El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Dienstag, 8. September 2015

Tag 9

Um 5 Uhr werde ich vom Klang des Regens, der auf mein Dach prasselt, geweckt. 2 Stunden später überlegen Rahel und ich uns eine Alternative um zum Instituto zu kommen, denn das Fahrradfahren fällt wohl heute weg. Ca. 10 Minuten bevor wir gehen müssen, hört es zum Glück dann doch auf zu regnen und wir können mit dem Fahrrad zum Instituto fahren. Montags ist immer ein sehr "formeller" Tag: alle Lehrer tragen ihre Uniform, die Nationalhymne wird bei einer Versammlung auf dem Schulhof gesungen und dazu wird die ecuadorianische Flagge gehisst. 
Während der Versammlung lernen wir Linea kennen, ebenfalls eine deutsche Freiwillige, die das Jahr über im Instituto arbeiten wird.
Nach dem Frühstück, der obligatorischen Morgenrunde (mit diesmal sogar 9 Kindern!! = vollständiger Gruppe) wird ein bisschen für einen Test geübt. Danach geht es in den Kunstraum, wo wir den Kindern beibringen einen "vollständigen" Menschen zu malen (viele der Kinder malen nämlich noch immer "Kopffüßler").
Danach werde ich beauftragt, mit zwei der Mädchen schon mal Mittagessen zu gehen. Da eines der beiden noch ziemlich viel Unterstützung beim Essen braucht, komme ich erst zum Essen als dieses schon kalt ist. Die obligatorische Suppe und Nudeln mit Hähnchen und Tomatensoße, dazu Spinat schmecken trotzdem. 
Auf dem Heimweg im strömenden Regen halten wir noch kurz bei einem kleinen Laden, eine Querstraße von unserem Haus entfernt. Dort kaufen wir einen 20 Liter Wasserkanister, da unser Trinkwasserkanister zuhause leer ist. Den Kanister nach Hause zu schleppen war die eine Herausforderung. Der anderen begegnen wir, als wir versuchen, den Kanister zu öffnen, um das Wasser aus dem einen Kanister in unseren Trinkwasserkanister zu füllen. Wir schaffen es einfach nicht, den Deckel zu öffnen. Also quatsche ich eine Frau an, die gerade vorbei läuft. Sie öffnet den Deckel mit einem Messer (was wir uns nicht getraut haben, da wir nicht wussten, ob man diesen "zerstören" darf :D) und wir haben wieder etwas dazu gelernt.
Eine kleine Überschwemmung und etliche Rückenschmerzen später, haben wir es tatsächlich geschafft, das Wasser in unseren Trinkwasserkanister zu füllen.
Nach kurzer Verschnaufpause machen Rahel und ich uns im prallen Sonnenschein auf den Weg ins Zentrum, wo wir aufgrund von einem Nahrungsmittelengpass zuhause, einkaufen gehen. Den Supermarkt, in dem wir auch mit Ruth einkaufen waren, finden wir relativ schnell. Dort füllen wir außerdem unsere Schokoladenvorräte auf :D. Als wir für umgerechnet ca. 2 Euro eine Papaya, eine Gurke, 15 Tomaten und 10 Bananen in einem Gemüse- und Obstladen ein Stückchen weiter einkaufen, fehlt uns nur noch Brot. Eine Bäckerei finden wir nach kurzer Orientierungslosigkeit auf der gleichen Straße, die zum Hospital Puyo Nuevo führt. Hier in Puyo gibt es, so weit ich das bisher beurteilen kann, 2 zentrale Straßen, die für uns wichtig sind. Diese kreuzen sich an einer Ampelkreuzung, die von vielen auch nur "las semáforos" (= die Ampeln) genannt wird, und nicht selten auch als Anhaltspunkt unserer Orientierung dient.
Zufrieden fahren wir mit dem Bus nach Hause, der einen übrigens sofort aussteigen lässt, sobald man den Halteknopf drückt :D.
Nachdem wir beschlossen haben, morgen unseren ersten Waschtag einzulegen, zeigt Ruth uns noch, wie man die Waschmaschine bedient.
Zum Abendessen machen wir Mais Tortillas gefüllt mit Käse, Guacamole, Tomaten und Karotten. Ich finde heraus, dass Ruth Vegetarierin ist und da Rahel und ich beide nicht so die Fleischfans sind, sind wir froh darüber, dass wir zuhause dann immer vegetarisch essen.
Jetzt wollen wir noch einen Film schauen und dann geht's ab ins Bett.
Buenas noches y hasta pronto
Clara

Montag, 7. September 2015

Tag 7 & 8

Nach 2 Tagen Misahuallí befinde ich mich nun wieder zuhause in Puyo. Gerade sitze ich in meinem Bett und überlege, wie ich diesen Post am besten anfange.
Zu erst einmal möchte ich revidieren, was ich in meinem letzten Post über Misahuallí gesagt habe. Es mag zwar wohl auch ein Heilbad mit diesem Namen geben, jedoch ist Misahuallí primär ein 700 Einwohnerdorf, in dem man ein bisschen Dschungelambiente schnuppern kann.

Als wir am Samstagmorgen um 9.50 Uhr (ca. 50 Minuten später nach dem vereinbarten Zeitpunkt) von Esperanza (zur Erinnerung: Ruths Freundin) abgeholt werden, regnet es in Strömen. Mit gepacktem Rucksack, Esperanzas 2 Söhnen (Arón (14) & David (11)) und einem "cachorro" (= Welpe) machen wir uns zuerst auf den Weg nach Tena. Ich bin sehr überrascht, dass wir die Fahrt mit Bruno Mars, Eminem und Macklemore verbringen, da ich hier bisher nur spanischsprachige Musik oder (weniger gute) englischsprachige Coversongs gehört habe.
Ca. um 12 Uhr kommen wir in Tena an. Wir besuchen den Bruder vom Vater von Esperanzas Söhnen (ich hoffe, es ist nachvollziehbar, wen wir besuchen ;D) und dessen Eltern. Bevor wir dort Wassermelone essen, quetschen wir uns zu sechst ins Auto (Esperanza + ihre 2 Söhne, Oma von Arón und David + Rahel und ich) und fahren zum Markt, wo wir ein paar Früchte kaufen. Außerdem drückt Esperanza Rahel eine der relativ dicken, weißen Holzmaden in die Hand, die ich schon am 1. Tag auf dem Markt in Puyo bemerkt habe, und erklärt, dass diese hier wohl gegessen werden (ich hoffe, dem entgehen zu können!!).
Nachdem wir die Wassermelone gegessen haben, machen wir uns weiter auf den Weg nach Misahuallí. Zuvor halten wir aber noch kurz im Zentrum Tenas, wo wir Mittagessen. Wir gehen in ein kleines Restaurant, in dem wir Hühnchen mit Reis und frittierten Kochbananen (sehr lecker!) essen.
Nach ca. 30 Minuten Fahrt später kommen wir in Misahuallí an. Wir werden die Nacht in der Pension von Esperanzas Bruder verbringen, die ziemlich zentral (was bei so einem Minidorf aber keine große Kunst ist), liegt.

Pension von Esperanzas Bruder
Esperanza warnt uns davor, die Fenster unseres Zimmers offen zu lassen, da "die Affen alles mitnehmen" :D. Kurze Zeit später führen uns Esperanzas Nichte und ihre Neffen durch das Dorf. Wir baden im Río Misahuallí, was eine willkommene Abkühlung ist, und wandern einen Pfad entlang, der einem ein bisschen das Dschungelambiente vermittelt.




Das Highlight befindet sich im Zentrum von Misahuallí. Auf dem zentralen Platz, der von Palmen und Bäumen gesäumt ist, klettern tatsächlich Kapuzineräffchen durch die Gegend. Als wir sehen, wie ein Mann von einem der Affen angesprungen wird, der versucht, seine Wasserflasche zu entwenden, verstärke ich den Griff um meine Kamera.



Nach der Stadtführung (besser: Dorfführung) kaufen Rahel und ich noch ein Eis bei dem Cousin von Esperanzas Bruder. Dieses besteht aus 4 verschiedenen Geschmacksrichtungen, von denen ich 2 schlecht identifizieren kann. 
Als wir gegen Abend Hunger bekommen, setzen wir uns in ein nettes Restaurant und essen dort "sanduches" (= Sandwiches). Danach setzen wir uns noch ein wenig auf die Terrasse des Hotels, reden, hören dem Regen zu und gehen dann schlafen.
Am nächsten Tag frühstücken wir im gleichen Restaurant, in dem wir gestern die Sandwiches gegessen haben. Für 2 Brötchen, Joghurt, Müsli, Fruchtsalat, Marmelade, Butter (was hier eher Margarine ist), einen Saft (dessen Ursprung wir nicht identifizieren können) und eine heiße Schokolade zahlen wir gerade einmal 3,25 Dollar.
Gestärkt laufen wir ein paar Meter weiter zu dem kleinen Markt, auf dem wir Ingwer (was wir allerdings noch nicht wissen) für Ruth kaufen sollen. Von Ruth habe ich lediglich die Anweisung bekommen, spezielle "raizes" (= Wurzeln), die sich "jengibre" nennen (was, wie ich jetzt weiß Ingwer heißt), zu kaufen. Ich frage die Frau am Marktstand, wie viel sie kosten und sie erzählt mir was von 50 Cent. Als ich nachfrage, ob eine Wurzel 50 Cent kostet, versteht sie mich falsch und denkt, dass ich Wurzeln für 1,50 Dollar kaufen möchte. Ich denke mir nichts dabei und korrigiere den Fehler nicht. Erst als wir später herausfinden, dass wir Ingwer gekauft haben, merken wir, dass auch eine Menge an Wurzeln für 50 Cent ausgereicht hätte :D. Mit unserem Ingwerhaufen machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel.

Ingwerausbeute ;D
Wenig später warten wir vor dem Restaurant, in dem wir bisher immer essen waren, auf Esperanza, die wir fragen wollen, wann wir zurück nach Puyo fahren und es kommt zum nächsten Missverständnis. Ein Mitarbeiter des Restaurants fragt uns, ob wir Hilfe brauchen oder irgendwelche Informationen benötigen. Ich antworte "no, gracias, esperamos a Esperanza" (= nein, danke, wir warten auf Esperanza). Erst als ich seinen verwirrten Gesichtsausdruck sehe, fällt mir wieder ein, dass "la esperanza" auf spanisch "die Hoffnung" bedeutet. Nachdem wir also zu viel Ingwer gekauft haben, sitzen wir an der Straße und warten auf Hoffnung :D.
Als Esperanza auftaucht, ist das Missverständnis schnell geklärt und sie nimmt uns mit auf das Dach des Hauses, in dem der Laden des Cousins ihres Bruders ist. Von da aus hat man einen super Blick über Misahuallí.


Da wir erst um 15 Uhr fahren (was sich später doch auf 16 Uhr rauszögert), ziehen Rahel und ich nochmal unsere Badesachen an und gehen im Fluss, dessen Strömung übrigens nicht zu unterschätzen ist, baden. Als wir uns gerade etwas sonnen wollen, kommt ein junger Mann (David, 22 Jahre alt, wie wir später herausfinden) auf uns zu und spricht uns an. Erst führt er ein bisschen Smalltalk mit uns (bei dem herauskommt, dass er auch unsere Vorfreiwilligen kennt und ebenfalls aus Puyo kommt), dann fragt er, ob er uns seinen Freunden vorstellen darf. Wir willigen ein und werden seiner Clique vorgestellt, die aus Jugendlichen zwischen 18 und 25 Jahren und einer Kleinfamilie besteht. Nachdem wir viele viele Fotos mit ihnen gemacht haben (was sie unbedingt wollten), versuchen wir ihnen nun, um 12 Uhr mittags, klar zu machen, dass das für uns keine Zeit zum Bier trinken ist (dies trifft auf absolutes Unverständnis). Wir verbringen den Mittag mit Davids Clique, essen zwischendurch wieder ein Eis und bringen uns vor dem ein oder anderen Regenschauer in Schutz. Wir tauschen Kontaktdaten aus, da Davids Clique am kommenden Wochenende mit uns in Puyo ausgehen will.
Kurz vor 14.30 Uhr und nachdem David und seine Clique abgereist sind, sind Rahel und ich auf der Suche nach einem Mittagessen. Da wir nicht schon wieder im gleichen Restaurant essen wollen, probieren wir deshalb etwas von einem Straßenstand. Es handelt sich um etwas, das in Bananenblättern gegrillt wird. Als ich nachfrage, was das ist, wird mir erklärt, dass es sich um Fisch handelt. Außerdem zählt die Frau noch Yucca und Tomaten auf. Ich gehe davon aus, dass das alles zusammen im Bananenblatt gegrillt wird. Als wir wenig später aber mit 2 Tüten beladen auf einem Stein sitzen und das Bananenblatt öffnen, kommt uns ein ganzer, gegrillter Fisch entgegen. In der anderen Tüte (in der einen war das Bananenblatt mit dem Fisch) befinden sich, in weitere Tüten verpackt, Yucca Wurzel, ein Tomaten-Zwiebel-Salat und eine Flüssigkeit, die wir nachher als Apfelsaft definieren. Da wir kein Besteck zur Hand haben, bleibt uns nichts anderes übrig, als den Fisch mit den Händen zu zerlegen. Damit brechen wir zwar bestimmt 10 Hygieneregeln und nochmal 10 Benimmregeln, das Ergebnis allerdings lässt sich sehen. In Kombination mit dem Tomaten-Zwiebel-Salat und der Yucca Wurzel (die vom Geschmack her etwas von einer Kartoffel hat) ist dies ein gelungenes Mittagessen.
Während wir wenig später auf Esperanza warten, bringt uns Arón Eis Nummer 2, auf das während der Heimfahrt Eis Nummer 3 folgt :D.
Zurück in Puyo, spürt man schon deutlich den Temperaturunterschied und ich bin froh, dass wir das Jahr größtenteils im etwas kühleren Puyo verbringen. 

Morgen starten wir in die zweite Schulwoche (mit hoffentlich noch mehr Kindern).
Ich freue mich vor allem schon darauf, die Kinder meiner Gruppe wieder zu sehen.
Buenas noches y muchos saludos desde Puyo
Clara

Samstag, 5. September 2015

Tag 6

Da wir es gestern tatsächlich geschafft haben, die Fahrräder funktionstüchtig zu machen, fahren wir heute mit dem Fahrrad zur Schule.

Zu gestern noch eine kurze eine Anmerkung: nachdem wir bei der Tankstelle angekommen sind und herausgefunden haben, wie man dort Reifen aufpumpt, bekommen wir die Reifen von Rahels Fahrrad problemlos gefüllt. Bei meinem allerdings lässt sich das Hinterrad nicht aufpumpen. Der junge Mann, der uns zu Hilfe eilt, erklärt mir, dass wohl der Schlauch kaputt sein muss. Zum Glück gibt es (wie er uns zeigt) gegenüber der Tankstelle eine Werkstatt, die das Problem beheben soll. Dem Mann in der Werkstatt habe ich es nach einigen Anläufen geschafft, zu erklären, was das Problem ist und er flickt kurzerhand den Reifen. Mit unseren jetzt funktionstüchtigen Fahrrädern fahren wir im Regen zurück zu Ruth, die schon gekocht hat. Es gibt Salat und irgendwas, das aus Mais gemacht wird (sieht aus wie ein kleines Küchlein), was vor allem mit "queso crema" (= so was ähnlichem wie Frischkäse) ziemlich gut schmeckt. Mit Ruth besprechen wir noch kurz einige Details für unser neues Apartment, in das wir schon nächste Woche einziehen können :).


Nach nur 15 Minuten erreichen wir also heute mit dem Fahrrad das Instituto



Das ist übrigens der kleine Transporter, mit dem wir vom Flughafen abgeholt wurden

Als die Kinder gefrühstückt haben ("empanadas con queso" = Teigtaschen mit Käse und das Milchgetränk), gehen wir zur Sporthalle. Da aber der Sportlehrer noch nicht da ist, beschließt Jenny, die Zeit mit Fotografieren zu vertreiben. Die Fotos, die wir machen, werden dann auf dem Stundenplan aufgeklebt, damit die Kinder (,die teilweise nicht lesen können) wissen, wann sie welches Fach haben. So machen wir zum Beispiel für Mittwoch ein Foto im "invernadero" (= Gewächshaus), wo die Kinder mittwochs arbeiten. Anschließend lässt Jenny mich mit den Kindern (übrigens wieder 6 Stück) in der Sporthalle zurück, wo ich ein paar Fotos vom simulierten Sportunterricht für den Freitagmorgen machen soll. Als Flabio (der Sportlehrer) dann da ist, lasse ich die Kinder bei ihm und helfe Jenny im Garten. Anschließend geht es (wie jeden Freitag) zum Fluss, baden. Auch Rahels Gruppe ist dabei.
Wieder in der Schule angekommen haben die Kinder ein wenig Schreibunterricht. Währenddessen helfe ich einem kleinen Mädchen mit Downsyndrom, die Buchstaben ihres Namens in die richtige Reihenfolge zu bringen. 
Nach dem Mittagessen (obligatorische Suppe + Reis mit Spinatomlett und Tomaten) kann ich mich nur schwer von den "gatitos" losreißen.


Die Hände voll "gatitos" :D

Der Rückweg von der Schule zu Ruth dauert mit dem Fahrrad sogar nur 10 Minuten, da es bis auf eine kleine Steigung nur bergab geht.


Ruths Hunde
Um 15.30 Uhr treffen wir uns mit Ruth wieder am Parque 12 de Mayo. Wir kaufen Früchte und Brot, kümmern uns um das Internet für unser Apartment, suchen einen Herd für unser Apartment aus (die Auswahl beschränkt sich auf 3 unterschiedliche Herde :D) und kaufen Farbe, damit wir das Apartment morgen und übermorgen streichen können.
Da Rahel und ich mit dem Fahrrad ins Zentrum gefahren sind, fährt Ruth mit dem Taxi (und den Farben) vor. Unsere Fahrräder haben wir übrigens bei einer Freundin von Ruths Freundin abgestellt ;). Leider haben wir den Stadtplan noch nicht so ganz im Kopf und wir gurken erstmal ein wenig durch die Gegend, bis wir die richtige Straße finden. 
Die Vorfahrtsregeln haben wir hier noch nicht ganz verstanden, weshalb es ohne Helm, mit halbwegs funktionierenden Bremsen und eiernden Rädern und Pedalen nicht ganz ungefährlich ist. Wir passen uns aber an und fahren einfach drauf los. Das Hupen zum Überholen ist, wenn man Fahrrad fährt, übrigens überhaupt nicht schlecht :D.
Zum Abendessen machen wir aus Kartoffeln, die zerdrückt werden, und Käse kleine "Täschchen", die Ruth "tortillas" nennt. Dazu gibt es Karottensalat mit Gurke und Tomate.
Die "tortillas" sind mega lecker und waren zum Glück (ich hatte echt Hunger) schnell gemacht.
Danach werden kurzerhand unsere Pläne für's Wochenende geändert. Wir werden wohl nach Tena fahren, wo Ruth jemanden kennt, der ein Hotel hat, in dem wir von Samstag bis Sonntag übernachten werden. In Tena werden wir dann zum Puerto Misahuallí gehen. Wie ich gerade herausgefunden habe, ist dies ein Heilbad, wo auch Eingeborene leben. Außerdem muss die Natur rundherum wohl total schön sein und es gibt eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen.
Aber das werde ich dann ja selbst erleben. Ich weiß nicht, wie das dort internettechnisch aussieht... wartet deshalb lieber mal nicht auf einen Blogeintrag oder eine Nachricht von mir.
Bis spätestens Sonntagabend (in Deutschland Montagmorgen)
Clara

Freitag, 4. September 2015

Tag 5

Als ich heute Morgen die Treppe ins Wohnzimmer hinunter gehe, sehe ich schon am abgewaschenen Geschirr in der Spüle, dass wir wohl wieder Wasser haben :D. Das wird bestätigt, als ich wenig später den Wasserhahn im Bad betätige.

Ruths Haus (das Zimmer, vor dem die Hängematte hängt bewohne derzeit noch ich)
Hospital Puyo nuevo
Als wir zur Schule laufen, mache ich ein paar Bilder von unserer Umgebung:




Rohbau eines Hauses mit Gerüst aus Baumstämmen

Tankstelle (4 Liter Benzin kosten hier nur ca. 1 Dollar!)

Auf dem Schulweg fällt uns außerdem auf, dass es hier unglaublich viele Taxis gibt (die gelben Autos auf den Fotos sind übrigens die Taxis). Jedes, das leer ist, hupt, als es an uns vorbei fährt, um uns auf sich aufmerksam zu machen.

Im Instituto angekommen gehe ich zu Jennys Klassenzimmer, wo mich sofort 3 Jungs umarmen und sich an mich hängen.

Parkplatz des Institutos

Das Instituto von außen

Jennys Klassenzimmer
















Heute sind es insgesamt schon 6 Schüler in meiner Gruppe! :D. Das Frühstück, das ich diesmal vorsorglich nicht entgegennehme, besteht diesmal aus 2 Keksen, die sogar nicht mal schlecht aussehen. Dazu gibt es wieder das Milchgetränk von gestern.
Nach dem Frühstück sitzen wir in Jennys Klassenzimmer zur Morgenrunde (Feststellung des Datums, des Wetters und der Anwesenheit der Kinder). Jenny spricht die Sätze vor und die Kinder wiederholen sie so gut es geht. Danach gibt es eine Runde, in der jeder jeden einmal umarmt. Danach werden noch Regeln und Werte wie "puntualidad, organización, limpieza y honestidad" (= Päunktlichkeit, Organisation, Sauberkeit und Ehrlichkeit) besprochen. Am Schluss gibt Jenny jedem noch einen Tropfen ätherisches Öl in die Hand, der zwischen den Händen verrieben wird. Anschließend wird daran gerochen. Dabei sagt Jenny Sachen, wie "soy un niño amoroso, soy un niño amable, soy un niño educado" (= ich bin ein liebevolles / freundliches / höfliches Kind). Danach müssen die Kinder die Augen schließen und Jenny schlägt gegen eine Schale, die dann Töne von sich gibt, denen die Kinder zuhören sollen. Als nächstes wird aufgestanden und es werden ein paar Dehnübungen / Aktionsspielchen gemacht. So geht ab jetzt wohl jeder Morgen los.
Danach gibt es ein Sprachtraining. Jenny hält Bilder hoch und sagt dazu Sätze, die die Kinder nachsprechen müssen. Als nächstes gehen wir in die Gärtnerei, wo Unkraut gejätet werden soll. Ich bin ziemlich erstaunt, mit welchem Engagement die Kinder bei der Sache sind. Nur eine Stunde später ist das ganze Feld gejätet und es geht in die Pause. Nach der Pause sind die Kinder in der Schreinerei und ich bin im Klassenzimmer beschäftigt. Als die Kinder wiederkommen, werden Schreibaufgaben gemacht und ich helfe einem kleinen Mädchen beim Malen.
Um 12.40 Uhr gibt es Mittagessen. Die Suppe ist diesmal ein wenig dickflüssiger und heller, das Gemüse schwimmt trotzdem noch darin. Beim Hauptgang konnte ich erst nur das Hähnchen und eine Tomate identifizieren. Als Ruth an meinem Tisch vorbei läuft, halte ich sie an und frage, was ich überhaupt gerade esse. Das, was ich nicht definieren konnte, sind Kochbananen, die mir richtig gut schmecken. Dazu gibt es (kalten) Tee aus einer zitrusartigen Frucht der Region ("taramindo"). 
Nachdem wir den gatitos noch einen kurzen Besuch abgestattet haben, steigen wir wieder in Rafaels Schulbus, der uns ein Stück mitnimmt. Die Fahrt ist so holprig, dass wir froh sind, dass er uns nicht bis vor die Haustüre fährt (da diese nur über Schotterpisten zu erreichen ist).





















Los "gatitos" :)















Zuhause angekommen werden wir erstmal von den 4 Hunden begrüßt und begrüßen dann noch die Handwerker, die gerade in unserem Apartment arbeiten, das wir in ca. 3 Wochen beziehen.
Da wir noch nicht sehr mobil sind (aufgrund des Zustandes der Fahrräder und der fehlenden Kenntnisse der Busrouten) und außerdem noch keine Leute hier kennen, verbringen wir den Tag zuhause.
Wir haben jetzt allerdings noch vor, zur Tankstelle zu laufen, um die Fahrradreifen aufzupumpen.
Falls noch etwas Spannendes passieren sollte, schreibe ich das morgen.
Bis dahin,
Clara

Donnerstag, 3. September 2015

Tag 4

Dank der einen Stunde mehr Schlaf, stehe ich heute erst um 6.30 Uhr auf.
Inzwischen habe ich rausgefunden, wie man es schafft, die Dusche doch etwas wärmer zu bekommen: man reduziere einfach den Druck :D. So komme ich gleich morgens in den Genuss einer (halbwegs) warmen Dusche :).
Rahel und ich müssen heute um 8 Uhr (wie ab jetzt jeden Morgen) im Instituto sein. Noch sind wir nicht sehr mobil und auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so vertraut, weshalb wir zu Fuß gehen. Ca. 10 vor 8 stehen wir vor dem Instituto (zu Fuß ist dieses ca. 30 Minuten von zuhause weg). Wir begrüßen einige Lehrer, dann gehe ich in Jennys "aula" (= Klassenzimmer). Dort warten schon 3 Jungs, die meiner Gruppe angehören. Jenny gibt mir gleich den Auftrag, mit ihnen frühstücken zu gehen. Nachdem ich sie zum Händewaschen überreden konnte, sitzen wir am Tisch in der Cafeteria. Auch vor mir steht ein "desayuno" (= Frühstück). In einer Schüssel befindet sich ein etwas undefinierbarer grau-gelber Taler (wobei das grau überwiegt). Beim Essen schmecke ich Kartoffeln, Käse, Zwiebeln und Ei heraus. Außerdem trinke ich aus einer Tasse ein hellbraunes Getränk, das nach Milch mit unheimlich viel Zucker schmeckt.
Nach dem Frühstück (und nachdem ich auch den letzten der 3 zum Tisch abwischen bekommen habe) gehen wir zurück zum Klassenzimmer. Dort stellt mich Jenny als "Clari" oder "Clarita" vor. Danach machen wir eine kleine Morgenrunde, bei der festgestellt wird, welches Datum wir haben und wie das Wetter ist. Wie mir auffällt, fällt es den Jungs schwer, sich Sachen zu merken (so haben sie auch Probleme, das Datum oder das Wetter richtig auszusprechen). Nachdem wir dann noch festgestellt haben, welche Farbe unsere Kleidung hat und uns alle einmal umarmt haben, gehen wir nach draußen, um den Zaun und den Bordstein vor dem Instituto zu streichen. Mittwochs gibt es nämlich immer Stunden, die dafür da sind, etwas in der Schule zu verschönern. Ich versuche nach Möglichkeit, den Pinseln der Kinder aus dem Weg zu gehen (die nämlich überall sind nur nicht am Zaun oder Bordstein), was aber nicht so einfach ist, da sie mir ständig hinterher laufen. Da es sich bei dem Zaun um eine Art vermoosten / verrosteten Gitterzaun handelt, frage ich mich, ob das Streichen nur dazu dient, die Kinder zu beschäftigen oder ob man sich größere Erfolge erhofft :D. Zumindest aber das Streichen des Bordsteins zeigt erste Erfolge, denn dieser leuchtet bald in bunten Farben.
Auch der Junge, der schon gestern während der Begrüßung die ganze Zeit meine Hand gehalten hat, hilft mit, die Schule zu verschönern und versucht, mich zum Fegen zu überreden (was eigentlich seine Aufgabe ist).
Ca. 100 Farbklekse später, muss ich meine Arbeit niederlegen, da Rahel und ich von Katja durch das Instituto geführt werden. Wir lernen, dass wir auf dem Gelände eine Bäckerei, eine Küche, eine Gärtnerei, eine Schreinerei, eine Miniwohnung (damit die Kinder / Jugendlichen Alltagstätigkeiten lernen), einen Raum für Schwimmtherapie, eine große Sporthalle und natürlich viele Klassenzimmer mit jeweils unterschiedlichen Funktionen haben. Katja führt uns durch jedes einzelne Klassenzimmer und die Lehrer, die wir darin vorfinden, erklären uns, mit welchen Kindern sie arbeiten und was genau ihre Aufgaben sind. Dabei kommt es mit einer Lehrerin zu einer lustigen Begegnung. Sie möchte wissen, woher wir kommen und fragt dann, ob wir in Deutschland die gleiche Sprache sprechen, wie die Menschen in den USA. Verwirrt erkläre ich ihr, dass wir deutsch sprechen und die Amerikaner englisch. Sie scheint wohl nicht sehr viel über Deutschland zu wissen und auch englisch ist hier sehr wenig verbreitet.
Es fällt uns auf, dass nahezu jeder Lehrer sagt, dass wir nochmal vorbei kommen können, wenn die Kinder da sind. Als ich Katja erkläre, dass in Deutschland die Schule an einem bestimmten Tag anfängt und dann auch alle da sind, schaut sie mich ungläubig an und erklärt mir dann, dass es sich hier so in den ersten zwei Wochen langsam füllt :D.
Die beste Entdeckung unseres Rundgangs sind allerdings 4 Babykatzen ("gatitos"), die gerade die Augen aufgemacht haben und noch nicht alleine laufen können. Nachdem Rahel und ich beide ein wenig mit jeweils einem Kätzchen gekuschelt haben, wird klar, dass wir hier noch öfters hinkommen werden :D.
Nach dem Rundgang, kehre ich wieder ins Klassenzimmer zurück, wo die 3 Jungs gerade Mandalas ausmalen. Ich setze mich dazu und frage immer mal wieder Fragen wie "wie viele Felder musst du noch ausmalen?" und "in welcher Farbe malst du das gerade aus?". Ich muss die Zahlen und Farben oft wiederholen, bis mir nahezu fehlerfrei nachgesprochen wird.
Um 12.40 Uhr machen wir noch einen Abschlusskreis und es wird ein Lied gesungen. Danach geht es zum Mittagessen. Dieses besteht, wie jedes Mittagessen hier aus einer Suppe und einem Hauptgang. Die Suppe hat eine grau-braune Farbe und es schwimmt Gemüse (Kartoffeln, Bohnen, Brokkoli) darin. Der Hauptgang besteht aus Reis, Tomaten- & Gurkensalat sowie einem Stück grau-braunem Fisch. Zugegeben ist es nicht unbedingt ein Augenschmaus, es schmeckt dafür aber nicht unbedingt schlecht.
Um 13.30 Uhr steigen wir in Rafaels Schulbus, der uns ein Stück mitnimmt. Bei Ruth angekommen falle ich sofort ins Bett, da ich etwas erkältet bin und deshalb alles etwas anstrengender ist. Kurze Zeit später bin ich allerdings wieder wach, da Rahel mir mitteilt, dass wir zur Zeit auf dem Trockenen sitzen: wassertechnisch läuft nämlich gerade überhaupt nichts :D.
Wir machen uns einen gemütlichen, trockenen Mittag, Rahel entdeckt, dass wir hier sogar dank der hohen Luftfeuchtigkeit einen Regenbogen ohne Regen haben und dass die Fahrräder, um deren Erhalt wir uns heute gekümmert haben, zwar da sind, jedoch das eine platte Reifen hat und das andere nicht richtig bremsen kann. Also heißt es für uns morgen wohl doch eher wieder den Schulweg zu Fuß zu gehen.
Als Ruth endlich da ist, erklären wir ihr kurz unser Wasserproblem. Nach kurzer Absprache mit den vorherigen Freiwilligen wissen wir aber, dass das wohl öfters passiert ;). Diesmal haben wir allerdings besonders viel Pech, da das Wasser erst wieder heute Nacht / morgen früh kommen wird :(.
Da wir noch nicht zu Abend gegessen haben, begeben wir uns in die Küche. Eigentlich wollen wir Spiegeleier machen, da wir aber kein Feuerzeug bzw. Streichholz finden, um den Herd anzuzünden, müssen wir das wohl vertagen. Auf der Suche nach Streichhölzern bzw. einem Feuerzeug, öffnen wir versehentlich eine Tür und ein Hund (einer von 4, die Ruth gehören), den Ruth wohl eingesperrt hatte, flitzt an uns vorbei. Da wir es nicht schaffen, ihn wieder in das Zimmer zu locken, packt Rahel kurzerhand seine Hinterpfoten und schiebt ihn zurück ins Zimmer.
Nach dem Abendessen überlegen wir noch, was wir alles in unserer Wohnung, die wir ab Ende September beziehen, noch benötigen.
Morgen nehme ich übrigens mal meine Kamera mit und packe in meinen nächsten Post dann mal Bilder von meinem neuen zuhause und seiner Umgebung :).
Ich hoffe, dass morgen wassertechnisch wieder mehr läuft und schicke liebe Grüße aus Puyo
Clara

Mittwoch, 2. September 2015

Tag 3

Um 5.30 Uhr wecke ich Rahel. Wir machen uns fertig, frühstücken kurz und machen uns dann zusammen mit Ruth auf den Weg zum Instituto. Zuerst laufen wir ein Stück, dann fahren wir eine Station mit dem Bus. Als wir aussteigen, meint Ruth, dass, wenn wir Glück haben, jemand vorbei kommt, der uns mitnimmt. Und tatsächlich haben wir Glück und Mario, der Rektor des Institutos nimmt uns mit dem Auto mit. Ruth stellt uns vor und Mario ändert meinen Namen kurzer Hand in "Clarita" (so stellt er mich übrigens auch nachher den Kollegen vor).
Als wir am Instituto angekommen sind, zeigt Ruth uns als erstes das Klassenzimmer, in dem sie unterrichtet. Sie arbeitet mit Kindern und Jugendlichen, die eine Sehschwäche haben. Außerdem gibt es in ihrer Klasse auch einen Schüler, der taub ist.
Um 7 Uhr beginnt eine Versammlung im Versammlungsraum, bei der wir vorgestellt werden. Danach geht es um die pädagogischen und organisatorischen Details des neuen Schuljahres. Rahel und ich werden aus der Versammlung "entlassen" und erkunden das Schulgelände. Allerdings ist unser Ausflug von kurzer Dauer, da es bald heftig anfängt zu regnen. Also setzen wir uns in Ruths Klassenzimmer und warten, bis die Versammlung rum ist. Die Zeit vertreiben wir uns, indem wir anfangen, die Blindenschrift zu lernen. Gegen 8.45 Uhr gehen wir mit Samuel in sein Klassenzimmer, in dem auch Rahel arbeiten wird. Wir erledigen noch ein paar organisatorische Dinge, dann lässt Samuel uns vor dem Versammlungsraum wieder alleine. Viele Lehrer begrüßen uns. Darunter auch Washington, der nach Mario eine der wichtigsten Personen der Einrichtung ist. Er nimmt uns wieder mit in den Versammlungsraum, wo Mario und die anderen Verantwortlichen der Einrichtung die Familien begrüßen, die bisher da sind (grobe Schätzung: ca. 10 Familien). Vor mir sitzt ein Junge, der mir gleich die Hand schüttelt und mich angrinst. Außerdem findet er meine Hände sehr interessant und hält sie fest. Da er mich beschäftigt, bekomme ich nicht alles mit, was Mario und die Anderen sagen. Wir stellen uns auch den Familien vor und als die Begrüßung vorbei ist, werden Rahel und ich gleich von einem kleinen Mädchen umarmt. Dann treffen wir wieder auf Samuel, den ich frage, ob nicht heute schon die Schule anfängt. Er schaut sich um und meint dann "sieht wohl nicht so aus, sind viel zu wenig Kinder da" :D. Er nimmt uns wieder mit in sein Klassenzimmer und erklärt uns, wie das Instituto aufgebaut ist, welche Rechte und Verpflichtungen wir als Freiwillige haben, welche Verpflichtungen das Instituto uns gegenüber hat und wie unser täglicher Arbeitstag aussieht. Dabei lernen wir eine sehr fundamentale Sache: obwohl wir dank unheimlich viel Papierkram zahlreiche Verträge unterschrieben haben, machen wir das alles anders ("lo hacemos diferente") :D. Nach 2,5 Stunden Powerspanischunterricht ist mein Kopf ganz schön voll, was auch Samuel merkt. Er stellt uns noch kurz Jenny vor, mit der ich ab morgen arbeiten werde und schickt uns dann nach Hause. Davor sagen wir noch Ruth tschüss, die wir nachher "en el parque cerca de la iglesia" (= im Park neben der Kirche) treffen werden. Rafael, der uns zusammen mit Samuel vom Flughafen abgeholt hat, fährt uns nach Hause und macht dabei einen Umweg über die Kirche, damit wir sehen, wo wir nachher hin müssen. Außerdem erklärt er mir sämtliche Busrouten. Da ich nach Samuels Vortrag noch nicht wieder ganz aufnahmefähig bin, kann ich mir kaum was merken und bin gespannt, ob wir es nachher zurück zur Kirche finden :D. 
Bei Ruth angekommen kämpfen wir erstmal mit der Haustür und deren 3 Schlössern, die zuerst nicht aufgehen wollen (wie wir später bei Ruth beobachten, muss man mit einem Fuß gegen die Tür drücken, nachdem Schloss 2 aufgeschlossen wurde, um Schloss 3 aufschließen zu können :D). Als nächstes müssen wir mit einem Code die Alarmanlage ausschalten. Daraufhin ruft jemand an, der ein Passwort von mir wissen will, damit er weiß, dass es auch wirklich wir sind und nicht kurze Zeit später die Polizei vor unserer Haustüre steht. Das geht zum Glück alles gut.
Da Rahel und ich Hunger haben, machen wir uns einen Obstsalat mit Bananen und Erdbeeren. Erdbeeren sind hier übrigens noch halb weiß und härter als in Deutschland - schmecken tun sie aber trotzdem :).
Während ich im Bett liege, fällt mir auf, dass dieses wackelt, sobald ein größeres Fahrzeug vorbei fährt :D.
Um 14.10 Uhr machen wir uns auf den Weg zu unserem Treffpunkt mit Ruth. Wir treffen uns erst um 15.15 Uhr mit ihr aber da wir immer noch keine Ahnung haben, wo wir eigentlich hin müssen, planen wir genug Zeitpuffer ein. 
Eine halbe Stunde später stehen wir aber tatsächlich schon vor dem Treffpunkt. Wir haben uns sogar nur ein Mal verlaufen :D. Während wir auf Ruth warten, sitzen wir im "Parque 12 de Mayo" und versuchen auf unserer Karte von Puyo herauszufinden, wo wir wohnen, was aber misslingt. Wie sich später herausstellt, hätten wir es gar nicht finden können, da es auf unserer Karte nicht eingezeichnet ist.
Sobald wir Ruth treffen (eine Viertelstunde nach der ausgemachten Zeit), gehen wir mit ihr SIM Karten kaufen. Außerdem gehen wir noch zur Bank und Mittagessen (Sandwiches) mit Ruths Freundin Paulina. Ich bin sehr begeistert, dass die Sandwiches gut schmecken und das Restaurant, in dem wir sitzen sauber aussieht. Während dem Essen merke ich, wie ich langsam immer mehr verstehe, auch ohne mich großartig anzustrengen. Als ihre Freundin Ruth nämlich etwas über uns fragt, antworte ich und Ruth lacht und sagt "Clara entiende todo" (= Clara versteht alles), was aber noch sehr hoch gegriffen ist :D.
Nach dem Essen kaufen wir noch ein paar Lebensmittel für zuhause ein und dann warten wir auch schon auf den Bus, der uns nach Hause bringen soll. Ich lasse mir von Ruth bestätigen, dass die Busse kommen, wann sie wollen ("llegan cuando quieren"), was ich schon vermutet hatte :D. Als wir in den Bus steigen, fällt mir auf, dass ich fast nicht komplett aufrecht stehen kann, da ich mir sonst den Kopf stoße (und das, obwohl ich für deutsche Verhältnisse nicht unbedingt sehr groß bin). Aufgrund unserer Größe (und Haut- und Haarfarbe) fallen wir hier schon sehr auf und wir werden ständig angeschaut. 
Zuhause angekommen zeigt uns Ruth noch einen kleinen Laden, der so ziemlich alles verkauft und direkt bei unserem Haus ist.
Morgen müssen wir zum Glück erst um 8 Uhr am Instituto sein, weshalb uns immerhin eine Stunde Schlaf mehr gegönnt ist. Ich bin schon sehr gespannt, ob morgen mehr Kinder da sind, und somit die Schule tatsächlich beginnen kann :D.
Hasta mañana y muchos saludos
Clara

Dienstag, 1. September 2015

Tag 2

Heute Morgen wurde ich von heftigem Regen geweckt. Unser Haus ist so gut wie gar nicht isoliert, deshalb hört man hier quasi alles. Da ich trotz Regengeräuschen (oder gerade deswegen) wieder eingeschlafen bin, bin ich erst um 10 Uhr durch meinen Wecker aufgewacht. Wir haben bis 17 Uhr nichts geplant und Ruth ist bis 16 Uhr arbeiten, also machen wir uns einen entspannten Morgen / Mittag :D.
Um 17 Uhr holt uns Samuel mit seiner Frau, seinem Enkel und seiner Enkelin bei Ruth ab. Wir sitzen also zu sechst in einem Auto mit 5 Sitzen. Die Anschnallgurte, die zwar vorhanden sind, ignorieren auch Rahel und ich inzwischen. Es schnallt sich wohl, wenn überhaupt, nur der Fahrer an. Nachdem wir an einem kleinen Supermarkt gehalten haben, fahren wir weiter zu dem Haus in dem Samuel, seine Frau, seine Tochter und deren Familie wohnen. Dieses hat übrigens ebenfalls keine Adresse, sondern liegt einfach "cerca del Registro Civil" (= beim Standesamt). Mit Straßennamen kommt man hier, so erklärt mir Samuel später, eh nicht weit, da die meisten Taxifahrer keine Straßennamen kennen.
Bei Samuel angekommen, setzen wir uns ins Wohnzimmer und er erzählt uns etwas über das "Instituto Especial", in dem wir ab morgen arbeiten.
Ich werde die ersten Monate zusammen mit einer Lehrerin (Jenny) arbeiten, die 8 Kinder im Alter von 8 bis ca. 11 Jahren betreut. Diese Kinder haben eine Lernschwäche, weshalb wir sie beim Lernen mit Rhythmen oder Liedern unterstützen.
Rahel arbeitet zusammen mit Samuel in einer Gruppe mit 5 älteren Schülern. 2 davon sind Autisten und auch die anderen 3 haben eine schwerwiegende Behinderung. Deshalb gehen sie nicht unbedingt zur Schule um zu "lernen", sondern machen Spaziergänge, malen und lernen verschiedene Verhaltensweisen.
Nachdem wir zusammen mit Samuels Familie gekocht und nebenbei die Lebensmittel auf Deutsch übersetzt haben, sitzen wir dann alle am Tisch in Samuels hübscher Wohnung und essen "arroz, papas, salsichas, ensalada y queso" (= Reis, Kartoffeln, Würstchen, Salat und Käse). Dazu trinken wir Kaffee. Beim Essen werde ich von Samuels Enkel ein wenig über Deutschland ausgefragt ("Gibt es dort auch Löffel?", "Habt ihr da auch Ampeln?"). Außerdem finden es Samuels Kinder sehr amüsant, wie wir uns bei manchen Sachen anstellen. Samuels Enkel dagegen, findet es nur merkwürdig. Als ich auf den Käse zeige und frage, was das ist, schaut er mich nur verwirrt an und sagt: "Käse, was denn sonst?" und fragt kurz danach, was ich denn dachte, was es sei. Als ich "ich dachte, es sei Butter" antworte, ernte ich einen weiteren verwirrten Blick. Mittlerweile läuft es schon besser mit der Kommunikation und ich verstehe, wenn ich aufpasse, schon sehr viel. Schwierig wird es, wenn alle durcheinander reden und ich nicht weiß, wem ich zuhören soll. Samuels Tochter und Samuels Sohn, der zu Besuch aus Quito gekommen ist, interessieren sich sehr für uns, reden aber erst mit der Zeit mehr mit uns. Als seine Tochter merkt, dass ich doch relativ viel verstehe, blüht sie auf und macht viele Witze, die ich aber zum Teil erklärt bekommen muss, damit ich sie verstehe.
Nach dem Essen sitzen wir noch kurz auf dem Sofa, bis Samuel uns fragt, ob wir noch einen kleinen Rundgang (= "vuelta") machen wollen. Bei der Verabschiedung von Samuels Kindern lernen wir, dass man sich in Ecuador ein Küsschen auf die Backe gibt, wenn man "hallo" oder "tschüss" sagt.
María-Emilia, die Enkelin von Samuel kommt mit uns und turnt während Samuel uns Puyo zeigt, auf dem Beifahrersitz herum. Sie ist erst knapp 2 Jahre alt aber sowas wie ein Kindersitz befindet sich nicht im Auto. Rahel hält María-Emilia fest während wir immer mal wieder über die Hügelchen fahren, die zum Bremsen zwingen, doch Samuel meint, dass dies, obwohl María-Emilia auf dem Sitz steht, nicht nötig sei.
Auf der Fahrt lasse ich mir von Samuel ein bisschen spanische Grammatik beibringen. Da es 5 verschiedene Wörter für "hier / dort" gibt, war ich sehr verwirrt, wann ich was verwende. Außerdem lerne ich, dass das Gehupe wohl doch System hat und zwar wird vor allem beim Überholen gehupt. Das liegt wohl daran, dass es nicht unüblich ist, beinahe mitten auf der Straße kurz anzuhalten. Auch wir machen das, während Samuel uns erklärt, was welches Gebäude ist. 
Samuel zeigt uns noch kurz den Weg von Ruth zum Instituto und dann fahren wir wieder zurück zu Ruth. Da wir morgen schon um 5.30 Uhr aufstehen müssen, gehe ich jetzt noch kurz duschen und demnächst dann auch schlafen.
Ich bin schon sehr gespannt auf morgen und freue mich, dass Instituto kennenzulernen.
Hasta luego, 
Clara