El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Freitag, 22. April 2016

Tag 235

Aufbruch.
Als wir Freiwillige am Morgen ins Instituto kommen, müssen wir über einen Berg von Plastiktüten steigen um unsere Unterschriften in die Anwesenheitsliste zu setzen. Auch wir stellen unsere Tüten mit den Hilfsgütern ab, die so schnell wie möglich in die vom Erdbeben betroffenen Gebiete gebracht werden sollen.
Mit den Kindern arbeiten Luis und ich heute viel im Garten. Außerdem gibt es eine erste Versammlung, da wir zusammen mit anderen Gruppen am 29. April zur Verabschiedung einer Kollegin einen Tanz aufführen müssen.
Nach dem Mittagessen gehe ich mit Linea (die mit mir nach Galapagos fliegen wird) in die Stadt um ein paar letzte Besorgungen zu machen.
Danach geht es schnell nach Hause, ich packe meinen Koffer fertig und mache mich dann gegen 16.30 Uhr auf den Weg zum Terminal. Um 17 Uhr nehmen wir den Bus. Dieser bringt uns zunächst nach Ambato, wo wir einen zweiten Bus nach Guayaquil nehmen.
Bis (hoffentlich) gleich, eure
Clara

Mittwoch, 20. April 2016

Tag 234

Hin und her gerissen.
Obwohl immer noch viel über das Erdbeben geredet wird, gibt es heute in der Schule auch ein anderes Thema: der "Día de la Interculturalidad". Um 10 Uhr versammeln sich alle in der großen aula und eine Gruppe von Lehrern erklärt, was es mit dem "Tag der Interkulturalität" auf sich hat. Die große Botschaft dieses Tages ist, Rassismus zu eliminieren und friedlich zusammen zu leben, egal welcher Nationalität man angehört. Zum Abschluss gibt es einen "refrigerio" (= Snack) aus typischen Lebensmitteln des Oriente: Yucca - Tortilla und ein Glas Hierba Luisa.



Bevor ich die Kinder in den Bus setze, stecke ich ihnen noch ein kleines Zettelchen in den Rucksack. Auf diesem Wege werden die Eltern über aktuelle Anliegen informiert oder zur Mitarbeit aufgefordert.
Diesmal geht es um das Erdbeben: morgen gibt es im Instituto eine große Sammelaktion. Alle Eltern werden dazu aufgefordert, Sachspenden vorbei zu bringen.
Gegen Spätnachmittag machen auch wir Freiwilligen uns auf den Weg, um ein paar von den Dingen zu kaufen, die über das Fernsehen oder Radio als "werden benötigt" beschrieben werden.
Nach diesem Einkauf fühle ich mich nicht mehr ganz so machtlos der Situation gegenüber.
Übrigens: zahlreiche Hilfsorganisationen (wie beispielsweise auch UNICEF) nehmen Spendengelder für Ecuador an. Des Weiteren kann ich dafür sorgen, dass eure Hilfe direkt in Sachspenden an zentralen Sammelstellen ankommt und an die Betroffenen verteilt wird. Kontaktiert mich bei Interesse!
Zwischen der ganzen Trauer und Aufregung um das Erdbeben bin ich am Planen meiner vielleicht schönsten und spannendsten Reise: ab morgen bin ich auf dem Weg auf die GALAPAGOS - Inseln!
Da alles sehr spontan war, habe ich es selbst noch nicht realisiert.
Obwohl die Vorfreude extrem groß ist, plagen mich Gewissensbisse. Während in anderen Teilen Ecuadors gerade großes Elend herrscht, mache ich mich aus dem Staub und fliege in Urlaub. Ich hoffe, ich kann die Zeit trotzdem genießen. Meine Gedanken sind natürlich nach wie vor bei den Betroffenen.
Ich hoffe, ich komme dazu, mich regelmäßig zu melden!
Wenn nicht, hört ihr auf jeden Fall am Donnerstag der kommenden Woche wieder etwas von mir.

Mit gemischten Grüßen und einer großen Portion Vorfreude, eure
Clara

Dienstag, 19. April 2016

Tag 233

Der Schock sitzt tief.
Bei der morgendlichen Versammlung am Montag wie auch bei Gesprächen zwischen Lehrern, Schülern und Eltern ist das Erdbeben auch im Instituto nach wie vor Thema Nummer 1.
Es wird viel erzählt, wie jeder Einzelne das Beben erlebt hat. Ich bin froh, als ich sehe, dass es Allen gut zu gehen scheint.
Den Tag verbringe ich größtenteils zuhause, wo ich mich dem Haushalt widme. Die Nachrichten über die traurigen Tatsachen verfolgen mich. Als ich abends die Berichterstattung der deutschen Nachrichten anschaue, schießen mir Tränen in die Augen. Irgendwie ist alles so fern und doch so nah.
Ich fühle mich weiterhin sicher, mir werden aber die Ausmaße immer deutlicher bewusst.
Nach den neusten Informationen sind inzwischen 350 Opfer geborgen worden. Doch noch immer gibt es zahlreiche Vermisste. Die Suche nach Überlebenden geht also weiter und die Hoffnung, Überlebende zu finden, wird nicht aufgegeben!
Neuste In
formationen:
Informationen über das Erdbeben in Ecuador

¡Fuerza Ecuador!
Mit bedrückten Grüßen, eure
Clara

Montag, 18. April 2016

Tag 232

Heimweg mit Schlagzeilen.
Die ganze Nacht lang wurden Opfer geborgen und Schäden erfasst. Immer noch steigt die Anzahl der Verletzten und Toten. Zahlreiche Nachbeben erschütterten erneut das Land. Noch immer ist unsicher, wie die Situation in den nächsten Tagen sein wird.
Im Radio laufen auf fast allen Sendern Nachrichten. Informationen über das Erdbeben werden durchgegeben. Angehörige werden dazu aufgerufen, Opfer zu identifizieren und die Bevölkerung wird aufgefordert, Lebensmittel wie Reis oder Nudeln an die besonders betroffenen Provinzen an der Küste zu spenden. In den Verkehrsnachrichten wird eine Reihe von Straßen aufgezählt, die gesperrt worden sind.
Bevor es zurück nach Puyo geht, machen wir in einem Einkaufszentrum Halt, wo wir bei Hänsel & Gretel (oder eben: Hansel & Gretel) frühstücken. In diesem extrem modernen Gebäude, in dem sich Marken wir Zara, Esprit und Bershka unter Armani und Rolex mischen, ist das Erdbeben für eine kurze Zeit vergessen. Stattdessen fällt mir auf, wie oft ich hier auf meinem Blog Ecuador schon pauschalisiert habe. Viele Punkte der Einträge "Ecuador ist..." etc. treffen beispielsweise hier in Quito nicht zu. 
Der Rückweg nach Puyo verläuft problemlos. Im Stadtbus von Puyo fällt mir etwas auf, was ich jetzt schon öfters gesehen habe. Während ich mich anfangs noch manchmal über die plötzlichen Stopps gewundert habe, weiß ich jetzt, dass manchmal einfach der Beifahrer noch einkaufen gehen muss, bevor die Fahrt weiter gehen kann.
Zuhause angekommen bin ich froh, zu sehen, dass es Ruth gut geht. Sie erzählt uns aber sie habe während des Erdbebens solche Angst gehabt, das Haus stürze zusammen, dass sie dieses verlassen habe. Andere Nachbarn hatten fast einen Nervenzusammenbruch. Mit Glück kann man aber sagen, dass die Infrastruktur Puyos nicht unter dem Beben gelitten hat.
Im Haupthaus laufen beide Fernseher. Auch hier wird man über die Folgen des Erdbebens aufgeklärt. Außerdem wird davor gewarnt, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Nachbeben folgen. Ruth meint, der Bildungsminister habe für morgen eine obligatorische "Erdbebenprobe" in allen Schulen angeordnet.
Nach den neusten Angaben beläuft sich die Anzahl der Toten auf knapp 250 und die Anzahl der Verletzten auf das Zehnfache. Weitere Informationen über diesen Link:
Immer noch sehr schockiert und traurig über die Ergebnisse aber weiterhin wohlauf, eure
Clara

Tag 231

Termas de Papallacta und das Erdbeben.
Schon um 9 Uhr sind wir wieder auf den Beinen. Die Müdigkeit durch den Schlafmangel versuchen wir mit einem großen Frühstück zu kompensieren. Fercho lädt uns in ein hübsches Restaurant ein, wo wir Pfannkuchen und Obstsalat mit Joghurt frühstücken. Der Tag kann also los gehen! ;)
Da wir das letzte Mal als wir die Thermen in Papallacta besuchen wollten, in Pifo (ein Dorf, dass aus einer einzigen Straße besteht) gestrandet sind, machen wir uns heute erneut auf den Weg. Dieses Mal aber zusammen mit Fercho in seinem Auto, das er zu Höchstgeschwindigkeiten zwingt.
Papallacta erinnert mich ein bisschen an den Süden Ecuadors. Landschaftlich ist es mit ähnlichen Bergen umgeben, über die sich ein grüner Flaum legt.
Die Thermen sind angenehm warm und sehr sauber. Zusammen mit der schönen Landschaft und den schön angelegten Becken ein wunderbarer Ort zum Entspannen! Verständlicherweise werden sie als die schönsten und saubersten Thermen Ecuadors bezeichnet. Ich erwähne, dass mein Reiseführer davor warnt, die Thermen am Wochenende zu besuchen. Daraufhin erklärt Fercho, dass wir uns auch im teuersten Bereich der Thermen befinden, was die Menschenleere erklärt :D.
Müde vom warmen Wasser und dem wenigen Schlaf in der Nacht kehren wir am Nachmittag nach Quito zurück und machen uns einen entspannten Fernsehabend auf Ferchos Couch. Luda, Ferchos Katze macht es sich auf meinem Schoß bequem und dient mir als Wärmflasche.
Man kann von Glück sprechen, dass wir uns in einem so sicheren Gebäude aufhalten, als sich das Erdbeben ereignet. Wie ich dieses erlebt habe, könnt ihr unter folgendem Link nachlesen:
!Erdbeben!
Zu dieser Zeit hätte ich mir nicht erdenken können, welche Ausnahme das Beben nimmt!
Liebe Grüße, eure
Clara

Tag 230

Noch ein besonderer Schultag & mal wieder in Quito.
Kaum trete ich in die aula, schon streckt mir Luis ein Stück Kuchen entgegen. Das ist schon das dritte Mal Kuchen in dieser Woche! Daran könnte ich mich glatt gewöhnen :D.
Zum Unterricht erscheinen heute nur Britany und Matías, die somit eine 1:1 Betreuung genießen dürfen.
Während wir (wie jeden Freitag Morgen) bei Pahola im Bastel- und Malraum sitzen und die Kinder mit den Pinseln hantieren, unterhalten sich Pahola und Luis über das verbesserte Verhalten der Kinder. Tatsächlich kann auch ich sehen, dass die Gruppe insgesamt sehr viel ruhiger und die Kinder sehr viel folgsamer geworden sind. Trotzdem ist es noch ein weiter Weg, bis zu einem Schultag an dem man nicht mindestens 10 mal das Gleiche sagen muss, damit die Kinder es befolgen ;).
Nach der Bastelstunde mit Pahola geht es heute (für mich zu ersten Mal) in die aula multisensorial. Dies ist ein Raum, der ganz in Schwarz gestrichen ist. Mit Hilfe von Musik und Lichtern (die sich teilweise nur bei bestimmten Geräuschen bewegen) sollen die Sinne der Kinder stimuliert werden. Ich finde dies zwar alles sehr interessant, in dem dunklen Raum werde ich aber eher müde :D.
Um 10 Uhr werden ein paar Gruppen (darunter auch meine aus 2 Kindern bestehende Gruppe) in den kleinen Schulbus gepackt und es geht zu einer Kapelle. Dort findet anlässlich des "Lehrertags" am Mittwoch heute ein Gottesdienst statt. Die Arbeit der Lehrer wird gewürdigt und vor allem die pensionierten Lehrer oder die Lehrer, die schon 25 Jahre lang im Amt sind werden geehrt.
Nach der Messe geht es wieder zurück ins Instituto, das wir (wie jeden Tag) gegen 13.30 Uhr verlassen.
Am Abend machen Rahel und ich uns auf den Weg nach Quito, da wir (wie schon erwähnt) von Fercho, unserem ersten Couchsurfer eingeladen wurden.
In Ambato hat unser Bus auf einmal einen Motorschaden und wir müssen in einen anderen Bus steigen. Die kurze Pause nutzen Rahel und ich um etwas zu Abend zu essen. Am Straßenrand steht eine kleine Küche. Wir setzen uns zu einer netten Frau an den Esstisch und sie serviert uns Sandwiches und heiße Schokolade. Gegen die Kälte, wie sie meint.

Angekommen in Quito werden wir von Ferchos Chauffeur abgeholt. Ein bisschen irre ist es schon, wenn man bedenkt, dass wir erst letztes Wochenende noch ohne Wasser und Strom im Dschungel saßen und jetzt im Wagen eines Privatchauffeurs auf dem Weg in das reichste Wohnviertel Quitos sind.
Nachdem wir unsere Sachen in Ferchos Wohnung abgestellt haben, machen wir uns mit dem Chauffeur auf die Suche nach Fercho, der bei einer Geburtstagsfeier ist. Nach einigem Suchen haben wir das Haus von Ferchos Cousine, dessen Ehemann Geburtstag hat, gefunden und wir treffen Fercho wieder. Als wir das schicke Apartment betreten, stellt uns Fercho die Gäste vor. Wesentlich erleichtert wird es dadurch, dass 50% der Gäste seine Cousins beziehungsweise Cousinen sind. Die restlichen 50% bestehen jeweils aus dem Freund / der Freundin oder des Ehemanns / der Ehefrau der jeweiligen Cousine / des jeweiligen Cousins :D.
Alle Anwesenden sind knappe 10 - 20 Jahre älter als wir aber das scheint Niemanden zu stören.
Irgendwann am frühen Morgen gehen wir ins Bett.
Bis bald, eure
Clara

Sonntag, 17. April 2016

!Erdbeben!

Aus aktuellem Anlass sehe ich es als notwendig, diesen Eintrag zu verfassen.

Gestern Abend wurde Ecuadors Küste vom bisher stärksten Erdbeben seit knapp 40 Jahren heimgesucht. Eine Stärke von 7,8 wurde gemessen. Zahlreiche Gebäude sind eingestürzt und die Zahl der Verletzten übersteigt die 500. Nach aktuellem Stand gibt es 77 Tote. In mehreren Provinzen wurde der Ausnahmezustand ausgerufen.
Weitere Informationen:
Informationen über das Erdbeben in Ecuador

Mir persönlich geht es gut. Auch meine ganzen Bekannten und Freunde sind wohlauf.
Rahel und ich befanden uns zur Zeit des Erdbebens in Quito bei Fercho in der Wohnung. In einem der sichersten Gebäude Ecuadors haben aber auch wir ca. 200km vom Epizentrum entfernt das Erdbeben knappe 40 Sekunden lang gespürt.
Alles wackelte, wovon mir fast schwindelig wurde aber nicht ein einziges Glas ist umgefallen.

Mit dem Schreck im Nacken und in Gedanken bei den Menschen, die vom Erdbeben mehr als nur einen Schrecken davon getragen haben, beende ich diesen kurzen Zwischeneintrag.
Macht euch keine Sorgen um mich, mir geht es wie gesagt gut! :)
Viele Grüße, eure
Clara