Von größeren und kleineren Wutanfällen.
Den ersten größeren Wutanfall hat heute Morgen Matías. Was der Auslöser dafür war, weiß ich nicht, Jedenfalls schüttet er am Frühstückstisch seine Milch um, weshalb ich erstmal beschäftigt bin, das Chaos zu beseitigen. In der aula angekommen, hat er sich noch immer nicht beruhigt und zerreißt sein Bild, an dem gerade gearbeitet wird.
Es folgen kleine Wutanfälle von Michael (wird hier "Mitschael" ausgesprochen) und Liliana, die sich wegen eines Puzzles streiten. Ich versuche den Konflikt irgendwie zu lösen aber da keiner der beiden bereit ist, das Puzzle mit dem Anderen zu teilen, bin ich froh, als sich Michael später doch mit einem anderen Puzzle zufrieden gibt.
Kurz vor dem Mittagessen folgt noch ein Wutanfall von Carlos, der wütend wird als ich ihm das Puzzle wegnehme, dessen Teile er kaputt macht. Da Carlos, wie schon erwähnt, ein beträchtliches Gewicht auf die Waage bringt, muss ich wirklich stark dagegen halten um ihn nicht gewinnen zu lassen.
Das Mittagessen wird von einem kleineren Wutanfall von Michael begleitet, dem es wohl offensichtlich nicht gefällt, dass ich ihm keinen Reis gebe, bevor er seine Suppe nicht aufisst.
Da Jhoel uns irgendwie abhanden gekommen ist, sind Luis und ich nach der Schule noch damit beschäftigt, den kleinen Rabauken zu finden. Letztendlich entdecke ich ihn im Schulbus und als ich versuche, ihm klar zu machen, dass er aussteigen muss, wird auch er wütend. Das legt sich aber schnell wieder, als ich anfange, ihn durchzukitzeln und schließlich gibt er mir sogar freiwillig die Hand und steigt aus dem Bus aus.
Beim Verabschieden sind aber alle Wutanfälle wieder vergessen :).
Als ich mich im Schulbus nicht sofort zu Matías drehe, als dieser meinen Namen durch den ganzen Bus schreit, ernte ich noch einen letzten verärgerten Matías-Blick bevor er vor sich hin schimpfend zu mir läuft und sich schließlich neben mich setzt.
Mit den Wutanfällen der Kinder, die zum Teil nur wenige Sekunden andauern, komme ich aber immer besser zurecht und sie sind bei mir genau so schnell wie bei ihnen wieder vergessen ;).
Auf dem Heimweg rennt mir noch ein wütender, kleiner Kläffer hinterher, dem aber irgendwann die Puste ausgeht und er doch stehen bleibt.
Zu guter letzt scheint das Wetter heute wohl ebenfalls einen Wutanfall zu haben, denn kaum bin ich zuhause, fängt es an, heftig zu gewittern.
Übrigens hat sich meine sonntägliche Kuchenbackaktion wohl herumgesprochen, denn zuerst fragt mich Luis, ob ich neben Kuchen auch Kekse backen kann und später fragt mich Marie-Elena (die Psychologin) noch, wann ich ihr das Backen beibringe :D.
Oh und noch etwas, was ich gestern glatt vergessen habe, zu erwähnen: tatsächlich hat es Estefany (Alexandras Cousine) geschafft und wurde am vergangenen Samstag zur neuen "Reina de Pastaza" gekrönt :).
¡Que tengan un buen día! (sinngemäß: ich wünsche euch einen schönen Tag)
Clara
El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown
Freitag, 6. November 2015
Donnerstag, 5. November 2015
Tag 67
Krankheitsgeschichten.
Wie schon angekündigt, werde ich das Format dieses Blogs ein wenig ändern. Da ihr jetzt meinen Alltag hier in Puyo kennt, werde ich ab jetzt jedem Tag (sofern es möglich ist) eine Überschrift verpassen und unter dieser den Tag zusammenfassen.
Also zu heute: Krankheitsgeschichten. Da wäre heute als erstes Rahel, die sich wohl irgendwo einen Magen-Darm-Infekt eingefangen hat, weshalb sie heute zuhause bleibt. Weiter geht es im Instituto. Während ich mit den anderen Kindern am basteln bin, bringt Eduardas Mutter Eduarda von der Wassertherapie in die aula. Dort setzt sie sich erst ganz normal auf einen Stuhl und fängt an zu arbeiten. Wenig später legt sie aber den Kopf auf ihre Hände und als ich kurz nicht hinschaue, liegt sie Sekunden später zitternd auf den Boden. Ich nehme sie auf den Arm, wo sie sich an mich kuschelt. Sie wirkt aber relativ schwach und als sie Würgegeräusche von sich gibt, setze ich mich mit ihr nach draußen. Dort beruhigt sie sich ein bisschen und schläft in meinen Armen ein. Ich rufe ihren Vater an, der sie kurz darauf abholt. Luis und ich vermuten, dass es eine Reaktion auf das heiße Wasser und die feuchte Luft in der Wassertherapie war. Nicht anders ergeht es Linea, zu der ich kurze Zeit später gerufen werde. Auch sie war zu lange bei der Wassertherapie und wurde ohnmächtig. Last but not least wäre da noch Ruth. Während ich die Wäsche aufhänge, erzählt sie mir, dass sie neulich Hummer gegessen hat, den sie wohl nicht vertragen hat, weshalb es ihrem Magen jetzt schon die ganze Zeit schlecht geht.
Damit dieser Post doch dennoch positiv endet: mir geht es gut! ;)
¡Que se mejoren pronto! (= dass es ihnen bald wieder besser geht)
Bis morgen, eure
Clara
Wie schon angekündigt, werde ich das Format dieses Blogs ein wenig ändern. Da ihr jetzt meinen Alltag hier in Puyo kennt, werde ich ab jetzt jedem Tag (sofern es möglich ist) eine Überschrift verpassen und unter dieser den Tag zusammenfassen.
Also zu heute: Krankheitsgeschichten. Da wäre heute als erstes Rahel, die sich wohl irgendwo einen Magen-Darm-Infekt eingefangen hat, weshalb sie heute zuhause bleibt. Weiter geht es im Instituto. Während ich mit den anderen Kindern am basteln bin, bringt Eduardas Mutter Eduarda von der Wassertherapie in die aula. Dort setzt sie sich erst ganz normal auf einen Stuhl und fängt an zu arbeiten. Wenig später legt sie aber den Kopf auf ihre Hände und als ich kurz nicht hinschaue, liegt sie Sekunden später zitternd auf den Boden. Ich nehme sie auf den Arm, wo sie sich an mich kuschelt. Sie wirkt aber relativ schwach und als sie Würgegeräusche von sich gibt, setze ich mich mit ihr nach draußen. Dort beruhigt sie sich ein bisschen und schläft in meinen Armen ein. Ich rufe ihren Vater an, der sie kurz darauf abholt. Luis und ich vermuten, dass es eine Reaktion auf das heiße Wasser und die feuchte Luft in der Wassertherapie war. Nicht anders ergeht es Linea, zu der ich kurze Zeit später gerufen werde. Auch sie war zu lange bei der Wassertherapie und wurde ohnmächtig. Last but not least wäre da noch Ruth. Während ich die Wäsche aufhänge, erzählt sie mir, dass sie neulich Hummer gegessen hat, den sie wohl nicht vertragen hat, weshalb es ihrem Magen jetzt schon die ganze Zeit schlecht geht.
Damit dieser Post doch dennoch positiv endet: mir geht es gut! ;)
¡Que se mejoren pronto! (= dass es ihnen bald wieder besser geht)
Bis morgen, eure
Clara
Mittwoch, 4. November 2015
Tag 66
Nach einem letzten, leckeren Frühstück im hostal geht es auch schon wieder ans Packen.
Um 12.40 Uhr starten wir mit dem Reisebus wieder nach Hause. Da wir diesmal bei Tageslicht die Anden überqueren, haben wir das Glück, die Berge, die sich rechts und links von uns wie die Rücken schlafender Riesen aus dem Boden erheben, bestaunen zu können.
Während der Fahrt kommen immer wieder Verkäufer in den Bus, die Getränke und Snacks anbieten. Bei einer Frau kaufen wir eine empanada.
Nach 8 Stunden kommen wir endlich im verregneten Puyo an.
Ziemlich erledigt von der Fahrt, werde ich wohl bald schlafen gehen,
Bis morgen, eure
Clara
Um 12.40 Uhr starten wir mit dem Reisebus wieder nach Hause. Da wir diesmal bei Tageslicht die Anden überqueren, haben wir das Glück, die Berge, die sich rechts und links von uns wie die Rücken schlafender Riesen aus dem Boden erheben, bestaunen zu können.
Während der Fahrt kommen immer wieder Verkäufer in den Bus, die Getränke und Snacks anbieten. Bei einer Frau kaufen wir eine empanada.
Nach 8 Stunden kommen wir endlich im verregneten Puyo an.
Ziemlich erledigt von der Fahrt, werde ich wohl bald schlafen gehen,
Bis morgen, eure
Clara
Dienstag, 3. November 2015
Tag 65
Wie gestern ist auch heute ein sehr bewölkter Tag. Bei 25°C (gestern) bzw. 32°C (heute) und einer Luftfeuchtigkeit von 70% ist das aber nicht weiter schlimm ;).
Nach dem Frühstück, das heute aus Rührei, Toasts, Marmelade, Butter, Erdbeersaft und Tee besteht, machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Tagesziel: dem Parque histórico. Dazu müssen wir auf die andere Seite des Río Guayas. Netterweise überlässt mir ein junger Mann im Bus seinen Sitzplatz weshalb ich nicht im vollgedrängten Gang mit dem Stadtplan hantieren muss.
Nach einer Weile fragt der Mann, der hinter mir neben Rahel sitzt, jemanden, wie man zum Parque histórico kommt. Wir sind sehr froh darüber, dass er da auch hin möchte und als er wenige Sekunden später aussteigt, folgen wir ihm. Zu ihm gehört noch eine Frau und zwei kleine Kinder. Da wir der kleinen, guayaquilenischen Familie nicht ganz so unauffällig folgen, spricht die Frau uns bald an. Als sie erfahren, dass wir aus Deutschland kommen, begrüßt der Mann uns mit "willkommen", möchte wissen, was die beste Biermarke in Deutschland ist und redet vom Oktoberfest. Am Parque histórico, den wir alleine wohl nicht gefunden hätten, angekommen, werden wir am Eingang von einem Parkaufseher eingewiesen und dann betreten wir den Park. Bei der Verabschiedung von der Familie, stellen sie sich noch kurz mit ihren Namen vor.
Der Park besteht aus 3 Zonen: der zoologischen Zone, der Architekturzone und der Traditionszone. Alle drei Zonen dienen dazu das "alte" Guayaquil zu verdeutlichen.
In der zoologischen Zone läuft man auf einem Pfad durch die Flora und Fauna Guayaquils.
In der Architekturzone wurden Holzhäuser rekonstruiert, wie sie vor dem großen Brand von 1896 noch den Malecón zierten.
In dieser Zone, vor den Fassaden der eindrucksvollen Häuser, schauen wir uns ein Theaterstück über die Stadtlegenden Guayaquils an.
Außerdem probieren wir einen von den wirklich köstlich aussehenden Kuchen der cafetería.
In der dritten Zone, der Traditionszone, gehen wir Mittagessen. Mit einer tortilla de verde (so weit ich es identifizieren kann: Kochbananentortilla mit Gemüse), einem muchín de yucca (frittiert, aus Yucca bestehend und mit Käse gefüllt) und einem Kokossaft im Bauch statten wir noch kurz der originalgetreu nachgebauten Hazienda aus der goldenen Kakaozeit einen Besuch ab.
Wieder im hostal legen wir eine Poolpause zum Abkühlen ein.
Den restlichen Abend verbringen wir größtenteils damit, wieder zum hostal zu finden :D. Aber der Reihe nach: um 17 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Von dort aus wollen wir ins Zentrum fahren, um eine Bootstour zu machen. Da aber irgendwie nicht der "normale" Bus Nummer 88 kommt, der ins Zentrum fährt, steigen wir in einen anderen Bus ein, auf dem ebenfalls "centro" steht. Anfangs kommt uns noch nichts komisch vor aber als wir irgendwann auf eine riesige Straße fahren und diese einfach nicht mehr verlassen, ahnen wir schon, dass wir falsch sind. Statt im Stadtzentrum landen wir nach einer Weile im Handelszentrum. Unser Plan, einfach im Bus sitzen zu bleiben und zu warten, bis er wieder an unserer Einstiegsstelle vorbei kommt (die Busse fahren nämlich alle im Kreis) geht nicht auf, da irgendwann alle aussteigen müssen. Etwas ratlos stehen wir mitten im Nirgendwo. Wir entschließen uns dazu, die Straßenseite zu wechseln und einen Bus zu suchen, der uns wieder zurück bringt. Als irgendwann ein Bus vorbei kommt, auf dem wieder "centro" steht, hoffen wir, dass diesmal das richtige Zentrum gemeint ist und wir steigen ein. Allerdings entpuppt sich auch das als Fehler. Da es inzwischen dunkel ist (die Sonne geht ja gegen 18 Uhr unter) haben wir nicht gerade die größte Lust, irgendwo auszusteigen, wenn wir nicht wissen, wo wir sind. Als ich zum Glück irgendwann auf einem Straßenschild "Terminal" lese, baut sich mein Orientierungssinn langsam wieder auf. Wir beschließen irgendwann, doch auszusteigen und als ich auf einem Bus, der innerhalb kürzester Wartezeit an uns vorbei fährt, "City Mall" lese, bin sehr erleichtert. Die City Mall liegt nämlich nur wenige Gehminuten vom hostal entfernt. Kurze Zeit später kommen wir auch schon an der City Mall vorbei. Wir steigen aus, kaufen noch was zu essen und kehren dann ins hostal zurück. Dort machen wir es uns mit Essen und heißer Colada morada (die wir noch am Straßenrand gekauft haben) bei einem Film gemütlich.
Den restlichen Abend verbringen wir größtenteils damit, wieder zum hostal zu finden :D. Aber der Reihe nach: um 17 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Von dort aus wollen wir ins Zentrum fahren, um eine Bootstour zu machen. Da aber irgendwie nicht der "normale" Bus Nummer 88 kommt, der ins Zentrum fährt, steigen wir in einen anderen Bus ein, auf dem ebenfalls "centro" steht. Anfangs kommt uns noch nichts komisch vor aber als wir irgendwann auf eine riesige Straße fahren und diese einfach nicht mehr verlassen, ahnen wir schon, dass wir falsch sind. Statt im Stadtzentrum landen wir nach einer Weile im Handelszentrum. Unser Plan, einfach im Bus sitzen zu bleiben und zu warten, bis er wieder an unserer Einstiegsstelle vorbei kommt (die Busse fahren nämlich alle im Kreis) geht nicht auf, da irgendwann alle aussteigen müssen. Etwas ratlos stehen wir mitten im Nirgendwo. Wir entschließen uns dazu, die Straßenseite zu wechseln und einen Bus zu suchen, der uns wieder zurück bringt. Als irgendwann ein Bus vorbei kommt, auf dem wieder "centro" steht, hoffen wir, dass diesmal das richtige Zentrum gemeint ist und wir steigen ein. Allerdings entpuppt sich auch das als Fehler. Da es inzwischen dunkel ist (die Sonne geht ja gegen 18 Uhr unter) haben wir nicht gerade die größte Lust, irgendwo auszusteigen, wenn wir nicht wissen, wo wir sind. Als ich zum Glück irgendwann auf einem Straßenschild "Terminal" lese, baut sich mein Orientierungssinn langsam wieder auf. Wir beschließen irgendwann, doch auszusteigen und als ich auf einem Bus, der innerhalb kürzester Wartezeit an uns vorbei fährt, "City Mall" lese, bin sehr erleichtert. Die City Mall liegt nämlich nur wenige Gehminuten vom hostal entfernt. Kurze Zeit später kommen wir auch schon an der City Mall vorbei. Wir steigen aus, kaufen noch was zu essen und kehren dann ins hostal zurück. Dort machen wir es uns mit Essen und heißer Colada morada (die wir noch am Straßenrand gekauft haben) bei einem Film gemütlich.
Unsere knapp zweistündige Busfahrt war zwar nicht unbedingt nötig, aber wenn man es positiv sehen möchte, kann man doch sagen, dass sie nicht umsonst war. Die billige Rundtour (man zahlt hier für den Bus, egal wohin, 25 Cent) hat mir gezeigt, dass wir in Guayaquil nichts verpasst haben, denn wir sind 90% der Zeit durch Industriegebiete gefahren.
Froh, wieder heil im hostal angekommen zu sein, sende ich liebe Grüße :)
Clara
Montag, 2. November 2015
Tag 64
Den Tag beginnen wir heute mit einem Frühstück auf der Terrasse unseres hostals. Mit french Toasts, ein bisschen Obst, Tee und einem Fruchtsaft im Bauch sitzen wir kurze Zeit später wieder in unserem Zimmer. Dort schaue ich mir den vom Reiseführer empfohlenen Rundgang an.
Um halb 10 machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Wir steigen in einen klapprigen Stadtbus und ich bitte den Fahrer, uns zu benachrichtigen, wenn wir dort sind, wo Rahel und ich den Rundgang beginnen wollen.
Um halb 10 machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Wir steigen in einen klapprigen Stadtbus und ich bitte den Fahrer, uns zu benachrichtigen, wenn wir dort sind, wo Rahel und ich den Rundgang beginnen wollen.
Der Rundgang startet am Parque Seminario oder auch Parque Iguana. Diesen zweiten Namen erhält der hübsche Park aufgrund der Tiere, die auf Bäumen oder auf dem Gras sitzen oder auch über den Weg spazieren. Iguanas sind nämlich Leguane, die wir verbotenerweise auch mit Banane füttern ;). Es wundert und später übrigens, dass die Leguane wirklich nur im Park sitzen und nicht in der ganzen Stadt verteilt sind :D.
Direkt gegenüber vom Park werfen wir einen Blick in die Kathedrale.
Nach einem kurzen Fußweg stehen wir auf dem Malecón. Diese Uferpromenade am Río Guayas ist gesäumt von kleinen Essensständen und verschiedenen Attraktionen.
Außerdem sieht man von ihr aus den protzigen Regierungspalast und das noch protzigere Rathaus.
Weiter dem Malecón folgend kommen wir zum Wahrzeichen der Stadt "La Rotonda". Dieses Monument ist den Befreiern Simón Bolívar und San Martín gewidmet.
Am Ende des Malecóns machen wir halt und essen zu Mittag. Leider sind die Restaurants, die mein Reiseführer empfiehlt, entweder geschlossen oder unauffindbar, weshalb wir die nächste lateinamerikanische Fastfoodkette testen.
Dann geht es weiter in das Viertel Las Peñas. Dieses hübsche Künstlerviertel mit seinen bunten Häuschen und schönen Gärten ziert den Cerro Santa Ana.
Bis ganz nach oben auf den Santa-Ana-Hügel, wo eine kleine Kapelle und ein Leuchtturm steht, sind es genau 444 Stufen. Das weiß ich nicht nur deshalb, weil es so im Reiseführer steht, sondern auch weil jede Stufe mit einer Nummer beschriftet ist. Während wir die Stufen empor steigen werden uns oft anzügliche Bemerkungen hinterhergerufen oder es wird uns hinterhergepfiffen, weshalb wir trotz Wachpersonal etwas schneller auf- und absteigen.
Im Parque Centenario machen wir eine kleine Verschnaufpause. Diese wird allerdings durch eine ältere Frau unterbrochen. Sie fragt uns, ob wir sie verstehen und als wir dies bejahen, fängt sie an uns vor den Menschen hier zu warnen. Immer wieder sagt sie "cuidanse mucho" (= passt gut auf euch auf), "no confian en la gente" (= vertraut den Leuten nicht) und "la gente es mala" (= die Leute sind schlecht). Sie rät uns davon ab, Shorts zu tragen und nachts auszugehen. Zusammen mit ihrer Schwester, die bald dazu kommt, zeigt sie außerdem in die Richtung, in der die Polizei liegt. Als sie sich verabschieden, wird nochmal wiederholt, dass wir gut auf uns aufpassen sollen und wir werden gesegnet. Grinsen müssen wir schon, als sie wieder weg sind, allerdings haben sie es ja nur gut gemeint und leider ist die Kriminalitätsrate hier tatsächlich nicht zu ignorieren.
Unsere letzte Station ist der Cementerio General. Diesen Friedhof erreichen wir über die Avenida 9 de Octubre, die Hauptgeschäftsstraße Guayaquils. Wie auch in Puyo und Quito sind auch hier die Straßen nach wichtigen Personen, bedeutenden Daten oder Städten benannt.
Schon bevor ich den Friedhof betrete, bin ich sehr beeindruckt. Die Gräber sind alle ganz in weiß oder hellgrau gehalten und lediglich eine Palmenallee und die bunten Blumen an den Gräbern setzen vereinzelte Farbakzente.
Während wir durch den Friedhof laufen, dessen Mauern in denen die Särge liegen labyrinthartig angeordnet sind, begegnen wir Angehörigen, die Blumen an die Gräber stecken, einem Eisverkäufer und ein paar Männern, die anbieten, den Gräbern einen frischen weißen Anstrich zu verleihen.
Zwischen den luxuriösen Marmormausoleen kann ich mir gut vorstellen, warum dieser Friedhof als einer der "allerschönsten Amerikas" beschrieben ist (auch wenn ich persönlich nicht dort begraben sein wollte). Mein Reiseführer warnt vor Raubüberfällen, wir laufen aber glücklicherweise keinem Dieb über den Weg. Den Grabnummern entnehmen wir, dass auf dem offiziellen Teil des riesigen Friedhofes mehrere Millionen Gräber liegen. Neben diesen "offiziellen" Gräbern stecken auf dem Cerro del Carmen, dem der Friedhof zu Fuße liegt, teils vermoderte Holzkreuze im Boden, die ebenfalls Gräber kennzeichnen.
Nach einer knappen halben Stunde haben wir endlich den Ausgang gefunden und wir laufen in die Arme ettlicher Blumenverkäufer, die sich wohl schon für den "Día de los difuntos" morgen vorbereitet haben.
Eine knappe Dreiviertelstunde Busfahrt später kommen wir um 17.30 Uhr endlich wieder im hostal an.
Wir kochen uns Nudeln mit Tomatensoße und da wir uns den doch etwas teuren Parmesan, den wir gefunden haben, gegönnt haben, schmeckt das Abendessen gleich doppelt so gut.
Wir kochen uns Nudeln mit Tomatensoße und da wir uns den doch etwas teuren Parmesan, den wir gefunden haben, gegönnt haben, schmeckt das Abendessen gleich doppelt so gut.
Meine Eindrücke von gestern haben sich grob genommen nur wenig verändert. Inzwischen kommt mir Guayaquil zwar nicht mehr so unübersichtlich vor, meine restlichen Eindrücke haben sich jedoch bestätigt. Die bevölkerungsreichste Metropole Ecuadors wirkt abseits der Hauptstraße und der Sehenswürdigkeiten und abgesehen von den riesigen, modernen Gebäuden, die die Stadt durchziehen, ziemlich vernachlässigt - ja teilweise sogar heruntergekommen.
Das Wirtschaftszentrum Ecuadors nehme ich als einen krassen Bruch zwischen dem Reichtum der Einen und der Armut der Anderen wahr.
Muchos saludos y un abrazo fuerte
Clara
Sonntag, 1. November 2015
2. Monat - Rückblick & Zusammenfassung
... jetzt ist auch schon der zweite Monat vorbei! Ein Alltag mit aufräumen, kochen, Wäsche waschen, putzen, einkaufen, früh aufstehen, lachen, entdecken, lieben, arbeiten, leben, erleben und genießen ist entstanden. Nach wie vor fühle ich mich hier sehr wohl. Es gibt immer weniger Dinge, die mir seltsam oder fremd erscheinen und immer mehr Dinge, über die ich mich freue und die mich glücklich machen. Um auf die letzten zwei Monate zurück zu blicken, werde ich im Folgenden versuchen sehr detailliert, meinen Alltag hier unter der Woche und andere regelmäßige Tätigkeiten zu beschreiben.
Ich stehe normalerweise immer so zwischen 6.30 und 6.45 Uhr auf. Dann weckt mich nämlich mein Wecker, den ich bei meinem Handy eingestellt habe. Vor allem am Anfang kam es aber auch noch oft vor, dass ich vor dem Wecker wach war, da wir hier nur Vorhänge haben mit denen es in meinem Zimmer nie wirklich dunkel ist. Deshalb weckt mich morgens auch oft das Sonnenlicht, das durch die Vorhänge scheint. Des Weiteren kann es aber auch sein, dass mich der Regen weckt, der auf das Wellblechdach prasselt. Das ist immer so laut, dass man sich quasi anschreien muss, um sich zu verständigen.
Da wir bisher noch keinen eigenen Herd und keinen eigenen Kühlschrank haben, gehen wir, nachdem wir uns fertig gemacht haben in Ruths Haus zum Frühstücken. Dabei klettern wir über einen kleinen Zaun, der das Apartment von den Hunden abgrenzt, und öffnen dann die Hintertür des Hauses, indem wir die Hand zwischen zwei Gitterstäbe hindurch stecken um den unteren Riegel zu öffnen. Wenn wir Pech haben ist der obere Riegel auch zu und wir müssen die Hand ganz schön verrenken, um diesen zu öffnen.
Im Haus sehen wir dann zum ersten Mal am Tag Miriam, mit der wir gemeinsam frühstücken. Meistens frühstücken wir ein Schüsselchen mit frischem Obst (vorzugsweise Banane + Erdbeeren), das wir mit Joghurt, Haferflocken und Marmelade mischen. Manchmal (vor allem freitags) ist unser Nahrungsmittelvorrat sehr reduziert und es gibt oft nur noch Haferflocken mit Joghurt. Teilweise frühstücken wir auch Brot mit "Butter", queso crema oder Marmelade.
Kurz vor 7.20 Uhr ist es dann Zeit, Zähne zu putzen. Unsere Zahnbürsten nehmen wir morgens immer mit in Ruths Haus und tragen sie mittags wieder ins Apartment.
Nach dem Zähneputzen wird die Hintertür wieder abgeschlossen, die Alarmanlage eingeschaltet und wir verlassen das Haus. Nachdem dann noch die 3 Schlösser der Haustüre abgeschlossen sind, machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Weg ist zum Glück relativ kurz, weshalb wir uns meistens schon so um 7.25 Uhr (oder 7.30 Uhr, falls wir später losgehen) auf die Bänke der Busstation setzen, die dann jedes Mal ein komisches Geräusch von sich geben :D - als würden sie unter unserem Gewicht gleich zusammenfallen.
Rafael kommt mit dem Schulbus eigentlich immer zwischen 7.25 und 7.40 Uhr an der Bushaltestelle vorbei. An der Türe (die immer offen ist) steht meisten Paul, ein Schüler des Institutos, der sehr fit ist und immer nach den Kindern, die einsteigen wollen, Ausschau hält und ihnen des Öfteren dann auch beim Ein- oder Aussteigen hilft. Nachdem wir eingestiegen sind, gibt es das erste große Hallo der Kinder. Dann suchen wir uns schnell einen Sitzplatz, da es ziemlich wacklig ist, im Bus zu stehen. Mit Latino-Musik, die das Geschrei der Kinder zu übertönen versucht, fährt Rafael von Haus zu Haus und von Bushaltestelle zu Bushaltestelle um die Kinder einzusammeln. Inzwischen wissen wir eigentlich fast immer, wer wo einsteigt. Wenn die Kinder, die gerade eingestiegen sind, an unserem Platz vorbei kommen, werden wir meistens umarmt oder bekommen ein "hola" zu hören. Ich genieße diese Busfahrt eigentlich immer, da man die wunderschöne Landschaft Puyos bestaunen kann. Lediglich das Hin- und Hergeschaukel des Busses, das an einigen Stellen (die wir inzwischen aber gut genug kennen) in ein Gerüttel übergeht, stört die ruhige Busfahrt und ich bin froh, wenn wir wieder auf einer asphaltierten Straße sind. Ca. 5 Minuten bevor wir im Instituto ankommen, gibt es noch eine Stelle, an der der Bus immer richtig stark wackelt und man muss sich gut festhalten, um nicht auf den Nachbarn zu rutschen :D.
Im Instituto angekommen geht, nachdem mich weitere Kinder begrüßt haben, mein erster Gang ins Sekretariat. Dort unterschreibe ich die Anwesenheitsliste, von der ich mich gegen 13 Uhr mittags wieder austrage. Die zweite Unterschrift setze ich morgens unter die Liste mit der "alimentación" (= Verpflegung).
Danach geht es in meine aula, wo ich meine Tasche abstelle. Manchmal mit, manchmal ohne Luis geht es dann zum Frühstück. Ich bestelle das Frühstück für die Kinder und mich (ja, mein zweites Frühstück :D) bei Miriam, der Köchin. Während ich mein Frühstück, das jeden zweiten Tag aus Reiskeksen besteht, meistens schon innerhalb von 10 Minuten gegessen habe, brauchen die Kinder meistens bis kurz nach halb neun. Immer wieder wiederhole ich "trink deine Milch aus", "iss dein Brot / Ei / Keks / ..." und helfe Eduarda mit dem Zerkleinern ihres Essens. Wenn dann alle Kinder fertig sind, wische ich noch den Tisch ab und gehe dann mit den Kindern zur aula. Dort holen wir Becher, Zahnbürsten und Zahnpasta und machen uns auf den Weg ins Bad. Nicht immer haben wir das Glück, dass es Wasser gibt und falls mal wieder kein Wasser aus dem Hahn kommt, ziehen wir nach unten um, wo es auch ein Waschbecken gibt. Nachdem ich alle Zahnbürsten wieder eingesammelt und den Kinder gesagt habe, dass sie sich das Gesicht waschen sollen, geht es wieder in die aula. Dort startet dann der 1. Unterrichtsblock. Um 10 Uhr klingelt es zur Pause. Wir gehen mit den Kindern Hände waschen und dann wieder in den Speiseraum, wo es täglich eine Frucht für jeden gibt. Nachdem jeder seine Frucht gegessen hat, wische ich wieder den Tisch und gehe dann (wenn es gutes Wetter ist) auch mit Eduarda (die meistens als Letzte fertig ist) auf den Spielplatz. Nach dem 2. Unterrichtsblock, der um 10.35 Uhr beginnt, geht es wieder Hände waschen und dann zum Mittagessen. Wieder bestelle ich das Essen für alle (wobei es manchmal sehr schnell geht, ich manchmal aber auch echt lange warten muss, da viele Lehrer zur gleichen Zeit bestellen, wie ich). Ich warte, bis jedes Kind seine Suppe gegessen hat, bevor ich ihm den Hauptgang (meistens Reis mit Fleisch, Ei oder Gemüse und Salat) und den Saft gebe. Während "meine" Kinder am Essen sind, füllt sich so langsam der Speisesaal. Irgendwo brüllt immer ein Kind, das nicht essen will, es fällt eine Suppe um oder Kinder streiten sich. Inzwischen bleibe ich dabei allerdings immer sehr ruhig und genieße diese belebte Atmosphäre fast schon. Da ich inzwischen nur noch den Hauptgang esse (die Suppe ist nicht ganz mein Fall), bin ich immer schon relativ früh fertig und habe genug Zeit, Eduarda ihr Essen zu füttern. Nach dem Mittagessen geht es zum zweiten Mal Zähne putzen. Danach werden alle Rucksäcke, in die wir manchmal noch Nachrichten für die Eltern stecken, auf die Kinderrücken gepackt und ich setze den Teil, der mit dem "ersten Bus" fährt, auf die Sitze.
Danach hole ich meine Tasche, verabschiede mich von Luis und treffe dann auf Rahel mit der zusammen ich den "zweiten Bus" (wenn der Bus zum zweiten Mal am Instituto vorbei fährt) nehme. Wenn wir nicht gerade im Zentrum aussteigen, setzt uns Rafael meistens gegen 13.30 Uhr zuhause ab.
Dort werden dann wieder alle Schlösser aufgeschlossen und die Alarmanlage deaktiviert. Nach dem Anruf der Sicherheitsfirma, die die Deaktivierung überprüft, gehen Rahel und ich ins Apartment.
Montags ist immer Waschtag und wir schmeißen die dreckige Wäsche, die teilweise nicht viel sauberer wieder herauskommt, in die Waschmaschine, hängen sie nach einer knappen Stunde auf und sammeln sie dienstags wieder ein.
Montags, mittwochs und freitags gehen wir immer zur bailoterapia. Dazu gehen wir um 18.15 Uhr zuhause los, sammeln noch eine Nachbarin ein und laufen dann zur cancha, wobei wir versuchen, Ruth und die Nachbarin möglichst nicht abzuhängen :D. Bei der cancha angekommen, stellen wir unsere Trinkflaschen auf den Platz, auf dem wir später dem / der profe nachtanzen.
Freitags backen wir seit kurzem immer Brot und sonntags immer einen Kuchen. der meistens wenige Minuten nach der Fertigstellung schon wieder gegessen ist.
Der halbe Samstag geht meistens zum Einkaufen drauf, was aber, wie ich schon beschrieben hatte, immer wirklich nötig ist, da am Ende der Woche beinahe alle Nahrungsvorräte aufgebraucht sind.
Jede Woche müssen wir uns außerdem um die Trinkwasserversorgung kümmern. Wenn wir nicht gerade das Glück haben, dass der Wasserwagen vorbei fährt, geht es mit dem leeren Kanister zum kleinen Laden um die Ecke und schwer beladen mit einem Vollen wieder zurück.
Dadurch, dass man das Toilettenpapier hier in den Mülleimer wirft, muss mehrere Male in der Woche der Müll weg gebracht werden.
Eine weitere, fast alltägliche Aufgabe ist es, Kakerlaken und andere ungebetene Gäste aus dem Apartment zu entfernen.
Abends besteht die Routine immer aus essen, Tee trinken, Kekse essen, einen Film oder eine Folge einer Serie anschauen, Blog schreiben, Zähne putzen und duschen. Dann geht es ins Bett und wieder ist ein Tag in Puyo vergangen.
Nachdem ich jetzt die Dinge, die wirklich immer so stattfinden, wie beschrieben, erläutert habe, werde ich die kommenden "Alltagsposts" wohl kürzer fassen und nicht jedes Mal so ins Detail gehen. Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in meinen Alltag und meine Alltagsaktivitäten geben :).
Auf die nächsten 10 Monate in Ecuador,
Clara
Ich stehe normalerweise immer so zwischen 6.30 und 6.45 Uhr auf. Dann weckt mich nämlich mein Wecker, den ich bei meinem Handy eingestellt habe. Vor allem am Anfang kam es aber auch noch oft vor, dass ich vor dem Wecker wach war, da wir hier nur Vorhänge haben mit denen es in meinem Zimmer nie wirklich dunkel ist. Deshalb weckt mich morgens auch oft das Sonnenlicht, das durch die Vorhänge scheint. Des Weiteren kann es aber auch sein, dass mich der Regen weckt, der auf das Wellblechdach prasselt. Das ist immer so laut, dass man sich quasi anschreien muss, um sich zu verständigen.
Da wir bisher noch keinen eigenen Herd und keinen eigenen Kühlschrank haben, gehen wir, nachdem wir uns fertig gemacht haben in Ruths Haus zum Frühstücken. Dabei klettern wir über einen kleinen Zaun, der das Apartment von den Hunden abgrenzt, und öffnen dann die Hintertür des Hauses, indem wir die Hand zwischen zwei Gitterstäbe hindurch stecken um den unteren Riegel zu öffnen. Wenn wir Pech haben ist der obere Riegel auch zu und wir müssen die Hand ganz schön verrenken, um diesen zu öffnen.
Im Haus sehen wir dann zum ersten Mal am Tag Miriam, mit der wir gemeinsam frühstücken. Meistens frühstücken wir ein Schüsselchen mit frischem Obst (vorzugsweise Banane + Erdbeeren), das wir mit Joghurt, Haferflocken und Marmelade mischen. Manchmal (vor allem freitags) ist unser Nahrungsmittelvorrat sehr reduziert und es gibt oft nur noch Haferflocken mit Joghurt. Teilweise frühstücken wir auch Brot mit "Butter", queso crema oder Marmelade.
Kurz vor 7.20 Uhr ist es dann Zeit, Zähne zu putzen. Unsere Zahnbürsten nehmen wir morgens immer mit in Ruths Haus und tragen sie mittags wieder ins Apartment.
Nach dem Zähneputzen wird die Hintertür wieder abgeschlossen, die Alarmanlage eingeschaltet und wir verlassen das Haus. Nachdem dann noch die 3 Schlösser der Haustüre abgeschlossen sind, machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Weg ist zum Glück relativ kurz, weshalb wir uns meistens schon so um 7.25 Uhr (oder 7.30 Uhr, falls wir später losgehen) auf die Bänke der Busstation setzen, die dann jedes Mal ein komisches Geräusch von sich geben :D - als würden sie unter unserem Gewicht gleich zusammenfallen.
Rafael kommt mit dem Schulbus eigentlich immer zwischen 7.25 und 7.40 Uhr an der Bushaltestelle vorbei. An der Türe (die immer offen ist) steht meisten Paul, ein Schüler des Institutos, der sehr fit ist und immer nach den Kindern, die einsteigen wollen, Ausschau hält und ihnen des Öfteren dann auch beim Ein- oder Aussteigen hilft. Nachdem wir eingestiegen sind, gibt es das erste große Hallo der Kinder. Dann suchen wir uns schnell einen Sitzplatz, da es ziemlich wacklig ist, im Bus zu stehen. Mit Latino-Musik, die das Geschrei der Kinder zu übertönen versucht, fährt Rafael von Haus zu Haus und von Bushaltestelle zu Bushaltestelle um die Kinder einzusammeln. Inzwischen wissen wir eigentlich fast immer, wer wo einsteigt. Wenn die Kinder, die gerade eingestiegen sind, an unserem Platz vorbei kommen, werden wir meistens umarmt oder bekommen ein "hola" zu hören. Ich genieße diese Busfahrt eigentlich immer, da man die wunderschöne Landschaft Puyos bestaunen kann. Lediglich das Hin- und Hergeschaukel des Busses, das an einigen Stellen (die wir inzwischen aber gut genug kennen) in ein Gerüttel übergeht, stört die ruhige Busfahrt und ich bin froh, wenn wir wieder auf einer asphaltierten Straße sind. Ca. 5 Minuten bevor wir im Instituto ankommen, gibt es noch eine Stelle, an der der Bus immer richtig stark wackelt und man muss sich gut festhalten, um nicht auf den Nachbarn zu rutschen :D.
Im Instituto angekommen geht, nachdem mich weitere Kinder begrüßt haben, mein erster Gang ins Sekretariat. Dort unterschreibe ich die Anwesenheitsliste, von der ich mich gegen 13 Uhr mittags wieder austrage. Die zweite Unterschrift setze ich morgens unter die Liste mit der "alimentación" (= Verpflegung).
Danach geht es in meine aula, wo ich meine Tasche abstelle. Manchmal mit, manchmal ohne Luis geht es dann zum Frühstück. Ich bestelle das Frühstück für die Kinder und mich (ja, mein zweites Frühstück :D) bei Miriam, der Köchin. Während ich mein Frühstück, das jeden zweiten Tag aus Reiskeksen besteht, meistens schon innerhalb von 10 Minuten gegessen habe, brauchen die Kinder meistens bis kurz nach halb neun. Immer wieder wiederhole ich "trink deine Milch aus", "iss dein Brot / Ei / Keks / ..." und helfe Eduarda mit dem Zerkleinern ihres Essens. Wenn dann alle Kinder fertig sind, wische ich noch den Tisch ab und gehe dann mit den Kindern zur aula. Dort holen wir Becher, Zahnbürsten und Zahnpasta und machen uns auf den Weg ins Bad. Nicht immer haben wir das Glück, dass es Wasser gibt und falls mal wieder kein Wasser aus dem Hahn kommt, ziehen wir nach unten um, wo es auch ein Waschbecken gibt. Nachdem ich alle Zahnbürsten wieder eingesammelt und den Kinder gesagt habe, dass sie sich das Gesicht waschen sollen, geht es wieder in die aula. Dort startet dann der 1. Unterrichtsblock. Um 10 Uhr klingelt es zur Pause. Wir gehen mit den Kindern Hände waschen und dann wieder in den Speiseraum, wo es täglich eine Frucht für jeden gibt. Nachdem jeder seine Frucht gegessen hat, wische ich wieder den Tisch und gehe dann (wenn es gutes Wetter ist) auch mit Eduarda (die meistens als Letzte fertig ist) auf den Spielplatz. Nach dem 2. Unterrichtsblock, der um 10.35 Uhr beginnt, geht es wieder Hände waschen und dann zum Mittagessen. Wieder bestelle ich das Essen für alle (wobei es manchmal sehr schnell geht, ich manchmal aber auch echt lange warten muss, da viele Lehrer zur gleichen Zeit bestellen, wie ich). Ich warte, bis jedes Kind seine Suppe gegessen hat, bevor ich ihm den Hauptgang (meistens Reis mit Fleisch, Ei oder Gemüse und Salat) und den Saft gebe. Während "meine" Kinder am Essen sind, füllt sich so langsam der Speisesaal. Irgendwo brüllt immer ein Kind, das nicht essen will, es fällt eine Suppe um oder Kinder streiten sich. Inzwischen bleibe ich dabei allerdings immer sehr ruhig und genieße diese belebte Atmosphäre fast schon. Da ich inzwischen nur noch den Hauptgang esse (die Suppe ist nicht ganz mein Fall), bin ich immer schon relativ früh fertig und habe genug Zeit, Eduarda ihr Essen zu füttern. Nach dem Mittagessen geht es zum zweiten Mal Zähne putzen. Danach werden alle Rucksäcke, in die wir manchmal noch Nachrichten für die Eltern stecken, auf die Kinderrücken gepackt und ich setze den Teil, der mit dem "ersten Bus" fährt, auf die Sitze.
Danach hole ich meine Tasche, verabschiede mich von Luis und treffe dann auf Rahel mit der zusammen ich den "zweiten Bus" (wenn der Bus zum zweiten Mal am Instituto vorbei fährt) nehme. Wenn wir nicht gerade im Zentrum aussteigen, setzt uns Rafael meistens gegen 13.30 Uhr zuhause ab.
Dort werden dann wieder alle Schlösser aufgeschlossen und die Alarmanlage deaktiviert. Nach dem Anruf der Sicherheitsfirma, die die Deaktivierung überprüft, gehen Rahel und ich ins Apartment.
Montags ist immer Waschtag und wir schmeißen die dreckige Wäsche, die teilweise nicht viel sauberer wieder herauskommt, in die Waschmaschine, hängen sie nach einer knappen Stunde auf und sammeln sie dienstags wieder ein.
Montags, mittwochs und freitags gehen wir immer zur bailoterapia. Dazu gehen wir um 18.15 Uhr zuhause los, sammeln noch eine Nachbarin ein und laufen dann zur cancha, wobei wir versuchen, Ruth und die Nachbarin möglichst nicht abzuhängen :D. Bei der cancha angekommen, stellen wir unsere Trinkflaschen auf den Platz, auf dem wir später dem / der profe nachtanzen.
Freitags backen wir seit kurzem immer Brot und sonntags immer einen Kuchen. der meistens wenige Minuten nach der Fertigstellung schon wieder gegessen ist.
Der halbe Samstag geht meistens zum Einkaufen drauf, was aber, wie ich schon beschrieben hatte, immer wirklich nötig ist, da am Ende der Woche beinahe alle Nahrungsvorräte aufgebraucht sind.
Jede Woche müssen wir uns außerdem um die Trinkwasserversorgung kümmern. Wenn wir nicht gerade das Glück haben, dass der Wasserwagen vorbei fährt, geht es mit dem leeren Kanister zum kleinen Laden um die Ecke und schwer beladen mit einem Vollen wieder zurück.
Dadurch, dass man das Toilettenpapier hier in den Mülleimer wirft, muss mehrere Male in der Woche der Müll weg gebracht werden.
Eine weitere, fast alltägliche Aufgabe ist es, Kakerlaken und andere ungebetene Gäste aus dem Apartment zu entfernen.
Abends besteht die Routine immer aus essen, Tee trinken, Kekse essen, einen Film oder eine Folge einer Serie anschauen, Blog schreiben, Zähne putzen und duschen. Dann geht es ins Bett und wieder ist ein Tag in Puyo vergangen.
Nachdem ich jetzt die Dinge, die wirklich immer so stattfinden, wie beschrieben, erläutert habe, werde ich die kommenden "Alltagsposts" wohl kürzer fassen und nicht jedes Mal so ins Detail gehen. Ich hoffe, ich konnte euch einen Einblick in meinen Alltag und meine Alltagsaktivitäten geben :).
Auf die nächsten 10 Monate in Ecuador,
Clara
Tag 63
Den Tag beginne ich heute irgendwo zwischen Puyo und Guayaquil - vielleicht war ich wach, vielleicht habe ich auch geschlafen. Während der knapp acht Stunden langen Fahrt nach Guayaquil kann ich zum Glück die meiste Zeit gut schlafen. Trotzdem wache ich mehr als einmal auf, da mein Hals steif geworden ist, es mir zu kalt oder zu warm geworden ist oder weil plötzlich das Licht angeht und jemand die Fahrkarten kontrolliert.
Kurz vor 7 Uhr kommen wir dann am Busterminal von Guayaquil an. Dieses ist riesig und geht über drei Stockwerke sodass Rahel und ich am Anfang ziemlich orientierungslos inmitten der Menschenmenge stehen.
Als erstes wollen wir unsere Rückfahrkarten nach Puyo kaufen. Als wir den Schalter endlich gefunden haben, ist da allerdings noch niemand da. Noch nicht ganz wach setzen wir uns an unsere Rucksäcke gelehnt auf den Boden und warten, dass er aufmacht. Nach einer Stunde, in der ich schon mal ein bisschen in meinem Reiseführer über Guayaquil gelesen habe, erscheint endlich eine Frau am Schalter. Sobald wir die Tickets haben machen wir uns auf den Weg um nach einem Stadtplan zu suchen. Die beiden Sicherheitsleute, die ich frage, geben mir unterschiedliche Auskünfte, keine der beiden führt allerdings zum Ziel. Die Sicherheitsleute warnen uns übrigens, wie David gestern auch, vor Taschendieben.
Langsam habe ich keine Lust mehr mich von A nach B schicken zu lassen und ich sehne mich nach frischer Luft, weshalb wir auf gut Glück zu den Stadtbussen laufen.
Ich habe zwar einen kleinen Stadtplan in meinem Reiseführer, allerdings sind auf ihm wirklich nur die wichtigsten Gebäude und Straßen eingezeichnet. Wir finden einen Bus, der ungefähr in Richtung unseres hostals fährt.
Nach ein paar Minuten ziemlich unsanfter Fahrt, während der ich mehrmals fast vom Sitz falle, meinen wir, in der richtigen Gegend zu sein und steigen aus.
Wir laufen ca. eine halbe Stunde in der prallen Hitze aber da wir bisher unser hostal noch nicht finden konnten und uns die Hitze und das Hungergefühl plagt, nehmen wir letztendlich doch ein Taxi.
Den Taxifahrer verstehe ich, wie auch die beiden Sicherheitsleute im Busterminal schlechter als die Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe. Irgendwie haben die Leute von der Küste einen bisschen anderen Akzent.
Nichts desto trotz kommen wir gegen 10 Uhr endlich am hostal an. Bis dahin hat es allerdings ein wenig gedauert. Der Taxifahrer hat uns erst zu zwei anderen Hotels gebracht und da er keine Ahnung hatte, wo unser hostal liegt, musste er zusammen mit einer Hotelangestellten erst im Internet den Weg suchen.
Schließlich kommen wir aber doch vor dem hübschen bunten Häuschen an (gespart, so wie wir es durch den Bus anfangs wollten, haben wir allerdings nichts). Christopher, der Eigentümer des hostals, öffnet uns die Tür. Er fragt, ob wir spanisch oder englisch sprechen und als ich meine, dass spanisch in Ordnung sei, sagt er, dass sein spanisch allerdings eher schlecht sei. Er ist gebürtiger Amerikaner und wohl noch nicht so lange hier. In einem spanisch-englisch-Mischmasch zeigt er uns das hostal und unser Zimmer und ich bin in einem Sprachenwirrwarr gefangen :D. Es ist zwar ganz angenehm, mal wieder englisch zu hören, allerdings ist mein Kopf gerade so auf spanisch gepolt, dass ich trotzdem öfters mit "sí" als mit "yes" antworte :D.
Unser hostal ist, wie schon genannt, ein hübsches kleines buntes Häuschen. Es hat einen schönen Außenbereich mit Pool und Mini-Wasserfall, Vogelvolieren, einer Hängematte und weiteren Sitzmöglichkeiten. Außerdem steht uns die Nutzung eines Gemeinschaftsraumes und einer Gemeinschaftsküche offen.
Unser Zimmer mit dem kleinen Bad wirkt sehr sauber und ordentlich. Alles in allem gefällt mir das hostal, das im Übrigen auch noch relativ preiswert ist, richtig gut :).
Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt haben und ich (sehr heiß - fast zu heiß) geduscht habe, machen wir uns auf dem Weg, um etwas zum Essen zu finden. Unsere Wahl ist das nahegelegene große Einkaufszentrum. Dort angekommen essen wir erst ein Sandwich beim Ausblick auf einen riesigen Kreisverkehr und danach noch einen Brownie, bei dem mit schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammen läuft.
Wir entdecken ein Kino (in dessen Foyer gerade eine Rollschuhveranstaltung stattfindet) und da wir das Programm immer nur von Werbeanzeigen unterbrochen anschauen können, frage ich den Sicherheitsmann nach einem Programm. Etwas zerknittert zieht er einen Zettel aus seiner Hosentasche und liest uns die Filme vor. Da uns die Namen nicht viel sagen, erklärt er immer noch kurz etwas zu dem Film. Das Resultat ist allerdings, dass er uns eigentlich jeden Film empfiehlt, weshalb wir uns später für den entscheiden, der zur besten Uhrzeit kommt :D.
Wir kaufen noch Wasser und etwas zum Abendessen und machen uns dann auf den Rückweg zum hostal, auf dem wir noch Riesenerdbeeren mitnehmen.
Im hostal essen wir die Erdbeeren, entspannen dann ein wenig im Pool - es ist hier wirklich sehr heiß -, essen dann auf der kleinen Terrasse des hostals zu Abend und machen uns schließlich auf den Weg zum Kino.
Die Temperatur gleicht einer lauen Sommernacht und eigentlich wirkt alles sehr friedlich. Der 31.10. steht hier eigentlich nicht im Zeichen Halloweens, sondern ist der "Día del escudo" (= Tag des Wappens). Allerdings kommen uns doch sehr viele verkleidete Menschen entgegen.
In der City Mall, wo sich das Kino befindet, ist sehr viel mehr los als heute Mittag. Auch hier kommen einem Hexen und andere gruselige Gestalten entgegen. Selbst im Kino ist das Personal verkleidet. Zur Auswahl stehen uns Fantasy-, Horror-, Mysteryfilme oder Krimis. Unsere Wahl fällt auf einen "Mystery-Horror-Film mit romantischen Elementen". Unserer Meinung nach das Harmloseste :D.
Mit (salzigem) Popcorn und einem Riesenbecher Cola bewaffnet suchen wir unsere Plätze. Wie wir da so sitzen kommt es uns nicht anders vor wie in Deutschland.
Nach dem Film, bei dem ich tatsächlich ein paar mal richtig erschrocken bin, hoffe ich jetzt, gut schlafen zu können ;D.
Meine bisherigen Eindrücke von Guayaquil in Stichwörtern: riesige Gebäude, sehr modern, sehr wohlhabend, unübersichtlich, touristisch, kühle Atmosphäre bei sehr heißer Temperatur.
Morgen werden wir die Stadt mit einem Rundgang ein wenig mehr erkunden. Jetzt bin ich aber erstmal froh, dass ich mich in ein richtiges Bett und nicht auf einen Bussitz kuscheln darf.
Bis morgen, eure
Clara
Kurz vor 7 Uhr kommen wir dann am Busterminal von Guayaquil an. Dieses ist riesig und geht über drei Stockwerke sodass Rahel und ich am Anfang ziemlich orientierungslos inmitten der Menschenmenge stehen.
Als erstes wollen wir unsere Rückfahrkarten nach Puyo kaufen. Als wir den Schalter endlich gefunden haben, ist da allerdings noch niemand da. Noch nicht ganz wach setzen wir uns an unsere Rucksäcke gelehnt auf den Boden und warten, dass er aufmacht. Nach einer Stunde, in der ich schon mal ein bisschen in meinem Reiseführer über Guayaquil gelesen habe, erscheint endlich eine Frau am Schalter. Sobald wir die Tickets haben machen wir uns auf den Weg um nach einem Stadtplan zu suchen. Die beiden Sicherheitsleute, die ich frage, geben mir unterschiedliche Auskünfte, keine der beiden führt allerdings zum Ziel. Die Sicherheitsleute warnen uns übrigens, wie David gestern auch, vor Taschendieben.
Langsam habe ich keine Lust mehr mich von A nach B schicken zu lassen und ich sehne mich nach frischer Luft, weshalb wir auf gut Glück zu den Stadtbussen laufen.
Ich habe zwar einen kleinen Stadtplan in meinem Reiseführer, allerdings sind auf ihm wirklich nur die wichtigsten Gebäude und Straßen eingezeichnet. Wir finden einen Bus, der ungefähr in Richtung unseres hostals fährt.
Nach ein paar Minuten ziemlich unsanfter Fahrt, während der ich mehrmals fast vom Sitz falle, meinen wir, in der richtigen Gegend zu sein und steigen aus.
Wir laufen ca. eine halbe Stunde in der prallen Hitze aber da wir bisher unser hostal noch nicht finden konnten und uns die Hitze und das Hungergefühl plagt, nehmen wir letztendlich doch ein Taxi.
Den Taxifahrer verstehe ich, wie auch die beiden Sicherheitsleute im Busterminal schlechter als die Leute, mit denen ich bisher gesprochen habe. Irgendwie haben die Leute von der Küste einen bisschen anderen Akzent.
Nichts desto trotz kommen wir gegen 10 Uhr endlich am hostal an. Bis dahin hat es allerdings ein wenig gedauert. Der Taxifahrer hat uns erst zu zwei anderen Hotels gebracht und da er keine Ahnung hatte, wo unser hostal liegt, musste er zusammen mit einer Hotelangestellten erst im Internet den Weg suchen.
Schließlich kommen wir aber doch vor dem hübschen bunten Häuschen an (gespart, so wie wir es durch den Bus anfangs wollten, haben wir allerdings nichts). Christopher, der Eigentümer des hostals, öffnet uns die Tür. Er fragt, ob wir spanisch oder englisch sprechen und als ich meine, dass spanisch in Ordnung sei, sagt er, dass sein spanisch allerdings eher schlecht sei. Er ist gebürtiger Amerikaner und wohl noch nicht so lange hier. In einem spanisch-englisch-Mischmasch zeigt er uns das hostal und unser Zimmer und ich bin in einem Sprachenwirrwarr gefangen :D. Es ist zwar ganz angenehm, mal wieder englisch zu hören, allerdings ist mein Kopf gerade so auf spanisch gepolt, dass ich trotzdem öfters mit "sí" als mit "yes" antworte :D.
Unser hostal ist, wie schon genannt, ein hübsches kleines buntes Häuschen. Es hat einen schönen Außenbereich mit Pool und Mini-Wasserfall, Vogelvolieren, einer Hängematte und weiteren Sitzmöglichkeiten. Außerdem steht uns die Nutzung eines Gemeinschaftsraumes und einer Gemeinschaftsküche offen.
Unser Zimmer mit dem kleinen Bad wirkt sehr sauber und ordentlich. Alles in allem gefällt mir das hostal, das im Übrigen auch noch relativ preiswert ist, richtig gut :).
Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt haben und ich (sehr heiß - fast zu heiß) geduscht habe, machen wir uns auf dem Weg, um etwas zum Essen zu finden. Unsere Wahl ist das nahegelegene große Einkaufszentrum. Dort angekommen essen wir erst ein Sandwich beim Ausblick auf einen riesigen Kreisverkehr und danach noch einen Brownie, bei dem mit schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammen läuft.
Wir entdecken ein Kino (in dessen Foyer gerade eine Rollschuhveranstaltung stattfindet) und da wir das Programm immer nur von Werbeanzeigen unterbrochen anschauen können, frage ich den Sicherheitsmann nach einem Programm. Etwas zerknittert zieht er einen Zettel aus seiner Hosentasche und liest uns die Filme vor. Da uns die Namen nicht viel sagen, erklärt er immer noch kurz etwas zu dem Film. Das Resultat ist allerdings, dass er uns eigentlich jeden Film empfiehlt, weshalb wir uns später für den entscheiden, der zur besten Uhrzeit kommt :D.
Wir kaufen noch Wasser und etwas zum Abendessen und machen uns dann auf den Rückweg zum hostal, auf dem wir noch Riesenerdbeeren mitnehmen.
Im hostal essen wir die Erdbeeren, entspannen dann ein wenig im Pool - es ist hier wirklich sehr heiß -, essen dann auf der kleinen Terrasse des hostals zu Abend und machen uns schließlich auf den Weg zum Kino.
Die Temperatur gleicht einer lauen Sommernacht und eigentlich wirkt alles sehr friedlich. Der 31.10. steht hier eigentlich nicht im Zeichen Halloweens, sondern ist der "Día del escudo" (= Tag des Wappens). Allerdings kommen uns doch sehr viele verkleidete Menschen entgegen.
In der City Mall, wo sich das Kino befindet, ist sehr viel mehr los als heute Mittag. Auch hier kommen einem Hexen und andere gruselige Gestalten entgegen. Selbst im Kino ist das Personal verkleidet. Zur Auswahl stehen uns Fantasy-, Horror-, Mysteryfilme oder Krimis. Unsere Wahl fällt auf einen "Mystery-Horror-Film mit romantischen Elementen". Unserer Meinung nach das Harmloseste :D.
Mit (salzigem) Popcorn und einem Riesenbecher Cola bewaffnet suchen wir unsere Plätze. Wie wir da so sitzen kommt es uns nicht anders vor wie in Deutschland.
Nach dem Film, bei dem ich tatsächlich ein paar mal richtig erschrocken bin, hoffe ich jetzt, gut schlafen zu können ;D.
Meine bisherigen Eindrücke von Guayaquil in Stichwörtern: riesige Gebäude, sehr modern, sehr wohlhabend, unübersichtlich, touristisch, kühle Atmosphäre bei sehr heißer Temperatur.
Morgen werden wir die Stadt mit einem Rundgang ein wenig mehr erkunden. Jetzt bin ich aber erstmal froh, dass ich mich in ein richtiges Bett und nicht auf einen Bussitz kuscheln darf.
Bis morgen, eure
Clara
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