht ein Friedhofsbesuch auf dem Programm um den Toten zu gedenken. Es wird eine guagua de pan gegessen und colada morada getrunken.
(Weitere Infos: http://claraenecuador.blogspot.de/2015/10/tag-62.html)
Weiterhin wäre da die Novena. Neun Tage vor dem 24. Dezember werden in familiären- oder Bekanntenkreisen jeden Tag andere Gebete aufgesagt, Villancicos gesungen, gegessen und sich auf den Empfang des Jesuskindes vorbereitet.
(Weitere Infos: http://claraenecuador.blogspot.de/2015/12/tag-101.html) Zu guter Letzt (und aus aktuellem Anlass) erwähne ich hier noch einmal die Verbrennung von Puppen als Zeichen der Verbrennung des Schlechten aus dem alten Jahr an Silvester.
(Weitere Infos: http://claraenecuador.blogspot.de/2016/01/tag-124-125.html)

Was außerdem noch erwähnenswert ist, ist, dass es zu vielen Gelegenheiten Umzüge und Feuerwerke gibt, was in Deutschland doch eher unüblich ist.
Und eine Sache darf natürlich nie fehlen: Musik und zwar ganz laut. Kein Fest und kein Feiertag geht ohne tanzen zu Ende :).
Ich freue mich schon darauf, in den kommenden 8 Monaten weitere Bräuche und Sitten kennenzulernen und noch tiefer in die ecuadorianische Kultur einzutauchen. Bis dann, eure Clara

Dienstag, 1. Dezember 2015

3. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

3 Monate, 1/4 (!!!) meines Auslandsjahres ist jetzt schon vorbei :O.
Rückblickend kann ich sagen, dass sich zum Glück äußerst wenige Bedenken / Ängste, die ich anfangs hatte, bewahrheitet haben. Genau mit diesen Bedenken / Ängsten möchte ich ich mich in diesem Post befassen.

Bevor ich am 29.08.2015 in Quito gelandet bin, hatte ich Bedenken / Angst, dass...
  • ... mir das Essen hier nicht schmeckt
    ➡ darüber kann ich jetzt im Nachhinein nur lachen, denn das Essen schmeckt mir (mit wenigen Ausnahmen) ausgesprochen gut! :D
  • ... man schnell und viel an Körpergewicht zunimmt
    ➡ obwohl ich um ein bisschen mehr auf den Rippen nicht traurig bin, bin ich trotzdem erstaunt, wie schnell ich zugenommen habe :D. Liegt wahrscheinlich an dem vielen, leckeren Essen :D.
  • ... ich irgendwelche komischen Krankheiten aufgrund der veränderten (hygienischen) Umstände bekomme
    ➡ toi toi toi, bisher beläuft sich meine Krankheitsbilanz auf ein paar Tage Schnupfen und Halsschmerzen und hin und wieder mal ein bisschen Bauchzwicken
  • ... Rahel und ich uns nicht verstehen werden
    ➡ genau das Gegenteil ist der Fall: ich wäre auf jeden neidisch, der Rahel als Teampartnerin bekommen hätte <3
  • ... die Kriminalität hier den Alltag sehr beeinflusst und man ständig aufpassen muss
    ➡ natürlich herrschen hier andere Verhältnisse als in Deutschland. Man trifft andere Sicherheitsvorkehrungen und hört auch das ein oder andere Mal von irgendwelchen Überfällen. Wenn man jedoch gelernt hat, aufmerksam zu sein und gewisse Sicherheitsmaßnahmen zu wahren, muss man sich meiner Meinung nach keine große Sorgen machen. So gehe ich damit jedenfalls um :D. Unnötige Angst bringt schließlich keinem etwas.
  • ... man in Puyo keinen Tag ohne Regen erlebt, ständig alles feucht ist, nichts trocknet und Sachen anfangen zu schimmeln
    ➡ die Anzahl der Tage, an denen es nicht regnet kann man tatsächlich beinahe an einer Hand abzählen. Allerdings ist bisher noch nichts geschimmelt und auch unsere Wäsche trocknet gut ;).
  • ... es mir vorkommt, dass die Zeit nicht vergeht
    ➡ bis jetzt ist die Zeit für mich wie im Fluge vergangen :D
  • ... wir alles per Hand waschen müssen :D
    ➡ auch wenn Spülmaschinen hier unbekannt sind (seit Linea deren Existenz mal im Instituto erwähnt hat, wünschen sich einige Mütter, dass wir ihnen aus Deutschland Spülmaschinen schicken :D), haben wir den Luxus, dass Ruth eine Waschmaschine besitzt
  • ... bestimmte Hygieneartikel nicht vorhanden sind
    ➡ eigentlich bekommt man alles (bis auf Duschgel :D). Manchmal allerdings sehr überteuert, weshalb wir froh sind, bestimmte Artikel auf Jahresvorrat aus Deutschland importiert zu haben.
  • ... die Kommunikation nach Deutschland schwer wird
    ➡ dank Ruths Internetanschluss ist täglicher Kontakt mit "Deutschland" möglich ;). Durch die Distanz und die Zeitverschiebung merke ich aber trotzdem, dass regelmäßiger Kontakt mit "allen" unmöglich ist. Dafür freut man sich umso mehr, wenn man dann doch mal Zeit findet, zu skypen oder über längere Zeit zu chatten, was auch etwas Positives hat.
  • ... ich viel Heimweh habe
    ➡ natürlich kann ich nicht bestreiten, dass mir Deutschland und die Menschen dort manchmal sehr fehlen. Das hält sich im Großen und Ganzen aber wirklich sehr in Grenzen.
  • ... ich zu den Kindern des Institutos keinen Zugang finde
    ➡ obwohl ich davor noch nie mit "niños especiales" (wie die Kinder mit Behinderung hier genannt werden) gearbeitet habe, wurde ich von ihnen mit offenen Armen empfangen und hatte auch anfangs kein Problem bei der Arbeit mit ihnen. Natürlich gibt es auch stressige Zeiten aber die Kinder schenken mir so viel Liebe und so viel Fröhlichkeit, was die stressigen Zeiten mehr als wett macht.
  • ... ich Probleme mit der Sprache habe
    ➡ glücklicherweise hatte ich von Anfang an nie ein großes Problem mit dem Spanisch (an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine SpanischlehrerInnen :)). Zwar habe ich anfangs zum Beispiel Ruth schlechter verstanden als Samuel aber nach ein paar Wochen hatte ich mich auch daran gewöhnt. Inzwischen gibt es im Alltag eigentlich keine Verständnisprobleme mehr und ich merke, wie ich schon viel flüssiger spreche.
  • ... ich mit der Wohnsituation hier nicht klar komme
    ➡ bevor ich angekommen bin, hatte ich noch keine Ahnung, wo ich wohnen werde, was meine Bedenken geschürt hat. Mit Ruth, meiner Gastmama, haben wir aber so ein Glück und auch unser Apartment ist für mich ein zuhause geworden, in dem ich mich sehr wohl fühle, obwohl vielleicht nicht immer alles verfügbar ist (Leitungswasser zum Beispiel :D).
  • ... es schwer wird, Kontakte zu knüpfen
    ➡ dank der Offenheit der Ecuadorianer lösen sich diese Bedenken in Luft auf. Was sich aber nach wie vor als etwas schwierig gestaltet ist, Kontakt zu gleichaltrigen Ecuadorianerinnen zu knüpfen. Ruth meint, dass diese uns (unnötigerweise) als eine Art "Konkurrenz" sehen.
  • ... ich mich hier nicht wohl fühle
    ➡ wie inzwischen bestimmt schon rüber gekommen ist, fühle ich mich hier mehr als wohl!! :)
Auf das nächste 3/4 Jahr!
Bis in 269 Tagen wieder in Deutschland, eure
Clara

Sonntag, 1. November 2015

2. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

... jetzt ist auch schon der zweite Monat vorbei! Ein Alltag mit aufräumen, kochen, Wäsche waschen, putzen, einkaufen, früh aufstehen, lachen, entdecken, lieben, arbeiten, leben, erleben und genießen ist entstanden. Nach wie vor fühle ich mich hier sehr wohl. Es gibt immer weniger Dinge, die mir seltsam oder fremd erscheinen und immer mehr Dinge, über die ich mich freue und die mich glücklich machen. Um auf die letzten zwei Monate zurück zu blicken, werde ich im Folgenden versuchen sehr detailliert, meinen Alltag hier unter der Woche und andere regelmäßige Tätigkeiten zu beschreiben.

Ich stehe normalerweise immer so zwischen 6.30 und 6.45 Uhr auf. Dann weckt mich nämlich mein Wecker, den ich bei meinem Handy eingestellt habe. Vor allem am Anfang kam es aber auch noch oft vor, dass ich vor dem Wecker wach war, da wir hier nur Vorhänge haben mit denen es in meinem Zimmer nie wirklich dunkel ist. Deshalb weckt mich morgens auch oft das Sonnenlicht, das durch die Vorhänge scheint. Des Weiteren kann es aber auch sein, dass mich der Regen weckt, der auf das Wellblechdach prasselt. Das ist immer so laut, dass man sich quasi anschreien muss, um sich zu verständigen.

Da wir bisher noch keinen eigenen Herd und keinen eigenen Kühlschrank haben, gehen wir, nachdem wir uns fertig gemacht haben in Ruths Haus zum Frühstücken. Dabei klettern wir über einen kleinen Zaun, der das Apartment von den Hunden abgrenzt, und öffnen dann die Hintertür des Hauses, indem wir die Hand zwischen zwei Gitterstäbe hindurch stecken um den unteren Riegel zu öffnen. Wenn wir Pech haben ist der obere Riegel auch zu und wir müssen die Hand ganz schön verrenken, um diesen zu öffnen.
Im Haus sehen wir dann zum ersten Mal am Tag Miriam, mit der wir gemeinsam frühstücken. Meistens frühstücken wir ein Schüsselchen mit frischem Obst (vorzugsweise Banane + Erdbeeren), das wir mit Joghurt, Haferflocken und Marmelade mischen. Manchmal (vor allem freitags) ist unser Nahrungsmittelvorrat sehr reduziert und es gibt oft nur noch Haferflocken mit Joghurt. Teilweise frühstücken wir auch Brot mit "Butter", queso crema oder Marmelade.
Kurz vor 7.20 Uhr ist es dann Zeit, Zähne zu putzen. Unsere Zahnbürsten nehmen wir morgens immer mit in Ruths Haus und tragen sie mittags wieder ins Apartment.
Nach dem Zähneputzen wird die Hintertür wieder abgeschlossen, die Alarmanlage eingeschaltet und wir verlassen das Haus. Nachdem dann noch die 3 Schlösser der Haustüre abgeschlossen sind, machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Weg ist zum Glück relativ kurz, weshalb wir uns meistens schon so um 7.25 Uhr (oder 7.30 Uhr, falls wir später losgehen) auf die Bänke der Busstation setzen, die dann jedes Mal ein komisches Geräusch von sich geben :D - als würden sie unter unserem Gewicht gleich zusammenfallen.

Rafael kommt mit dem Schulbus eigentlich immer zwischen 7.25 und 7.40 Uhr an der Bushaltestelle vorbei. An der Türe (die immer offen ist) steht meisten Paul, ein Schüler des Institutos, der sehr fit ist und immer nach den Kindern, die einsteigen wollen, Ausschau hält und ihnen des Öfteren dann auch beim Ein- oder Aussteigen hilft. Nachdem wir eingestiegen sind, gibt es das erste große Hallo der Kinder. Dann suchen wir uns schnell einen Sitzplatz, da es ziemlich wacklig ist, im Bus zu stehen. Mit Latino-Musik, die das Geschrei der Kinder zu übertönen versucht, fährt Rafael von Haus zu Haus und von Bushaltestelle zu Bushaltestelle um die Kinder einzusammeln. Inzwischen wissen wir eigentlich fast immer, wer wo einsteigt. Wenn die Kinder, die gerade eingestiegen sind, an unserem Platz vorbei kommen, werden wir meistens umarmt oder bekommen ein "hola" zu hören. Ich genieße diese Busfahrt eigentlich immer, da man die wunderschöne Landschaft Puyos bestaunen kann. Lediglich das Hin- und Hergeschaukel des Busses, das an einigen Stellen (die wir inzwischen aber gut genug kennen) in ein Gerüttel übergeht, stört die ruhige Busfahrt und ich bin froh, wenn wir wieder auf einer asphaltierten Straße sind. Ca. 5 Minuten bevor wir im Instituto ankommen, gibt es noch eine Stelle, an der der Bus immer richtig stark wackelt und man muss sich gut festhalten, um nicht auf den Nachbarn zu rutschen :D.
Im Instituto angekommen geht, nachdem mich weitere Kinder begrüßt haben, mein erster Gang ins Sekretariat. Dort unterschreibe ich die Anwesenheitsliste, von der ich mich gegen 13 Uhr mittags wieder austrage. Die zweite Unterschrift setze ich morgens unter die Liste mit der "alimentación" (= Verpflegung).

Danach geht es in meine aula, wo ich meine Tasche abstelle. Manchmal mit, manchmal ohne Luis geht es dann zum Frühstück. Ich bestelle das Frühstück für die Kinder und mich (ja, mein zweites Frühstück :D) bei Miriam, der Köchin. Während ich mein Frühstück, das jeden zweiten Tag aus Reiskeksen besteht, meistens schon innerhalb von 10 Minuten gegessen habe, brauchen die Kinder meistens bis kurz nach halb neun. Immer wieder wiederhole ich "trink deine Milch aus", "iss dein Brot / Ei / Keks / ..." und helfe Eduarda mit dem Zerkleinern ihres Essens. Wenn dann alle Kinder fertig sind, wische ich noch den Tisch ab und gehe dann mit den Kindern zur aula. Dort holen wir Becher, Zahnbürsten und Zahnpasta und machen uns auf den Weg ins Bad. Nicht immer haben wir das Glück, dass es Wasser gibt und falls mal wieder kein Wasser aus dem Hahn kommt, ziehen wir nach unten um, wo es auch ein Waschbecken gibt. Nachdem ich alle Zahnbürsten wieder eingesammelt und den Kinder gesagt habe, dass sie sich das Gesicht waschen sollen, geht es wieder in die aula. Dort startet dann der 1. Unterrichtsblock. Um 10 Uhr klingelt es zur Pause. Wir gehen mit den Kindern Hände waschen und dann wieder in den Speiseraum, wo es täglich eine Frucht für jeden gibt. Nachdem jeder seine Frucht gegessen hat, wische ich wieder den Tisch und gehe dann (wenn es gutes Wetter ist) auch mit Eduarda (die meistens als Letzte fertig ist) auf den Spielplatz. Nach dem 2. Unterrichtsblock, der um 10.35 Uhr beginnt, geht es wieder Hände waschen und dann zum Mittagessen. Wieder bestelle ich das Essen für alle (wobei es manchmal sehr schnell geht, ich manchmal aber auch echt lange warten muss, da viele Lehrer zur gleichen Zeit bestellen, wie ich). Ich warte, bis jedes Kind seine Suppe gegessen hat, bevor ich ihm den Hauptgang (meistens Reis mit Fleisch, Ei oder Gemüse und Salat) und den Saft gebe. Während "meine" Kinder am Essen sind, füllt sich so langsam der Speisesaal. Irgendwo brüllt immer ein Kind, das nicht essen will, es fällt eine Suppe um oder Kinder streiten sich. Inzwischen bleibe ich dabei allerdings immer sehr ruhig und genieße diese belebte Atmosphäre fast schon. Da ich inzwischen nur noch den Hauptgang esse (die Suppe ist nicht ganz mein Fall), bin ich immer schon relativ früh fertig und habe genug Zeit, Eduarda ihr Essen zu füttern. Nach dem Mittagessen geht es zum zweiten Mal Zähne putzen. Danach werden alle Rucksäcke, in die wir manchmal noch Nachrichten für die Eltern stecken, auf die Kinderrücken gepackt und ich setze den Teil, der mit dem "ersten Bus" fährt, auf die Sitze.
Danach hole ich meine Tasche, verabschiede mich von Luis und treffe dann auf Rahel mit der zusammen ich den "zweiten Bus" (wenn der Bus zum zweiten Mal am Instituto vorbei fährt) nehme. Wenn wir nicht gerade im Zentrum aussteigen, setzt uns Rafael meistens gegen 13.30 Uhr zuhause ab.
Dort werden dann wieder alle Schlösser aufgeschlossen und die Alarmanlage deaktiviert. Nach dem Anruf der Sicherheitsfirma, die die Deaktivierung überprüft, gehen Rahel und ich ins Apartment.

Montags ist immer Waschtag und wir schmeißen die dreckige Wäsche, die teilweise nicht viel sauberer wieder herauskommt, in die Waschmaschine, hängen sie nach einer knappen Stunde auf und sammeln sie dienstags wieder ein.
Montags, mittwochs und freitags gehen wir immer zur bailoterapia. Dazu gehen wir um 18.15 Uhr zuhause los, sammeln noch eine Nachbarin ein und laufen dann zur cancha, wobei wir versuchen, Ruth und die Nachbarin möglichst nicht abzuhängen :D. Bei der cancha angekommen, stellen wir unsere Trinkflaschen auf den Platz, auf dem wir später dem / der profe nachtanzen.
Freitags backen wir seit kurzem immer Brot und sonntags immer einen Kuchen. der meistens wenige Minuten nach der Fertigstellung schon wieder gegessen ist.
Der halbe Samstag geht meistens zum Einkaufen drauf, was aber, wie ich schon beschrieben hatte, immer wirklich nötig ist, da am Ende der Woche beinahe alle Nahrungsvorräte aufgebraucht sind.
Jede Woche müssen wir uns außerdem um die Trinkwasserversorgung kümmern. Wenn wir nicht gerade das Glück haben, dass der Wasserwagen vorbei fährt, geht es mit dem leeren Kanister zum kleinen Laden um die Ecke und schwer beladen mit einem Vollen wieder zurück.
Dadurch, dass man das Toilettenpapier hier in den Mülleimer wirft, muss mehrere Male in der Woche der Müll weg gebracht werden.
Eine weitere, fast alltägliche Aufgabe ist es, Kakerlaken und andere ungebetene Gäste aus dem Apartment zu entfernen.

Abends besteht die Routine immer aus essen, Tee trinken, Kekse essen, einen Film oder eine Folge einer Serie anschauen, Blog schreiben, Zähne putzen und duschen. Dann geht es ins Bett und wieder ist ein Tag in Puyo vergangen.

Nachdem ich jetzt die Dinge, die wirklich immer so stattfinden, wie beschrieben, erläutert habe, werde ich die kommenden "Alltagsposts" wohl kürzer fassen und nicht jedes Mal so ins Detail gehen. Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in meinen Alltag und meine Alltagsaktivitäten geben :).
Auf die nächsten 10 Monate in Ecuador,
Clara

Donnerstag, 1. Oktober 2015

1. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

Der erste Monat meines Abenteuers "Ecuador" ist jetzt vorbei. Es ist schon so viel passiert, dass es mir so vorkommt, als wäre ich schon viel länger hier. Ich habe schon so viele nette Menschen kennengelernt, so wunderschöne Orte gesehen und schon so viele Erfahrungen machen dürfen. Und ich bin (nicht zu vergessen!) auch schon vielen Sonderbarkeiten begegnet :D. Ich fühle mich hier inzwischen aber richtig wohl und habe schon jetzt das Gefühl, "ein zweites Zuhause" gefunden zu haben.
An alles, was mir hier zuerst "fremd" erschien, habe ich mich so langsam gewöhnt:

Daran, dass..

  • ... es (mit sehr wenigen Ausnahmen) täglich regnet, wodurch es dank Wellblechdach unmöglich ist, sich in normaler Lautstärke zu verständigen
  • ... es sehr schnell zwischen Extremwetterlagen (strömender Regen & strahlender Sonnenschein) wechseln kann - teilweise innerhalb von Minuten
  • ... dauerhaft Musik zu hören ist (sei es auch nur das Müllauto, das als Erkennungsmelodie immer das gleiche Lied in Dauerschleife abspielt)
  • ... man permanent Hundegebell hört - überall
  • ... das Toilettenpapier im Mülleimer entsorgt wird
  • ... die Sauberkeit teilweise nur beschränkt vorhanden ist
  • ... die Sonne schon gegen 18.15 Uhr untergeht, wodurch ich auch schon ziemlich früh müde werde
  • ... man manchmal unerwünschte Gäste im Apartment hat (Kakerlaken, Wanzen, Eidechsen)
  • ... unsere Fahrräder (die sicherlich nicht deutschen Sicherheitsstandards entsprechen) wirklich sehr klapprig sind
  • ... die Menschen im Gegensatz zu Deutschland hier so klein sind und kürzere Beine haben, weshalb zum Beispiel die Stuhlbeine kürzer sind, der Tisch daher höher erscheint
  • ... man hier in Puyo immer und überall auffällt
  • ... das Bett, wackelt, wenn ein großes Auto die Straße entlang fährt :D
  • ... man ständig angehupt, angequatscht oder einem hinterhergepfiffen wird
  • ... es einfach kein richtiges Brot, keinen richtigen Käse, keine richtige Butter und keine richtige Schokolade (sehr zu meinem Leidwesen) gibt
  • ... die Nächte kalt, die Tage in Puyo dafür sehr heiß sind
  • ... die Kinder des Institutos, einen, sobald man ankommt, gar nicht mehr loslassen wollen
  • ... man ständig das Gefühl hat, etwas essen zu können (2x Frühstück, Obstpause, 2x Mittagessen, Eis oder Kuchen zwischendurch, Abendessen, und "Mitternachtssnack" gehören zu unseren festen Mahlzeiten :D)
  • ... einen wirklich jeder sofort "mi hija" (= meine Tochter), "mi amor" (= meine Liebe) oder "mi reina" (= meine Königin) nennt
  • ... Ecuavolley überall auf den "canchas" gespielt wird
  • ... wenn man die Straße entlang schaut immer mindestens 1/3 der Autos Taxis sind
  • ... die Ecuadorianer, sehr körperkontaktfreudig sind, dafür Pünktlichkeit und Ordnung nicht so genau nehmen
  • ... meine Beine einfach immer mit Stichen (zum Glück nicht so regelmäßig), blauen Flecken und / oder Kratzern übersät sind (woher die auch immer kommen :D)
  • ... Reis der obligatorische Hauptbestandteil des Mittagessen im Instituto ist
  • ... überall "pollos" (= Hühnchen) in verschiedenen Formen (lebendig, gegrillt, gebraten, paniert, als Halbes, Ganzes oder Viertel) angeboten werden; außerdem laufen sie auch oftmals frei herum
  • ... Yucca und Kochbananen (*_*) oftmals Bestandteil des Essens sind
  • ... man ausschließlich Spanisch hört, was ich aber immer besser verstehe und inzwischen selbst schon ein klein wenig besser sprechen kann
  • ... ich hier die Einstellung bekommen habe, einfach zu machen statt nur darüber nachzudenken
  • ... der Verkehr für mich immer noch chaotisch zu sein scheint
  • ... die Buslinien undurchschaubar erscheinen
  • ... die Sicherheitsvorkehrungen sehr erhöht sind (um in unser Apartment zu kommen müssen wir 6 Schlösser aufschließen + die Alarmanlage mit einem Code ausschalten, und das Ausschalten mit einem weiteren Code telefonisch bestätigen) 
  • ... die Lebensfreude der Menschen sich auf einen überträgt :)
  • ... eben nicht immer alles so funktioniert, wie es soll, es aber immer eine Lösung gibt
  • ... man manchmal nicht genau weiß, was man isst :D
  • ... Münzen hier so viel praktischer sind als Scheine (zum Teil sind in den Kassen mancher Läden nur Münzen vorhanden, weshalb man einen Berg von Wechselgeld bekommt, wenn man mit größeren Scheinen zahlt)
  • ... es oft an Brot, was wir am Anfang der Woche immer deutlich zu wenig kaufen und Wasser, teils Trinkwasser, teils Leitungswasser, fehlt 
  • ... Höflichkeit vor Ehrlichkeit geht, weshalb man schon öfters mal eine falsche Auskunft / Wegbeschreibung bekommt, da dies "besser" ist, als nichts zu sagen :D
  • ... anschnallen überbewertet wird
  • ... ich jedes Mal so lange an der Wäsche rieche, bis ich mir einbilden kann, dass sie frisch riecht
  • ... man täglich kalt duscht, was inzwischen aber nach der Hitze des Tages schon fast angenehm ist
  • ... hier alles so unkompliziert zu sein scheint :)
Ich hoffe, diese Stichpunkte können einen kleinen Einblick in meine bisherigen Erlebnisse / Erfahrungen geben :).
Saludos desde Ecuador
Clara