El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Montag, 7. Dezember 2015

Tag 98 & 99

Tena - Entspannung pur und interessante Bekanntschaft.
Um 6 Uhr stehen wir am Samstagmorgen auf um um 7.15 Uhr nach Tena aufzubrechen.
Zum ersten Mal fallen mir die Sprüche auf, die im Bus an der Tür und der "Vorderwand" geschrieben stehen. Sätze wie "Gott in meinem Herzen, gib' mir dein Heil" oder "Christus liebt dich" sind zu lesen.




Nach ca. 5 Minuten machen wir Halt und legen eine Pause ein. Den Grund finde ich nicht heraus. Das Warten auf die Weiterfahrt wird durch Verkäufer erträglicher gemacht, die uns morgens um kurz nach 7 Uhr Hühnchen mit Reis andrehen wollen. Dankend lehnen wir ab ;).
Nachdem die kurvenreiche Fahrt endlich überstanden ist, schlägt uns kurz nach 9 Uhr die Hitze Tenas entgegen als wir aus dem Bus steigen.
Da das Städtchen nördlich von Puyo zum Glück nicht so groß ist, finden wir unser Hostal relativ schnell. Mit den Hängematten und dem schönen Blick über Tena lädt es zum Entspannen ein.


Blick aus unserem Zimmerfenster

Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Weg um die Stadt zu erkunden. Schnell wird klar, dass es nicht schwer ist, sich zu orientieren. Außerdem merken wir, dass Tena nicht so viel Sehenswertes zu bieten hat.
Die eigentliche Hauptattraktion - der Parque Amazónico - ist leider geschlossen, weshalb wir uns ein ruhiges, schattiges Plätzchen am Fluss suchen und das kühle Nass genießen.



Bevor wir uns aufgrund des plötzlich aufkommenden Regens in eine Bäckerei retten, setzen wir unsere Entspannungstour in einem Park fort, wo man auf Steinbänken zwischen kunstvoll bemalten Säulen die Zeit genießen kann.



In der Bäckerei probieren wir etwas, dessen Name ich vergessen habe :D. Es ist flach, rechteckig und hat 2 Schichten. Die untere Schicht ist eine Art Keksteig und die obere Schicht besteht aus Baiser. Lecker war es trotz der vielen Brösel aber auf jeden Fall ;).



Als der Regen etwas nachlässt, kehren wir ins Hostal zurück. 
Gegen Abend machen wir uns auf den Weg in eine Bar / Lounge. Dort gibt eine andere Weltwärts-Freiwillige zusammen mit einem ecuadorianischen DJ ein Konzert.
Während wir im gemütlichen Außenbereich der Guayusa Lounge unsere Getränke genießen und der Musik lauschen werden wir von verschiedenen Leuten angequatscht und führen ein bisschen Smalltalk.
Ein junger Mann unterhält sich besonders lange mit uns. Er heißt Juan beziehungsweise "Wuanshu" (auf Kichwa). Als "indígena" (= Ureinwohner) zur Kultur der Kichwa gehörend hat er ein Reisebüro und führt Touristen durch die "selva" (= Dschungel) Napos und Pastazas (= zwei Provinzen Ecuadors). In meinem Leben habe ich noch nie einen so ausgeglichenen, glücklichen, aktiven und naturverbundenen Menschen wie ihn getroffen. Ich bin sehr beeindruckt von der Begeisterung mit der er erzählt. Zu seinen Lieblingswörtern gehören "me encanta" und "me gusta" (= mir gefällt (sehr)). Außerdem sagt er nach ca. jedem zweiten Satz "¿sabes?" (= weißt du!?). Da sein Redeanteil bei ungefähr 98% liegt, bin ich immer etwas überrascht wenn ich neben "sí" (= ja), "muy bien" (= sehr gut), und "no te creo" (sinngemäß: das glaube ich ja nicht) auch mal eine Antwort geben muss, die aus mehreren Sätzen besteht. Das große Thema der Unterhaltung ist das Leben und wie man seiner Meinung nach das Beste daraus macht. Der Schlüssel zum Glück ist laut Juan / Wuanshu die Verbindung zur Natur und die Freude auf alle Überraschungen, die das Leben birgt. Außerdem meint er, dass man sich keine großen Gedanken über die Zukunft machen soll, da man ja jetzt lebt und das Hier und Jetzt genießen soll.

Wie wir bei dem Gespräch mit ihm erfahren, fliegt er im Februar nach Deutschland, da er von der Fernsehshow "Galileo" eingeladen wurde. Er wird dann 3 Monate in Deutschland verbringen und bei "Galileo" ein Interview über die Kultur der Kichwa geben. Da er am liebsten die ganze Welt bereisen möchte, leuchten seine Augen als er von der Reise nach Deuschland erzählt. Er lernt auch schon fleißig deutsch und immer mal wieder baut er ein deutsches Wort in seine Sätze ein und freut sich wie ein kleines Kind, wenn wir es verstehen. Als ich eine Pause von seinem Redeschwall brauche, begeben wir uns auf die Tanzfläche.
Dort tanzt und hüpft jeder nach seinem Gutdünken zur Musik des DJs und / oder zum Gesang der Freiwilligen umher. Diese lockere, ungezwungene Atmosphäre gefällt mir sehr gut und dass fast jeder für sich alleine tanzt habe ich hier in ecuadorianischen Diskos auch noch nicht so oft erlebt. Bevor wir gehen setzen wir uns nochmal in den Außenbereich, als eine Kellnerin auf uns zukommt. Ein paar der Leute, die vorher ebenfalls mit uns geredet haben, haben ihre Getränke nicht bezahlt. Ohne ein großes Drama daraus zu machen begleicht Juan / Wuanshu kurzerhand die offene Rechnung. Später sagt er zwar, dass er das nicht gut findet aber es scheint ihn auch nicht groß zu stören. Er nimmt das Leben eben so, wie es kommt, mit den guten wie mit den schlechten Seiten.
Auf dem Heimweg gehen wir noch bei seinem Büro vorbei, da er uns seine Visitenkarte mitgeben möchte. Juan / Wuanshu fragt uns bestimmt drei Mal, ob wir müde sind und obwohl Rahel und ich dies bejahen, stoppt sein Redeschwall nicht, sondern er erzählt uns noch eine knappe Stunde, was wir mit ihm für Ausflüge / Touren unternehmen können. Da wir jetzt "amigos" (= Freunde) sind, sollen wir ihm einfach Bescheid geben, wann wir was machen wollen "y lo hacemos" (= und das machen wir). Er möchte dafür auch kein Geld haben, denn wir sind ja "amigos". Tatsächlich klingen viele Touren / Ausflüge sehr interessant und wir werden bestimmt einiges davon unternehmen (Tubbing, Rafting, Wasserfallroute, Tour in den Yasuní-Nationalpark), auch wenn wir ihm dafür natürlich trotzdem etwas zahlen wollen. Er bietet uns (und unseren anderen Freunden / Bekannten) außerdem an, wann immer wir in Tena sind, bei ihm und seiner Familie unterzukommen. Bei so viel Gastfreundschaft bin ich sprachlos aber bei meinem Redeanteil von 2% ist das ja nicht weiter schlimm :D.

Als wir dann schließlich doch auf dem Weg zum Hostal sind (wo er uns, um unsere Sicherheit besorgt, hinbegleitet), müssen wir mehrmals anhalten, da er so lachen muss, dass er nicht weiterlaufen kann. Seine Lache ist so ansteckend, dass ich mitlachen muss, unabhängig davon um was es gerade geht :D.
Um 4 Uhr liege ich dann völlig erschöpft im Bett "y duermo como oso" (= und schlafe wie ein Bär).



Am nächsten Morgen gehen Rahel und ich frühstücken. Wir finden ein kleines Café, das von einer Schweizerin geführt wird. Das Frühstück ist unglaublich lecker und während wir eine ganze Weile in Lisbeths Café verbringen, unterhalten wir uns kurz mit einem anderen Schweizer, beantworten Lisbeths Fragen und genießen die tolle Atmosphäre des kleinen, gemütlichen, internationalen Cafés.
Bevor es um 14 Uhr wieder zurück nach Hause geht, will Juan / Wuanshu uns noch treffen.
Auch heute ist er des Redens nicht müde und seine Energie und Ausstrahlung beeindruckt mich noch immer. Er erzählt uns, dass seine Familie uns unbedingt kennenlernen möchte und betont noch einmal, dass wir bei ihm und seiner Familie immer willkommen sind. Dann müssen wir die Augen schließen, denn er möchte uns noch "regalitos" (= kleine Geschenke) übergeben. Er legt uns Schmuck an, den seine Familie herstellt. Die bemalten Pflanzensamen verknüpft durch natürliche Fasern sollen uns auf Reisen beschützen und uns Glück bringen.



Um einen sehr interessanten Kontakt reicher und mit vielen Lebensweisheiten und einem großen Stück der Lebensfreude des jungen Kichwas im Gepäck geht es für uns dann wieder zurück nach Puyo.
Liebe Grüße und (etwas verspätet) einen frohen Nikolaustag wünscht aus der Ferne eure

Clara

Samstag, 5. Dezember 2015

Tag 97

Rodolfo el reno.
Auch heute findet kein normaler Unterricht im Instituto statt. Nachdem wir mit den Kindern ein wenig gebastelt haben, brechen wir mit zwei Bussen auf nach Shell. Dort befindet sich das nächstgelegene "Kino".
Wir quetschen uns zu fünfzigst in einen Bus, der für 25 Personen ausgelegt ist. Die Kinder setzen wir jeweils zu dritt auf zwei Sitze, wir Freiwilligen nehmen immer ein Kind auf den Schoß und im Gang herrscht ebenfalls großes Gedränge. Außerdem genießen Washington, der an der offenen Türe steht und Alexandra, die auf den Stufen vor der Türe sitzt, den Fahrtwind.
Das Kino besteht aus einem kleinen Foyer, Toiletten und einem großen Raum. In diesem Raum befinden sich die Sitzplätze und die Leinwand. Mir kommt das alles etwas improvisiert vor aber schlussendlich erfüllt es seinen Zweck.
Der Film ist auf dem Desktop eines Computers gespeichert und dank der Übertragung über den Beamer können wir den Öffnungsprozess nachvollziehen :D.
Während wir "Rodolfo el reno" (= Rudolph the red-nosed reindeer) anschauen, ertappe ich ca. die Hälfte der Lehrer dabei, wie sie mit dem Schlaf kämpft. Auch ich werde müde aber was mich davon abhält, einzuschlafen ist, dass keine Sekunde vergeht, ohne, dass mich irgendwelche Kinderhände berühren. Besonders Eduarda, die immer möchte, dass man mit ihr kuschelt, lässt mich keine Sekunde in Ruhe. Die einzige "kinderhandfreie Zeit" habe ich, als Popcorn verteilt wird und alle am Essen sind.
Mit dem vollbepackten Bus, auf dessen Dach noch sämtliche Rollstühle geschnallt wurden, geht es pünktlich zum Mittagessen zurück ins Instituto.
Bei diesem heißen Tag heute bin ich froh, dass der Schultag nicht so anstrengend war :D. Der Hitze werde ich die nächsten 2 Tage aber auch nicht entgehen, da Rahel und ich nach Tena reisen, wo es nochmal wärmer ist als in Puyo.
Bis morgen dann aus Tena, eure
Clara

Freitag, 4. Dezember 2015

Tag 96

Weihnachtlicher "Día internacional de las personas con discapacidad".
Zuerst muss ich eine kurze Bemerkung zum Wetter los werden: seit ich hier bin, habe ich hier noch nie so gefroren, wie letzte Nacht. Da es die letzten Tage wenig Sonne gegeben hat, war es schon die Tage davor sehr kühl aber letzte Nacht war dann der Höhepunkt. Da unser Apartment weder isoliert noch gedämmt ist, ist es drinnen genau so warm / kalt wie draußen. Deshalb war mit mit 2 paar Socken, langer Jogginghose, langärmligem Sweatshirt, Alpakapulli und zwei Decken trotzdem richtig kalt.
Das soll sich aber im Laufe des Tages ändern, denn als ich nach Hause komme, bin ich heilfroh, als ich Jeans und T-Shirt gegen kurze Hose und Top tauschen kann.

Da heute - am 3.12. - der "Día internacional de las personas con discapacidad" (= internationaler Tag der Menschen mit Behinderung) ist, findet im Instituto kein Unterricht statt. Nach dem Frühstück brechen wir stattdessen ins Colegio primero de Mayo auf, wo ein Programm stattfindet.
Während Rafael in zwei Busladungen nach uns noch die restlichen der insgesamt 119 Instituto-Schüler zum Colegio bringt, machen Luis und ich mit den Kindern noch einen kleinen Spaziergang. Dank dem wolkenlosen Himmel habe ich auf einem kleinen Hügel einen wunderschönen Blick auf die schneebedeckten Berge in der Ferne.

(links: der kegelförmige Vulkan Sangay)

Das vorbereitete Programm besteht aus dem Auftritt von zwei (behindertern) Sängern, zwei Clowns, die mit den Kindern tanzen, einer kurzen Rede, dem Auftritt einer Tanzgruppe und dem Besuch von 5 dressierten Hunden + Herrchen.
Anschließend gibt es Kuchen und Cola.
Insgesamt bin ich sehr begeistert, wie ruhig meine Kinder auf ihren Stühlen sitzen geblieben sind. Natürlich sucht Matías mal wieder das Rampenlicht aber ansonsten bleibt alles sehr stressfrei.


Zuhause schmücken wir "endlich" unseren Weihnachtsbaum.
Während ich den Plastikbaum ausklappe und Weihnachtslieder in meinen Ohren erklingen, kann man trotz kurzer Hose und Top ein bisschen Weihnachtsstimmung spüren.
Im allgemeinen und allgegenwärtigen Kitsch befürchte ich schon das Schlimmste aber schlussendlich ist unser Baum dank Ruths doch recht gutem Geschmack gar nicht so kitschig.

Die weiß und blau blinkende Lichterkette ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber da der restliche Schmuck in gold und rot gehalten wurde, kann man da schon ein Auge zudrücken :D.
Nach nicht mal 20 Minuten steht der geschmückte Baum und auch das restliche Wohnzimmer wurde mit Figuren dekoriert. Weihnachten kann also kommen ;).




Somit schicke ich vorweihnachtliche Grüße aus dem (jetzt wieder) sonnigen Puyo.
Hasta pronto,
Clara

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Tag 95

Auf der anderen Seite des Klassenzimmers.
Seit Anfang Juli dieses Jahres drücke ich nun nicht mehr die Schulbank :)).
Trotzdem sind Lehrer, Tafel und Co nicht aus meinem Leben verschwunden :D. Seit August bin ich wieder fast täglich in der Schule, allerdings habe ich die Seiten gewechselt. Aufgrund der eingeschränkten Fähigkeiten der Kinder im Bezug auf akademische Prozesse, findet im Instituto zwar kein herkömmlicher Schulunterricht statt, dennoch gibt es den Lehrer als eine klar definierte Autoritätsperson. In der Gruppe habe ich die Rolle einer Assistenz, wobei ich immer öfters auch die Lehrkraft ersetze und den "Unterricht" teilweise alleine durchführe.
Wie schon öfters angekündigt, haben wir Freiwilligen außerdem ein gruppenübergreifendes Projekt im Instituto geplant. Dazu haben wir die 16 Gruppen des Institutos in 2 Großgruppen aufgeteilt, mit denen wir 2 unterschiedliche Projekte starten. Einmal die Woche haben wir 1,5 Stunden zur Verfügung, in denen wir mit 2 Gruppen jeweils 45 Minuten lang arbeiten. Da Rahel und ich und Miriam und Linea zusammen arbeiten, arbeiten wir pro Woche somit mit vier unterschiedlichen Gruppen.
Das erste Projekt steht unter dem Motto "El libro de la selva" (= das Dschungelbuch). Zusammen mit den verschiedenen Gruppen werden wir die Geschichte rekonstruieren und mit Hilfe von Tänzen, Bühnenbild, einigen Hauptpersonen und natürlich Musik eine kleine Show vorbereiten. 
Offiziell starten wir das erste Projekt im Januar und präsentieren die Show Ende März in der "Casa de la cultura" in Puyo. Allerdings haben wir heute schon die erste Einheit durchgeführt, um innerhalb dieser und der nächsten Woche alle 8 Gruppen, die an diesem ersten Projekt teilnehmen werden, kennenzulernen. Rahel und ich arbeiten heute als erstes mit Ruths Gruppe, in der alle Kinder blind sind (bis auf ein taubes Mädchen). Für mich ist es sehr interessant, mit ihnen zu arbeiten, da es mich im Gegensatz zu Luis' und Jennys Gruppe vor ganz andere Herausforderungen stellt. Trotzdem macht es mir Spaß und ich bin begeistert, als ich merke, was wir mit dieser Gruppe auf die Beine stellen können. Der Schwerpunkt wird auf der Musik liegen und da außer Karen auch eine andere Schülerin wunderschön singen kann und Ruths aula außerdem über jede Menge Musikinstrumente verfügt, lässt sich damit sehr gut arbeiten.
Die zweite Gruppe, mit der Rahel und ich heute arbeiten ist Luis' Gruppe. Meine Kinder sollen Affen darstellen und da sie sowieso immer wild umherwuseln stellt das auch kein allzu großes Problem dar :D.
Durch die Projekte erleben wir verschiedene Gruppen, was unsere Arbeit vielfältiger gestaltet. Ich freue mich schon darauf, die anderen Gruppen kennenzulernen und zu sehen, was man zusammen mit ihnen auf die Beine stellen kann.

Neben der Arbeit im Instituto geben wir Puyo-Freiwilligen montags, dienstags und mittwochs kostenlosen Englischunterricht. Dieser findet von 15 bis 18 Uhr in drei verschiedenen Gruppen unterschiedlichen Niveaus statt. Da das allgemeine Englisch-Niveau hier leider sehr schlecht ist und sich die Anzahl der Englisch-Lehrer sehr in Grenzen hält, sind viele froh, über diese Stunden, in denen Fragen gestellt werden können, bei Hausaufgaben geholfen wird oder auch ganz neu in die Sprache eingeführt wird.
Für mich ist es heute das erste Mal, dass ich hier Englischunterricht gebe. Als ich die aula zur ersten Stunde betrete, bin ich schon von dem Anblick ruhig dasitzender Kinder echt begeistert, da ich so etwas in meiner Instituto-Gruppe tatsächlich nur selten erlebe.
Den 6-11 Jährigen Sätze wie "What's your name?, "Where do you live?" und "How old are you?" beizubringen macht mir besonders viel Spaß als ich merke, wie schnell die Kinder das aufnehmen können. Alle schreiben fleißig in ihren Heftchen mit und geben mir diese am Schluss der Stunde, damit ich schauen kann, ob sie alles richtig aufgeschrieben haben. Obwohl ich meine Instituto-Kinder sehr lieb habe, ist es auch mal eine nette Erfahrung, zu sehen, wie schnell diese Kinder etwas lernen und wie aufmerksam, ruhig und diszipliniert sie bei der Sache sind.
In der zweiten Stunde bin ich die kompletten 60 Minuten damit beschäftigt. einem 14-jährigen Mädchen bei seinen Hausaufgaben zu helfen. Dabei merke ich, wie leicht mir das Spanisch inzwischen über die Lippen kommt und manchmal fällt mir sogar erst das spanische Wort ein, als ich nach einer Übersetzung gefragt werde :D.

In der letzten Stunde ist nur ein Schüler da, der ein Referat vorbereiten muss.
Trotz dass der Mittwoch ab jetzt immer ein langer Tag wird (da wir zwischen Instituto und Englischunterricht nicht nach Hause gehen können), finde ich es schön, dass der Englischunterricht von jetzt an in meinen Alltag eingegliedert werden kann.
Hasta luego oder goodbye, eure
Clara

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Tag 94

Einfluss der Regierung im Schulalltag und Weihnachtsvorbereitungen.
Anders als in Deutschland gibt die ecuadorianische Regierung im öffentlichen Bildungswesen (unser Instituto mit eingeschlossen) sehr vieles vor. Dies hat negative, als auch positive Seiten.
Wie schon erwähnt müssen sich jeden Montag Morgen alle Schüler und Lehrer vor der Schule aufreihen, die ecuadorianische Flagge hissen und die Nationalhymne singen. Dabei trägt jeder Schüler (wie auch während dem Rest der Woche) seine Schuluniform. Lehrer besitzen ebenfalls eine Uniform, die jeden Tag ein anderes Outfit vorschreibt (angefangen mit einem festlichen Hemd am Montag und abschließend mit einer Turnhose am Freitag).
Der Inhalt der Schulmahlzeiten wird ebenfalls angeordnet und kontrolliert. Jedem Schüler wird ein Frühstück, eine Frucht in der Pause und ein Mittagessen in der Schule angeboten, was meiner Meinung nach sehr gut ist, da es immer wieder Schüler gibt, die mit großem Hunger aus dem Wochenende kommen. Mit Hilfe der Regierung kann garantiert werden, dass jedes Kind zumindest werktags genug zu Essen bekommt. Zusätzlich werden den Kindern abgepackte Frühstücksportionen mit nach Hause gegeben.
Auch was die Gesundheit der Kinder betrifft, hat die Regierung die „Finger im Spiel“. Regelmäßig kommen Ärzte ins Instituto, die jeden Schüler impfen wollen. Unsere Aufgabe dabei ist es, angeschlagene und kranke Kinder vor den Spritzen zu retten, da in der Anonymität des Prozesses darauf keine Rücksicht genommen werden kann.
Kürzlich bekamen wir Besuch von einem Zahnarzt, der den Schülern zeigte, wie man richtig die Zähne putzt. Dabei wurde jeder Schüler mit einer kostenlosen Zahnbürste und Zahnpasta ausgestattet. Außerdem bekamen wir neulich Besuch von einer Ärztin, die über Aufklärung gesprochen hat. Diese war auch heute - am Welt-AIDS-Tag - wieder da und hat über die Krankheit, deren Verlauf und deren Übertragung gesprochen. Auf Spanisch heißt AIDS übrigens SIDA. Genau so wie bei NATO (= "OTAN") und UNO (="ONU") wurden hier einfach nur die Buchstaben in eine andere Reihenfolge gebracht. Mit einem roten Schleifchen, das mir angesteckt wird gelte auch ich jetzt als "Botschafterin" :D.



Der Einfluss der Regierung reicht soweit, dass sie entscheidet, welcher Lehrer eingestellt wird, wer welchen Posten besetzt und wer gefeuert wird. Dabei wird leider auch darauf geachtet, welcher Lehrer welche politische Partei unterstützt.
Zusätzlich schreibt die Regierung vor, dass alle Schüler jährlich einen demokratischen Prozess in der Schule miterleben müssen. Dieser fand bei uns in Form der Schülerratswahl Anfang November statt.

Der heutige Unterricht in Luis' Gruppe steht ganz unter dem Motto "Weihnachtsvorbereitungen". Während ich ironischerweise Schneeflocken ausschneide, stanzt Luis aus Glitzerpapier Sterne und andere Formen aus (ich wundere mich dabei etwas, was ein Schmetterling mit Weihnachten zu tun hat :D).



Zweimal werden unsere Vorbereitungen unterbrochen.
Das erste Mal wird Luis zu einem tierischen Notfall gerufen und kommt wenig später mit einer Riesenheuschrecke in den Händen zurück. Er erklärt mir, dass die Kinder, die in Indigenenkommunen leben, diese oft einfangen und an Affen verfüttern.
Das zweite Mal klopft das Fernsehen an unsere Tür. Da gerade ein Weihnachtsvideo gedreht wird und auch das Instituto darin vorkommen soll, werden die Kinder schnell vor die Tür der aula gestellt und es wird ein Lied gesungen. Auch ich bekomme einen kleinen Part in dem Video. Ein Kind soll mir eine Plastikrose übergeben und "feliz navidad" (= frohe Weihnachten) sagen. Da die Kinder aber von der Kamera und den fremden Leuten ziemlich eingeschüchtert sind, wird diese Szene ziemlich oft und mit verschiedenen Kindern gedreht. Als auf einmal dann doch alle Kinder über mich herfallen, mich umarmen, sich an mich hängen und tatsächlich irgendjemand "feliz navidad Clara" schreit, ist das Fernsehteam aber zufrieden. Als "Gage" für meinen Auftritt darf ich die Plastikrose sogar behalten :D.
Nach dem Mittagessen kehren wir Freiwilligen noch einmal ins Instituto zurück. Da wir, wie schon erwähnt, ein gruppenübergreifendes Projekt starten wollen, gibt es dazu heute eine Besprechung. Es ist sehr interessant, eine Lehrerbesprechung, bei der auch wirklich alle Lehrer mal da sind, mitzuerleben. Wie immer läuft alles sehr formell und offiziell ab aber in manchen Momenten erinnert mich alles auch an eine chaotische Klassenzimmerdiskussion, 
Zuhause ist endlich "mamá Ruth" (= Mama Ruth, so wurde Ruth von Paulina neulich genannt) wieder da, die seit Freitag in Loja war, um sich einer Zahn-OP zu unterziehen. Des Weiteren bin ich heute dran, das erste "Türchen" unseres Adventskalenders zu öffnen :).



Ich hoffe, ihr seid gut in den Dezember gestartet!
Liebe Grüße aus Puyo, eure

Clara

Dienstag, 1. Dezember 2015

3. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

3 Monate, 1/4 (!!!) meines Auslandsjahres ist jetzt schon vorbei :O.
Rückblickend kann ich sagen, dass sich zum Glück äußerst wenige Bedenken / Ängste, die ich anfangs hatte, bewahrheitet haben. Genau mit diesen Bedenken / Ängsten möchte ich ich mich in diesem Post befassen.

Bevor ich am 29.08.2015 in Quito gelandet bin, hatte ich Bedenken / Angst, dass...
  • ... mir das Essen hier nicht schmeckt
    ➡ darüber kann ich jetzt im Nachhinein nur lachen, denn das Essen schmeckt mir (mit wenigen Ausnahmen) ausgesprochen gut! :D
  • ... man schnell und viel an Körpergewicht zunimmt
    ➡ obwohl ich um ein bisschen mehr auf den Rippen nicht traurig bin, bin ich trotzdem erstaunt, wie schnell ich zugenommen habe :D. Liegt wahrscheinlich an dem vielen, leckeren Essen :D.
  • ... ich irgendwelche komischen Krankheiten aufgrund der veränderten (hygienischen) Umstände bekomme
    ➡ toi toi toi, bisher beläuft sich meine Krankheitsbilanz auf ein paar Tage Schnupfen und Halsschmerzen und hin und wieder mal ein bisschen Bauchzwicken
  • ... Rahel und ich uns nicht verstehen werden
    ➡ genau das Gegenteil ist der Fall: ich wäre auf jeden neidisch, der Rahel als Teampartnerin bekommen hätte <3
  • ... die Kriminalität hier den Alltag sehr beeinflusst und man ständig aufpassen muss
    ➡ natürlich herrschen hier andere Verhältnisse als in Deutschland. Man trifft andere Sicherheitsvorkehrungen und hört auch das ein oder andere Mal von irgendwelchen Überfällen. Wenn man jedoch gelernt hat, aufmerksam zu sein und gewisse Sicherheitsmaßnahmen zu wahren, muss man sich meiner Meinung nach keine große Sorgen machen. So gehe ich damit jedenfalls um :D. Unnötige Angst bringt schließlich keinem etwas.
  • ... man in Puyo keinen Tag ohne Regen erlebt, ständig alles feucht ist, nichts trocknet und Sachen anfangen zu schimmeln
    ➡ die Anzahl der Tage, an denen es nicht regnet kann man tatsächlich beinahe an einer Hand abzählen. Allerdings ist bisher noch nichts geschimmelt und auch unsere Wäsche trocknet gut ;).
  • ... es mir vorkommt, dass die Zeit nicht vergeht
    ➡ bis jetzt ist die Zeit für mich wie im Fluge vergangen :D
  • ... wir alles per Hand waschen müssen :D
    ➡ auch wenn Spülmaschinen hier unbekannt sind (seit Linea deren Existenz mal im Instituto erwähnt hat, wünschen sich einige Mütter, dass wir ihnen aus Deutschland Spülmaschinen schicken :D), haben wir den Luxus, dass Ruth eine Waschmaschine besitzt
  • ... bestimmte Hygieneartikel nicht vorhanden sind
    ➡ eigentlich bekommt man alles (bis auf Duschgel :D). Manchmal allerdings sehr überteuert, weshalb wir froh sind, bestimmte Artikel auf Jahresvorrat aus Deutschland importiert zu haben.
  • ... die Kommunikation nach Deutschland schwer wird
    ➡ dank Ruths Internetanschluss ist täglicher Kontakt mit "Deutschland" möglich ;). Durch die Distanz und die Zeitverschiebung merke ich aber trotzdem, dass regelmäßiger Kontakt mit "allen" unmöglich ist. Dafür freut man sich umso mehr, wenn man dann doch mal Zeit findet, zu skypen oder über längere Zeit zu chatten, was auch etwas Positives hat.
  • ... ich viel Heimweh habe
    ➡ natürlich kann ich nicht bestreiten, dass mir Deutschland und die Menschen dort manchmal sehr fehlen. Das hält sich im Großen und Ganzen aber wirklich sehr in Grenzen.
  • ... ich zu den Kindern des Institutos keinen Zugang finde
    ➡ obwohl ich davor noch nie mit "niños especiales" (wie die Kinder mit Behinderung hier genannt werden) gearbeitet habe, wurde ich von ihnen mit offenen Armen empfangen und hatte auch anfangs kein Problem bei der Arbeit mit ihnen. Natürlich gibt es auch stressige Zeiten aber die Kinder schenken mir so viel Liebe und so viel Fröhlichkeit, was die stressigen Zeiten mehr als wett macht.
  • ... ich Probleme mit der Sprache habe
    ➡ glücklicherweise hatte ich von Anfang an nie ein großes Problem mit dem Spanisch (an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine SpanischlehrerInnen :)). Zwar habe ich anfangs zum Beispiel Ruth schlechter verstanden als Samuel aber nach ein paar Wochen hatte ich mich auch daran gewöhnt. Inzwischen gibt es im Alltag eigentlich keine Verständnisprobleme mehr und ich merke, wie ich schon viel flüssiger spreche.
  • ... ich mit der Wohnsituation hier nicht klar komme
    ➡ bevor ich angekommen bin, hatte ich noch keine Ahnung, wo ich wohnen werde, was meine Bedenken geschürt hat. Mit Ruth, meiner Gastmama, haben wir aber so ein Glück und auch unser Apartment ist für mich ein zuhause geworden, in dem ich mich sehr wohl fühle, obwohl vielleicht nicht immer alles verfügbar ist (Leitungswasser zum Beispiel :D).
  • ... es schwer wird, Kontakte zu knüpfen
    ➡ dank der Offenheit der Ecuadorianer lösen sich diese Bedenken in Luft auf. Was sich aber nach wie vor als etwas schwierig gestaltet ist, Kontakt zu gleichaltrigen Ecuadorianerinnen zu knüpfen. Ruth meint, dass diese uns (unnötigerweise) als eine Art "Konkurrenz" sehen.
  • ... ich mich hier nicht wohl fühle
    ➡ wie inzwischen bestimmt schon rüber gekommen ist, fühle ich mich hier mehr als wohl!! :)
Auf das nächste 3/4 Jahr!
Bis in 269 Tagen wieder in Deutschland, eure
Clara

Tag 93

Arbeitsweisen.
Als ich heute mit Rahel zusammen zum Zentrum laufe, fällt mir eine Frau auf, die vor einer Fleischerei sitzt und mit einer Fliegenklatsche in der Hand Ungeziefer von einem toten Schweinskopf vertreibt.
Am Straßenrand sitzen vereinzelt ältere Frauen und Kinder, die Süßigkeiten, Kaugummis, Obst und Früchte verkaufen.
An zahlreichen Straßenständen (die teilweise mit Hilfe von Rollen durch das ganze Zentrum geschoben werden können) kann man "choclo", "maduro" oder andere Snacks kaufen.
Gelangweilt aussehende Sicherheitsmänner bewachen Ladenein- bzw. -ausgänge.
Flinke Kellnerinnen servieren leckeres Essen und schicke Geschäftsmänner und -frauen bahnen sich ihren Weg durch das Verkehrschaos.
Hupende Taxifahrer, lachende Bauarbeiter auf den Ladenflächen der LKWs und Busfahrer, die schreiend ihr Ziel ankündigen, füllen neben anderen Autofahrern die Straßen.
Ich beobachte einen Maler, der ,sich aus dem Fenster lehnend, eine Hauswand anstreicht.


Außerdem werde ich auf eine Stellenanzeige aufmerksam. Mit der Beschreibung "Se necesita personal para trabajar" (= man braucht Personal zum Arbeiten) bleibt zumindest spannend, welche Stelle man übernehmen wird.
Da auch meine Arbeitsweise von "inaktiv" wieder zu "aktiv" gewechselt hat, bin ich ziemlich müde (mit einer verstopften Nase ist alles so anstrengend :D). Trotzdem war es schön, wieder im Instituto gewesen zu sein, zu merken, wie die Kinder einen vermisst haben und zu sehen, wie sehr die Lehrer sich um Einen kümmern (ich bekomme ca. 10000 Hausmittel als Tipps mit auf den Weg).
Hasta mañana mis queridos lectores
Clara