El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Mittwoch, 16. März 2016

Tag 199

Projektplanung im vollen Gange & schrecklicher Flugzeugabsturz.
Im Instituto arbeiten Rahel und ich mit den Gruppen weiter an der Ausarbeitung der jeweiligen Szenen, Gloria (= der "Bär Balou") beichtet mir, sie habe ihren Text verloren und Cristopher (= der "Panther Baghira") präsentiert uns stolz seinen Text, den er inzwischen schon auswendig gelernt hat.
Am Nachmittag werden Flyer entworfen und Szenen durchgesprochen. Endlich nimmt alles eine Form an! :)
Während wir mit den Gedanken gerade voll im "Dschungelbuch" stecken, berichtet uns Ruth von einem schrecklichen Ereignis. Im Fernsehen habe sie erfahren, dass unweit von Puyo, in Fátima (was mit dem Bus in einer knappen Viertelstunde von Puyo aus zu erreichen ist), ein Flugzeug abgestürzt sei. An Bord waren 22 Menschen. Keiner überlebte. Später finden wir folgenden Artikel:
Ecuador: 22 Tote bei Absturz eines Transportflugzeuges
Mit einer traurigen Nachricht geht der Tag somit zu Ende.
Meine Gedanken sind heute Abend bei den Familien der Opfer.
Bis dann, eure
Clara

Dienstag, 15. März 2016

Tag 198

Renovieren & reproduzieren.
Luis' Pläne zur Renovierung der aula scheinen tatsächlich Fuß zu fassen, wie ich am Montagmorgen feststelle. Die Farbe zum Streichen ist schon angerührt und jede Menge Schleifpapier zum säubern der Möbel liegt bereit. Den ganzen Morgen wird gestrichen, geschliffen (und anschließend lackiert) und geputzt.



Weiterhin geht es mit unserem Projekt gut voran. In einer zweiten Versammlung mit den Hauptrollen sprechen diese heute erstmals ihren Text. Bei 4 voluntarias und 4 Hauptrollen ist eine 1:1 Betreuung möglich, was sehr gut ist. Teilweise können unsere Hauptrollen nämlich nicht lesen und so muss man ihnen den Text vorlesen, damit sie ihn wiederholen können. Da wir den Text aber sehr gekürzt und ihn sehr einfach gehalten haben, merken wir glücklicherweise schnell, dass sich Panther, Bär, Tiger und Mogli ihren Text schnell merken können.
Zuhause schaffe ich es (wie ihr es vielleicht schon bemerkt habt) endlich, meinen Blog wieder auf den neusten Stand zu bringen ;).
Ich hoffe, ich habe euch genug Lesestoff beschert :D.
Bis morgen, eure
Clara

Tag 197

Río Tena in XXL.
Nachdem wir uns am Sonntagmorgen mit einer herzlichen Umarmung von Rodrigo verabschieden, gehen wir im Restaurant nebenan frühstücken.
Gestärkt machen wir uns auf den Heimweg.

Das erste Stück trampen wir mit einem Lkw - so eine gute Sicht hatten wir noch nie! :D Arturo erklärt uns, dass er schon seit 35 Jahren Zement von Quito, wo er mit seiner Familie wohnt, nach Coca fährt. Wir unterhalten uns mit ihm viel über die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die ihm sehr am Herzen liegt und auch über die Sicherheit hier in Ecuador.
Die nächste Etappe legen wir mit ein paar "Erdölingenieuren" zurück. Da sie gerade am Arbeiten sind, halten wir bei verschiedenen Leuten an um Gasflaschenbestände zu kontrollieren.
Kurz vor Tena bemerken wir auf einmal einen platten Autoreifen. Glücklicherweise haben die drei "ingenieros" Ahnung vom Reifenwechsel und so ist die Sache mit einem Ersatzreifen, einem Wagenheber, einem Schraubenschlüssel und ein paar losen Backsteinen, die aus dem Gehweg genommen werden, schnell gelöst :D
Als wir dann in Tena ankommen, sehen wir schon von weitem, dass der Río Tena heute anders ausschaut. Der sonst klare, ruhige Fluss hat sich in eine reißende, braune Strömung verwandelt. Der über die Ufer getretene Fluss hat die ganze Uferpromenade überschwemmt. Natürlich hält das die vielen Schaulustigen nicht davon ab, dem Fluss so nahe wie möglich zu sein: im Gegenteil. Mehr und mehr Menschen versammeln sich an der Promenade "um zu schauen" und so patrouilliert die Feuerwehr und passt auf, dass sich kein Abenteurer in die Fluten stürzt.
Zuhause angekommen erzählt uns Ruth, dass der Río Tena neben weiteren Flüssen heute schon den ganzen Tag die Nachrichten in Funk und Fernsehen bestimmt.
Da Rahel und ich inzwischen schon häufiger getrampt sind, ist mir aufgefallen, dass die Leute oft über ähnliche Dinge reden. Neben dem üblichen Smalltalk (Woher kommst du? Was machst du hier? Wie alt bist du? ... ) werden uns häufig Fragen über Deutschland gestellt, wobei wir oft das Vorurteil Deutschland = Bier zu widerlegen versuchen. Im Gegenzug werden wir oft davon überzeugt, dass es auch viele Männer gibt, die den "machismus", der hier in Ecuador wie in vielen Teilen Südamerikas, verbreitet ist, nicht unterstützen. Auch reden die Leute oft über aktuelle Ereignisse wie beispielsweise über die beiden ermordeten Argentinierinnen in Montañita (ich weiß nicht, ob man in Deutschland davon etwas mitbekommen hat) oder (brandaktuell) über den Río Tena.
Wenn wir auf die Frage "¿Cómo les gusta Ecuador?" (= wie gefällt euch Ecuador?) mit "Nos gusta muchísimo." (= es gefällt uns sehr gut) antworten, wurde uns schon des Öfteren vorgeschlagen, doch einen Ecuadorianer zu heiraten, damit wir bleiben können :D. Für uns ist das aber weiterhin keine Option ;).
Nach einem ruhigen Sonntagnachmittag starten wir morgen ausgeruht in die neue Woche.
Un abrazo grande, eure
Clara

Tag 196

Autopanne und ein riesiger Wasserfall.
Bevor wir am Samstag weiter Richtung Cascada San Rafael fahren, stehen wir noch eine Weile an einem Obst- und Gemüsestand, wo es auch Brötchen zu kaufen gibt, die Rahel und ich nur zu gerne als Reiseproviant mitnehmen wollen. Einziges Problem: von einem Verkäufer oder einer Verkäuferin fehlt jede Spur. Da wir aber nicht unter Zeitdruck stehen, warten wir eine halbe Stunde bis der Verkäufer in aller Ruhe endlich auftaucht. So viel Geduld wie wir haben Wenige. Viele bleiben zwar stehen aber sobald sie sehen, dass niemand da ist gehen sie weiter.
Schließlich sitzen wir im Bus nach Baeza und nach zweieinhalb Stunden kurviger Strecke mit teils nicht asphaltierter Straße kommen wir in dem kleinen Städtchen an. Dort angekommen schlägt uns erstmal die feuchte, warme Luft entgegen, die nach dem auf 13°C heruntergekühlten Bus wirklich gut tut. Was mir als erstes auffällt: Baeza wirkt wie ausgestorben. Schon auf der Busfahrt waren Rahel und ich die einzigen Touristen aber auch hier auf den Straßen ist wenig los.
In einem kleinen Laden fragen wir nach einem empfehlenswerten Hostal. Eine Frau beschreibt uns freundlich den Weg, meint aber, wir sollten besser ein Taxi nehmen, denn es sei "lejos" (= weit (weg)). Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass man sich hier verläuft und ich auch die Angabe "lejos" oft anzweifle (teilweise gilt es hier schon als "weit", wenn man 15 Minuten laufen muss :D) folgen wir ihrem Ratschlag.

Tatsächlich wäre es kein Problem gewesen, die Strecke zu laufen aber freundlicherweise bringt uns der Taxifahrer sogar bis zur Haustür des Hostals. Dort macht uns ein Mann auf, den wir als Gast identifizieren. Wie sich herausstellt, haben wir recht aber da der Hostalvater erst heute Abend wieder kommt, wurde Marco die Verantwortung übertragen. Der freundliche Kanadier drückt uns einen Schlüssel in die Hand und unterhält sich ein wenig mit uns. Sein Spanisch ist zwar gut aber er kann es nicht vermeiden, dass sich immer mal wieder ein englisches Wort den Weg in seine Sätze bahnt ;).
Gegen 12.30 Uhr machen Rahel und ich uns dann auf den Weg zum Wasserfall.
In dem ruhigen Städtchen (wenn man es überhaupt so nennen kann) fahren kaum Autos und noch weniger Busse :D. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als mal wieder zu trampen. Zuerst landen wir in dem kleinen Nachbarörtchen "El Chaco". Dort komme ich dazu, ein paar Bilder der tollen Landschaft zu machen. Zwar sehe ich die gleiche Landschaft auch in der Umgebung von Puyo aber da Baeza und auch El Chaco deutlich kleiner sind als Puyo, ist man hier noch einmal näher an der Natur.



Da die Straße, auf der wir von Puyo über Tena nach Baeza (bzw. zur Cascada San Rafael) fahren, die letzte große Straße ist bevor "das große Grün" anfängt und es Richtung Cuyabeno - bzw. Yasuní - Nationalpark geht, sehe ich rechts der Straße nichts als das Amazonastiefland, das wie ein großer, grüner Teppich erscheint, durch den sich silber glitzernde Flussfäden ziehen. Um es in einem Wort zu beschreiben: es ist ganz schön unwirklich! Zu wissen, dass sich in östlicher Richtung quasi keine größere Stadt mehr befindet gibt mir ein komisches Gefühl - eine Mischung aus Neugier und Spannung.
Weiter auf dem Weg zu den in die Tiefe stürzenden Wassermassen geht es mit einem alten, klapprigen Nissan. Etwas eingeengt quetschen Rahel und ich uns neben den Fahrer auf einen schmalen Sitz. Gerade noch erklärt der Fahrer uns stolz, wie gut sein Auto noch funktioniert obwohl es schon 42 Jahre alt ist, da verursacht ein durchgebranntes Kabel eine grau-blaue Rauchwolke in der Fahrerkabine. Ein bisschen Grinsen müssen Rahel und ich schon aber da das Auto trotz Bemühungen des Fahrers nicht mehr anspringen will, verabschieden wir uns und es geht weiter. Diesmal mit einem Kolumbianer, der mit seinen Kollegen Strommasten im Oriente aufstellt. Sein rasanter Fahrstil wird dadurch erklärt, dass er die Strecke in und auswendig kennt. Trotzdem wird mir ein bisschen flau im Magen als wir die kurvenreiche Strecke mit teilweise 140 km/h (!!!) entlang rasen. Die waghalsigen Überholmanöver lassen die Reifen quietschen aber es geht immer alles gut. Für einen Vorfall, bei dem wir nur um Haaresbreite nicht frontal auf ein entgegenkommendes Fahrzeug gedonnert sind, entschuldigt er sich am Ende aber.
Endlich kommen wir am Eingang des Naturreservats Cayambe - Coca an, wo sich der Wasserfall befindet.



Nach einem halbstündigen Fußmarsch erreichen wir den Aussichtsturm von dem aus wir eine atemberaubende Sicht auf den 170 m hohen Wasserfall haben. Einerseits ist der Anblick echt beeindruckend, andererseits auch beängstigend wenn man sieht, mit welcher Kraft das Wasser bereits Hohlräume aus dem Fels gewaschen hat.



Obwohl der Wasserfall eine echte Touristenattraktion sein könnte, sind wir quasi alleine. Ob das an dem umständlichen Anfahrtsweg oder der "Nebensaison" liegt, bleibt ungeklärt.
Auf dem Rückweg nach Baeza fahren wir wieder mit ein paar Mitarbeitern der Elektrizitätsfirma.
In El Chaco treffen wir aber zufällig auf einen Bus, der uns nach Baeza bringt. Leider verpassen wir die Haltestelle, von der aus unser Hostal nur wenige Gehminuten entfernt liegt. Wir landen im Zentrum und entschließen uns dazu, noch etwas essen zu gehen. Da keine Bedienung auftaucht, kümmert sich ein junger Mann darum, dass wir zu unserem Abendessen kommen.
Oft wurde schon betont, wie freundlich die Leute im Oriente sind. Auch wird immer wieder gesagt, dass es hier im Amazonastiefland sehr sicher ist, da es kaum "gente mala" (wortwörtlich übersetzt: schlechte Menschen) gibt. Bisher haben wir glücklicherweise auch noch keine gegenteiligen Erfahrungen gemacht :).
Baeza liegt einige Meter höher als Puyo, weshalb es abends echt kühl wird.
Im Hostal treffen wir auf unseren Hostalvater mit dem wir uns noch eine ganze Weile unterhalten. Rodrigo ist sehr lieb und bei einem Tee tauschen wir viele Erfahrungen aus. Er interessiert sich sehr für Deutschland und unsere Arbeit hier in Ecuador und so kommt die Idee auf, dass es vielleicht möglich ist, die Freunde (meine Trägerorganisation) mit einigen Schulen im Umkreis bekannt zu machen. Wer weiß - vielleicht entsteht ja ein neues Projekt daraus! :)
Besonders lustig wird es als wir auf ein typisches Vorurteil gegenüber Deutschen stoßen. Sobald man hier erwähnt, dass man aus Deutschland kommt, schießt den Menschen ein Gedanke in den Kopf: Bier und Würstchen. Den Leuten dann zu erklären, dass Deutschland nicht nur aus dem Oktoberfest besteht ist manchmal gar nicht so einfach :D.

Da Rodrigo immer wieder internationale Gäste hat, kann er verschiedene Sprachen inzwischen sehr gut imitieren. Das, was er uns als Deutsch präsentiert, klingt für uns zwar lustig aber auch irgendwie nachvollziehbar. Rodrigo meint, dass Russisch für ihn am "agrressivsten" klingt, was er uns mit einer authentischen Imitation der Sprache darlegt.
Hier, im Hostal, fühle ich mich irgendwie zuhause. Ob es dadurch kommt, dass wir alle zusammen quasi in Rodrigos Wohnzimmer sitzen und Tee trinken oder dadurch, dass Rodrigos Frau Marco (dem kanadischen Gast) zuruft, dass seine Wäsche erst morgen fertig ist, kann ich nicht sagen. Jedenfalls sorgt alles für eine sehr familiäre Atmosphäre :).
Als die Tassen leer sind und wir auch schon fast 23 Uhr haben, gehen wir schlafen.
Da es wirklich kalt geworden ist, bin ich froh, dass Rahel neben mir liegt. So profitiere ich zumindest ein bisschen von ihrer Körperwärme :D.
Liebste Grüße aus Ecuador sendet
Clara

Montag, 14. März 2016

Tag 195

Projektplanung macht Fortschritte & ein ruhiger Abend im Regenwald.
Im Instituto geht es weiter voran mit der Projektplanung: das erste Treffen der Hauptrollen findet statt und Linea, Rahel und ich durchstöbern den tatsächlich vorhandenen Kostümfundus der Schule. Dort werden wir positiv überrascht denn neben jeder Menge Staub, Kakerlaken und Kartons finden wir einige Dinge, die wir für die Aufführung gebrauchen können.
Genau so motiviert wie ich bin, das Projekt voran zu treiben, ist Luis motiviert unsere aula zu renovieren :D. Zusammen mit den Kindern werden Wände frei geräumt, die am Montag gestrichen werden sollen. Danach "wird alles anders" meint Luis und erklärt mir seine Pläne. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, welche der Pläne wir tatsächlich realisieren (können) und wie sie unseren "Gruppenalltag" beeinflussen werden.
Als ich mich von Luis verabschiede und ihm meine Pläne für Samstag und Sonntag erzähle, entlässt er mich mit einem "¡Vívelo, Clara!" (= Leb' es, Clara!) ins Wochenende.
Wohin es diese Woche geht? Zum größten Wasserfall Ecuadors, der Cascada San Rafael :).
Dazu fahren wir am Freitagnachmittag zunächst nach Tena.
Da wir die Strecke diesmal mit dem Auto zurück legen, das statt 3 nur eine Stunde braucht, sind wir überraschend früh schon in dem kleinen Städtchen, das nochmal ein Stückchen mehr im Regenwald liegt als Puyo. Glücklicherweise sind die Städte vor allem hier im Oriente (= Amazonastiefland) nicht besonders groß, weshalb man sich meistens schon nach dem ersten Besuch auskennt. Rahel und mir fällt es deshalb nicht schwer, ein preiswertes aber schönes Hostal zu finden. Nach einem Abendspaziergang am Fluss und nachdem wir (endlich mal) auf den Aussichtsturm klettern konnten (der bisher immer geschlossen war) setzen wir uns mit dem Abendessen auf die Dachterrasse des Hostals.

Gespannt, was uns morgen erwarten wird, schlafen wir in der feuchten Hitze Tenas ein.
Hasta luego, eure
Clara

Tag 194

Mehr Arbeit außerhalb als innerhalb des Institutos.
Wie ich es schon einmal erwähnt hatte, planen Miriam, Linea, Rahel und ich zusammen mit den Schülern des Institutos ein gruppenübergreifendes Projekt dessen thematische Grundlage "Das Dschungelbuch" ist. "Das Dschungelbuch" erschien uns deshalb als eine geeignete Handlung, da die Kinder die Tiere und die Natur des "Dschungels" direkt vor der Haustüre haben und sich somit einfacher mit der Geschichte identifizieren können.
In großen Schritten geht es nun auf die Aufführung zu, die am 1. April stattfinden wird. Der Veranstaltungsort, die Hauptrollen und die Musik sind schon festgelegt. Jetzt fehlt es nur noch an der Ausarbeitung des Drehbuchs, der Szenen, des Bühnenbildes und der Kostüme, sprich: definitiv noch genug zu tun in den letzten 3 Wochen vor der Präsentation :D.
Da meine Gruppe, wie erwähnt, auf 6 Kinder gekürzt wurde und heute nur vier davon erscheinen, ist es im Allgemeinen am heutigen Donnerstag ein sehr ruhiger Schultag für Luis und mich. Mit den wenigen Kindern können wir allerdings Dinge machen, die in einer größeren Gruppe unmöglich sind. Die Schwerpunkte des "Lehrplans" in Luis' Gruppe zielen weniger darauf hin, dass die Kinder sich akademische Fähigkeiten aneignen sondern mehr, dass sie lernen, sich im Alltag selbständig zurecht zu finden. Mit der kleinen Gruppe geht es heute deshalb ins Bad, wo den Kindern gezeigt wird, wie sie sich selbst richtig waschen - eine alltägliche Aktivität, die die Kinder (später) ohne Hilfe ausführen sollen.
Nach der Schule haben wir "voluntarias" eine Besprechung zu unserem Projekt. Es ensteht das Drehbuch und außerdem sammeln wir einige Ideen zur Kostümierung der verschiedenen Gruppen. Da es jetzt echt langsam "ernst" wird, spüre ich neben dem Stress auch das erste Mal große Vorfreude :).
Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, was die Vorbereitungen angehen und natürlich werde ich auch von der Aufführung an sich berichten :).
Bis dann, eure 
Clara

Donnerstag, 10. März 2016

Tag 193

Einer raus, einer rein - nächster sein.
Seit mehr als einem halben Jahr arbeite ich jetzt schon im Instituto und bisher hat die Gruppenzusammensetzung von Luis' Gruppe nie länger als zwei Monate gehalten.
Ich habe echt wenig an meiner Arbeitsstelle zu kritisieren aber das gehört auf jeden Fall zu einem Kritikpunkt.
Oft liegen diese Entscheidungen aber leider nicht in den Händen der Mitarbeiter des Institutos sondern werden vielmehr "von oben" (sprich: vom Bildungsministerium) angeordnet. Dieses hat natürlich viel weniger Einblicke in das Instituto und weiß viel weniger über die Kinder und deren Stärken und Schwächen. Das führt dazu, dass es oft zu schwer nachvollziehbaren Entscheidungen kommt.
Auch heute steht mal wieder ein Gruppenwechsel an: Michael und Johann verlassen meine Gruppe und sind ab jetzt in der Gruppe von Jenny. Diesen Wechsel kann ich zur Abwechslung mal nachvollziehen, denn Michael und Johann profitieren meiner Meinung nach tatsächlich mehr von dem Stundenplan in Jennys als von dem in Luis' Gruppe. Trotzdem finde ich es natürlich jedes Mal schade, wenn ein Kind, das mir doch schon sehr ans Herz gewachsen ist, die Gruppe verlässt.
Die ständige Umstrukturierung der Gruppen macht es sehr schwer, langfristig und effizient mit den Kindern zu arbeiten. So entstehen häufig Lücken im Stundenplan oder es bleiben angefangene Projekte auf der Strecke. Außerdem hat natürlich jeder Lehrer seine eigene Art, zu unterrichten, an die sich die Kinder jedes Mal aufs Neue gewöhnen müssen. Was bei dem einen Lehrer keine Konsequenzen hat, führt bei dem anderen Lehrer vielleicht schon zu einer Strafe. Wenn man bedenkt, dass die meisten Kinder sich sowieso nicht so viel merken können und etwas länger brauchen, um sich auf neue Dinge einzulassen, wird einem klar, dass diese ständigen Gruppenwechsel auch für die Kinder nicht einfach sind.
Das finde ich sehr schade, denn natürlich bemühen sich die Lehrer darum, einen möglichst durchgeplanten Unterricht durchzuführen und ihre Methoden auszufeilen.
Meine Gruppe wird aber (vorerst) wohl erstmal so bestehen bleiben. Mit Eduarda, Liliana, Britany, Carlos, Matías Escobar und Matías Alvarado hat man aber trotzdem noch alle Hände voll zu tun ;).
Liebe Grüße aus Puyo, eure

Clara