El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Dienstag, 6. Oktober 2015

Tag 37

Heute ist Rafael später dran als sonst, weshalb wir sehr froh sind, als wir dann doch den Schulbus hinter einer Kuppe auftauchen sehen.

unsere "Straße" wenn man von der Haustür nach rechts...


... und nach links schaut


























Im Instituto geht es nach dem Singen der Nationalhymne (wie jeden Montag) in die "aulas" (= Klassenzimmer). Mit Luis' Gruppe singen und basteln wir heute Morgen.

Nachfolgende Links führen zu Beispielen von Kinderliedern, die wir mit den Kindern singen. Dazu wird dann oft etwas gemalt oder gebastelt (heute zum Beispiel habe ich mit den Kindern ein "pollito" = Küken gebastelt).

Los pollitos dicen

Pollito Amarillito
La serpiente de tierra caliente

Nach der Pause geht es auf die "cancha", wo wir mit den Kindern Seifenblasen machen. Anschließend geht es noch eine Runde aufs Trampolin und dann ist schon wieder Mittagessenszeit :). Die Schultage kommen mir hier von Tag zu Tag kürzer vor, da ich "lento pero seguro" (= langsam aber sicher) zu jedem Kind der Gruppe einen Zugang finde und mir die Arbeit mit meinem Ameisenhaufen wirklich Spaß macht, obwohl es teilweise echt anstrengend ist. Ab morgen bekommen wir übrigens Zuwachs. Somit sind es dann (wenn alle da sind) 9 Kinder in der Gruppe, was bestimmt nicht stressfreier, dafür aber auch nicht uninteressanter wird.

Auf dem Heimweg müssen wir ein Mal kurz Pause machen, da Matías (aus meiner Gruppe) auf die Toilette muss. Der Bus hält also am Wegrand an, Matías erledigt sein Geschäft und weiter geht's. 
Um 16.15 Uhr sind wir mit José und David verabredet. Wir haben nämlich eine Abmachung, dass wenn wir mit ihnen zum CrossFit gehen, gehen sie mit uns zu bailoterapia. CrossFit ist eine Fitnesstrainingsmethode, die zur Steigerung von Kraft und Kondition und zur Optimierung der zehn anerkannten Fitness-Bereiche (Ausdauer, Durchhaltevermögen, Leistung, Stärke, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance, Koordination und Genauigkeit) dient. Dazu wird zum Beispiel gejoggt, Seil gesprungen, gerudert oder geklettert. Außerdem macht man viele Eigengewichtsübungen und setzt Hanteln, Gymnastikringe, Klimmzugstangen oder Kugelhanteln ein.
Nachdem wir eine Stunde lang mit unserem profe gejoggt sind, Klimmzüge, sit ups, Kniebeugen, Liegestützen und sonstige Übungen gemacht haben, fühlen sich meine Beine nur noch wie Wackelpudding an :D.
Auf dem Heimweg (den wir trotz Puddingbeinen zu Fuß bestreiten) haben wir ständig das Gefühl, dass unsere Beine gleich nachgeben und als wir bergab laufen müssen, kommen wir fast den Berg nicht mehr runter :D. 
Nach 10 Minuten Pause geht es dann auch schon wieder los zur bailoterapia. Da meine Beine sich nur minimal erholt haben, bin ich heute nicht fähig, alle Schrittfolgen mit voller Energie nachzutanzen.
Alles in allem tat es aber richtig gut, sich mal so ausgepowert zu haben und wir werden das jetzt wahrscheinlich doch öfters machen.
Zum Abendessen gibt es patacones mit verschiedenen salsas (= Soßen) und Salat. Damit man sich die patacones besser vorstellen kann, habe ich diesmal unser Abendessen fotografiert :D.



Ich verabschiede mich dann mal mit ausgepowerten Grüßen aus Puyo
Clara

Montag, 5. Oktober 2015

Tag 36

Nach dem Frühstück, zu dem uns Ruth ein Omelett mit Kartoffeln und Spinat gemacht hat, starten Rahel und ich heute die zweite Backaktion: es soll Apfelkuchen geben. Da wir keine Waage haben und auch nicht alle Zutaten, wird halt alles Pi mal Daumen gemacht :D. Nachdem er eine Zeit lang im Ofen war und schon das ganze Haus nach Kuchen riecht, hole ich meinen ersten in Ecuador gebackenen Kuchen aus dem Ofen.




Er schmeckt uns allen so gut, dass er ein paar Stunden später schon nicht mehr existiert :D. Allerdings haben wir jetzt beschlossen, jeden Sonntag Kuchen zu backen und ich freue mich jetzt schon auf nächste Woche ;).
Nachdem der Regen (es regnet heute schon den ganzen Tag :( ) etwas nachgelassen hat, machen wir uns auf den Weg zum Zoorefugio Tarquí. Dort gibt es ein Schwimmbad, ein Restaurant und (die eigentliche Hauptattraktion) einen Wanderpfad mitten durch den Regenwald, auf dem man an verschiedenen Tiergehegen vorbei kommt. In diesen sind unter anderem Kaimane, Affen, Tapire, Schildkröten, Leoparden, Ozelote und Vögel zu finden. Außerdem gibt es 3 Boas (Boa constrictor für alle Harry Potter Fans ;) ) und eine Menge anderer Tiere, von denen ich die Namen nicht weiß :D.
Alle Tiere wurden entweder als illegale Haustiere gehalten oder wurden bei Verkehrsunfällen verletzt, weshalb sie in der freien Wildbahn nicht mehr überlebensfähig wären. Die Gehege sind sehr groß und oft leben darin nur wenige Tiere.
Der Pfad, auf dem wir wandern, führt quasi mitten durch das Grün des Regenwalds und ist manchmal sehr steil oder rutschig vom Wasser, das von den Blättern tropft.
Für mich ist die Natur hier mindestens genau so spannend wie die Tiere, die wir anschauen :D.









Um 18.30 Uhr wollen wir eigentlich Abendessen machen, aber da spontan noch eine Freundin von Ruth (Paulina) vorbei gekommen ist, bespreche ich mit den beiden noch Paulinas Männerprobleme :D.
Zu Essen gibt es wieder Yucca frita (*_*).
Danach gehen Rahel und ich in die zweite Runde unserer Avocadokur für die Haare :D.

Schon wieder ist eine Woche vorbei und morgen startet dann schon die 6. Woche im Instituto.
Mit ganz lieben Grüßen verabschiede ich mich für heute
Clara

Sonntag, 4. Oktober 2015

Tag 35

Kurz noch zu gestern: unser Abendspaziergang wurde durch heftigen Regen unterbrochen, weshalb wir die Hälfte der Zeit auf einer Bank unter dem Dach einer Bushaltestelle verbracht haben, in der Hoffnung, dass der Regen nachlässt. Bei unserem Glück war das leider nicht der Fall und wir kamen, nass bis auf die Haut, kurz vor Mitternacht wieder im Apartment an.

Heute stehen wir schon um 7.30 Uhr auf, um zur "cancha México" zu gehen. (Zur Erinnerung: "canchas" sind die Sportplätze, die aus einem Dach und seitlichen Stützpfeilern bestehen). Dort findet heute der alljährliche "bailomaratón" statt. Gemäß der ecuadorianischen Pünktlichkeit kommen wir nicht um 9 Uhr, sondern erst gegen 9.15 Uhr an :D. Wir schauen als erstes einer Kindertanzgruppe zu, die mit bunten Kostümchen und noch bunterem Make-up eine bailoterapia-Choreographie zeigt. Danach beginnt auch schon der "bailomaratón". Da ich (leider leider leider :( ) meine Kamera vergessen habe, werde ich jetzt versuchen, das Spektakel so gut es geht, in Worte zu fassen.
Auf der "cancha México", die bestimmt doppelt so groß ist, wie unsere "normale" cancha, gibt es vorne eine kleine Bühne und seitlich eine Tribüne. Auf der Bühne, die mit Luftballons in den Farben der ecuadorianischen Flagge geschmückt ist, geben die profes der bailoterapia abwechselnd die Schrittfolgen vor. Vor der Bühne stehen 4 Jurytische und davor ist mit weiteren Luftballons ein Feld abgetrennt, in dem der "bailomaratón" stattfindet. Dort tanzen anfangs ca. 30 Personen in gelben T-Shirts und mit Startnummern an den Shirts den profes nach. Hinter diesem abgetrennten Feld kann jeder mitmachen, der Lust hat. Auf der Tribüne und neben dem abgetrennten Feld stehen, sitzen und tanzen die Zuschauer. Der "bailomaratón" geht 3 Stunden lang und es geht darum, möglichst lange den Schrittfolgen der profes folgen zu können. Dabei rennen die profes, die gerade nicht anleiten, immer wieder mit Wasserflaschen durch die Menge, denn wer stoppt (sei es auch nur zum Trinken) ist raus. Außerdem werden nach und nach weitere Leute aussortiert.
Die 30 Teilnehmer sind in unterschiedliche Mannschaften aufgeteilt. Es gibt zur Zeit 15 canchas auf denen bailoterapia stattfindet. Davon sind heute 5 canchas vertreten. Auch "unsere" cancha (= "cancha Dorado") stellt 4 Teilnehmer. Es treten also die 5 canchas gegeneinander an und zusätzlich wird am Schluss noch der beste Tänzer / die beste Tänzerin gekürt. Das Publikum ist in verschiedene "Fanclubs" aufgeteilt, die die Tänzer ihrer jeweiligen cancha anfeuern. Die "cancha México" ist die Größte und hat somit auch den größten Fanclub. Dieser ist mit Pompons, Luftballons und Plakaten ausgestattet. Das können wir natürlich nicht auf uns sitzen lassen und so beschrifte ich kurzer Hand ein paar Luftballons, die mir einer der profes in die Hand drückt, mit "DORADO". Zusammen mit Ruth, Ceci (einer Nachbarin, die immer mit zur bailoterapia geht) und ein paar anderen Dorado-Fans, feuern wir unsere Teilnehmer kräftig an :D. Das Publikum ist übrigens genau so gemischt, wie die Teilnehmer: jung, alt; dick, dünn; weiblich, männlich, alles ist vertreten :D.
Am Schluss - im Finale - sind noch genau 6 Teilnehmer übrig: 3 aus unserer cancha und 3 aus der "cancha México". Somit steht es beim Gruppenwettbewerb unentschieden zwischen unserer cancha und der "cancha México". Bei der Siegerehrung wird jedem Teilnehmer eine Medaille übergeben und es werden Fotos gemacht. Dann wird es spannend: das Ergebnis der Einzelbewertung steht bevor. Unsere cancha gewinnt den 3. und den 1. Platz!!! :).
Mit dem Sieg in der Tasche und einer angekratzten Stimme machen wir uns auf den Weg in das Escobar Café, wo wir zu Mittag essen. Davor muss Ruth allerdings noch etwas ausdrucken und wir entdecken die Limonenchips, von denen uns eine Freundin von Rahel vorgeschwärmt hat.



Der Geschmack ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber eigentlich ganz lecker :). Als wir dann schließlich im Escobar Café angekommen sind, teilen Rahel und ich uns einen Teller auf dem Yucca frita, patacones (das sind Kochbananenstücke, die kurz frittiert, dann zusammengedrückt und dann nochmal frittiert werden), Fleisch mit Paprika, Zwiebeln und einer Soße, Hühnchen (zählt hier laut Ruth nicht zu "carne" = Fleisch :D) mit Paprika, Zwiebeln + Soße und außerdem noch ein bisschen Salat zu finden ist. Dazu trinken wir Moccachino. Am Schluss sind wir sehr satt aber ein "postre" (= Nachtisch) lassen wir uns nicht entgehen und so teilen wir uns noch eine Schokoladen-Orangentorte.
Gestärkt machen wir uns auf den Weg, um unsere Einkäufe zu erledigen. Erst geht es in den Supermarkt, dann auf den Markt. Voll beladen kommen wir gegen 16.45 Uhr wieder zuhause an.
Nach einer kurzen Verschnaufpause machen Rahel und ich uns knappe zwei Stunden später auf den Weg ins Zentrum, denn wir treffen uns noch mit José und David. Da wir kochen wollen, treffen wir uns am Supermarkt. Das Einkaufen verläuft chaotisch :D. Eigentlich wollten wir Garnelen machen, das gibt es allerdings nicht, deshalb steigen wir kurzerhand auf Hühnchen (wer hätte es gedacht :D) um. Wir haben ein bisschen das Gefühl, dass die Jungs nicht so ganz wissen, was sie kaufen wollen und kurzzeitig überlegen sie sogar, den Supermarkt ganz zu verlassen, da sie hier anscheinend nicht alles finden, was sie brauchen. Letztendlich kaufen wir aber doch etwas. Nachdem wir noch bei einem anderen Laden gehalten haben und den Rest bei einem "veci" (= Abkürzung für "vecino" = Nachbar) gekauft haben, gehen wir zu David nach Hause.

Als das Essen fertig ist, befinden sich auf meinem Teller Reis, patacones (die echt lecker sind :)), paniertes Hühnchenfleisch und selbstgemachte Guacamole. Ich muss zugeben, dass ich mich auf dieses Essen, obwohl ich anfangs wenig Vertrauen hatte, sehr freue. Zum zweiten Mal an diesem Tag ärgere ich mich darüber, dass ich meine Kamera nicht dabei habe. Also bitte ich David, ein Foto von unserem Essen zu machen. 



Übrigens freuen Rahel und ich uns riesig, als die Jungs ein Lied, das uns seit Tagen im Kopf herumschwirrt, nur anhand unseres Summens erkennen! ;D Endlich hat das Suchen ein Ende!
Nach dem wirklich leckeren Essen bringen wir das, was übrig geblieben ist noch zu Davids Eltern. Gemäß der ecuadorianischen Gastfreundschaft begrüßen sie uns sehr herzlich und danken uns für unser Kommen :D.
Danach machen wir mit dem Auto einen kleinen Ausflug durch Puyo. Wir halten vor dem Wassertank, der ganz Puyo mit Wasser versorgt und klettern halblegalerweise darauf. Von da oben ist die Sicht über das nächtliche Puyo grandios und schon wieder ist es schade, dass ich meine Kamera nicht dabei habe. Nachdem wir ein bisschen die Aussicht vom Wassertank aus genossen haben, klettern wir wieder herunter. Den nächsten Stopp legen wir bei einem Naturschwimmbad ein, wo wir aber nur kurz bleiben.
Als nächsten gurken wir eine Stunde durch Puyo auf der Suche nach einem Parkplatz. Als wir zum 3. Mal die gleiche Ecke passieren, frage ich David, was genau wir eigentlich gerade vorhaben und ihm fällt wieder ein, dass wir ja einen Parkplatz suchen :D.

Zuerst halten wir dann schließlich bei der Skybar Puyo, von der aus man ebenfalls einen guten Blick über Puyo hat. Da dort die Musik aber nicht so gut ist, ziehen wir in die nächste Tanzbar im "Obrero" (= das Ausgehviertel Puyos) weiter. Dort verbringen wir dann die restliche Zeit (bis um 2 Uhr, da dann ja alles zu macht) hauptsächlich mit Tanzen.
David fährt uns dann nach Hause, wo wir heilfroh über die kalte Dusche sind, da es in der Tanzbar so heiß war.
Hasta pronto
Clara

Samstag, 3. Oktober 2015

Tag 34

Da das Instituto heute aufgrund einer Lehrerkonferenz nur bis 11.30 Uhr geht, passiert dort heute nicht viel. Zuerst bastel ich mit den Kindern eine "piñata". Das ist eine bunt gestaltete Figur aus Pappmaché, die mit Süßigkeiten (traditionell aber mit Früchten) gefüllt wird. Bei Festen wird sie dann aufgehängt und es werden, ähnlich wie beim Topfschlagen, immer einer Person die Augen verbunden, die dann so lange mit einem Stock auf die piñata schlägt, bis diese zerbricht und die Süßigkeiten heraus fallen. Nachdem meine ganzen Arme und auch ein Teil meines Oberteils dank der vielen Kinderhände voll mit Kleister sind, gehe ich mit den Kindern auf den Spielplatz. Dort finde ich heraus, wie es mir gelingt, alle Kinder beisammen zu halten: ich setze sie einfach alle auf eine Schaukel :D. Somit läuft mir keines der Kinder weg, allerdings laufe ich ständig von Schaukel zu Schaukel, weil es von überall "empujame Clara" (= schubs mich an, Clara) schreit ;). Heute gibt es dann schon um 10.30 Uhr Mittagessen. Dort kann ich zwei Erfolge verzeichnen, denn ich schaffe es, dass sowohl Abigail (was man hier übrigens wirklich so ausspricht, wie man es schreibt :D) als auch Eduarda die Suppe, die ich ihnen mehr oder weniger füttere, essen :D.
Im Schulbus ist es heute so voll, dass unter anderem auch ich im Mittelgang stehe, da alle Plätze (teilweise auch doppelt) besetzt sind. Statt dass man sich darüber aufregt, wie eng und voll es gerade ist, fangen manche Kinder an, die lateinamerikanische Musik, die lautstark durch den Bus tönt, mitzusingen. Als beinahe der ganze Bus singt und im Takt klatscht, muss ich einfach mitlachen: diese Lebensfreude hier ist einfach so schön und überträgt sich so leicht auch auf mich! :)
Rahel und ich steigen im Zentrum aus und kaufen Mehl und Milch. Für heute haben wir uns nämlich vorgenommen, dass wir Brot backen wollen. Das machen wir dann auch, sobald wir zuhause sind.
Nach ca. 1 Stunde im Backofen holen wir (zumindest mein) erstes, selbstgebackenes Brot aus dem Ofen und ich bin schon vom Anblick begeistert: endlich wieder "richtiges" Brot! :D
Als wir das später noch lauwarm mit Margarine (Butter gibt es nicht) essen, schmeckt es uns so gut, dass wir beschließen, jetzt öfters Brot zu backen :).


Anschließend geht es zur bailoterapia. Dort warten wir aber eine ganze Weile, weil heute der profe nicht da ist, wie wir später erfahren. Stattdessen zeigen uns diesmal ein paar Frauen, die regelmäßig da sind, die Schrittfolgen. Bis das aber so weit ist, vergeht locker eine halbe Stunde denn anfangs haben wir nur Licht, 10 Minuten später dann den USB Stick mit der Musik und nochmal später dann endlich auch eine Musikanlage :D.
Heute sind außerdem nur ca. 15 - 20 Leute da. Dafür tanzen heute ca. nochmal genau so viele Kinder (bestimmt alle jünger als 15 Jahre) mit, unter anderem auch Carla aus dem Instituto, die in meiner alten (= Jennys) Gruppe ist.

Zuhause essen wir nochmal ein Stückchen Brot, auf das ich mich schon wieder richtig gefreut habe :D.
Jetzt wollen Rahel und ich noch einen kleinen Spaziergang machen, dann wird noch geduscht und dann geht's auch schon ins Bett.

Bis dann y qué se vaya bien
Clara

Freitag, 2. Oktober 2015

Tag 33

Als ich heute Morgen die Türe abschließe, bemerke ich mal wieder, dass die Schlösser hier "falsch rum" aufgehen. Man dreht den Schlüssel zum Öffnen nicht, wie in Deutschland, vom Türrahmen weg, sondern zum Türrahmen hin. Da wir das aber inzwischen wissen, brauchen wir nicht mehr lange, bis alle Schlösser auf oder eben zu sind.
Im Instituto geht es heute mit den Kindern zur "panadería" (= Bäckerei). So lange der Hefeteig für das Brot geht, spiele ich mit den Kindern und versuche (mal wieder) nach Möglichkeit, alle im Blick zu behalten. Sobald der Teig bereit ist, formen wir mit den Kindern allerhand "Brötchen". Ich mache aus einer Teigkugel eine Brezel und erkläre Señor Luis, dass man das in Deutschland normalerweise aber mit einem anderen Teig macht. Er ist begeistert und ich forme ganz viele Brezeln :D. Im Gegenzug bringt Luis mir bei, wie er die Brötchen faltet, die er innerhalb von ca. 4 Sekunden aus den Teigkugeln formt.
Nach der Pause geht es mit den Kindern in die "aula hogar". Dort zeigt die Lehrerin, die primär hierfür zuständig ist, den Kindern wie man das Bett macht und führt sie durch die "Wohnung" während sie ihnen erklärt, welche Dinge man für welche Tätigkeiten benutzt.
Danach geht es auch schon zum Mittagessen. Ich kümmere mich heute um Eduarda, die zwar selbstständig essen kann, es aber immer wieder vergisst zu tun. Deshalb sitze ich also heute neben ihr und führe ihre Hand im Zehnsekundentakt zu ihrem Mund :D. Übrigens gibt es heute ein echtes Highlight beim Mittagessen: statt dem undefinierbaren Fleisch oder dem doch etwas seltsam schmeckenden Salat gibt es heute ein Spiegelei als Beilage zum Reis!! :D
Nach dem Mittagessen wird jedem Kind der Gruppe noch eine Tüte von unserem selbstgebackenen Brot in den Rucksack gesteckt und dann setze ich die Kinder auch schon in den Bus.
So langsam kenne ich die Abläufe in dieser Gruppe und ich bin schon weniger gestresst, wenn Luis mal wieder verschwindet ;).
Nachmittags gehen wir unsere Fahrräder reparieren und fahren dann in den Parque acuático. Da wir dort erst eine Stunde vor der Schließung ankommen, haben wir beinahe das ganze Schwimmbad, inklusive Whirlpool und Sauna, für uns :).
Gegen 17.15 Uhr fahren wir (endlich wieder mit den Fahrrädern) nach Hause.
Zum Abendessen gibt es heute Yuccatortilla mit gebratenen "chochos" und dazu Salat. Ich werde immer noch jedes Mal davon überzeugt, dass Yucca hier zu einem meiner Lieblingslebensmittel wird :).
Da ich aufgrund der frühen Dunkelheit hier jetzt schon wieder extrem müde bin, beende ich diesen Post jetzt mal und wünsche allen eine gute Nacht.
Hasta pronto
Clara

Donnerstag, 1. Oktober 2015

1. Monat - Rückblick & Zusammenfassung

Der erste Monat meines Abenteuers "Ecuador" ist jetzt vorbei. Es ist schon so viel passiert, dass es mir so vorkommt, als wäre ich schon viel länger hier. Ich habe schon so viele nette Menschen kennengelernt, so wunderschöne Orte gesehen und schon so viele Erfahrungen machen dürfen. Und ich bin (nicht zu vergessen!) auch schon vielen Sonderbarkeiten begegnet :D. Ich fühle mich hier inzwischen aber richtig wohl und habe schon jetzt das Gefühl, "ein zweites Zuhause" gefunden zu haben.
An alles, was mir hier zuerst "fremd" erschien, habe ich mich so langsam gewöhnt:

Daran, dass..

  • ... es (mit sehr wenigen Ausnahmen) täglich regnet, wodurch es dank Wellblechdach unmöglich ist, sich in normaler Lautstärke zu verständigen
  • ... es sehr schnell zwischen Extremwetterlagen (strömender Regen & strahlender Sonnenschein) wechseln kann - teilweise innerhalb von Minuten
  • ... dauerhaft Musik zu hören ist (sei es auch nur das Müllauto, das als Erkennungsmelodie immer das gleiche Lied in Dauerschleife abspielt)
  • ... man permanent Hundegebell hört - überall
  • ... das Toilettenpapier im Mülleimer entsorgt wird
  • ... die Sauberkeit teilweise nur beschränkt vorhanden ist
  • ... die Sonne schon gegen 18.15 Uhr untergeht, wodurch ich auch schon ziemlich früh müde werde
  • ... man manchmal unerwünschte Gäste im Apartment hat (Kakerlaken, Wanzen, Eidechsen)
  • ... unsere Fahrräder (die sicherlich nicht deutschen Sicherheitsstandards entsprechen) wirklich sehr klapprig sind
  • ... die Menschen im Gegensatz zu Deutschland hier so klein sind und kürzere Beine haben, weshalb zum Beispiel die Stuhlbeine kürzer sind, der Tisch daher höher erscheint
  • ... man hier in Puyo immer und überall auffällt
  • ... das Bett, wackelt, wenn ein großes Auto die Straße entlang fährt :D
  • ... man ständig angehupt, angequatscht oder einem hinterhergepfiffen wird
  • ... es einfach kein richtiges Brot, keinen richtigen Käse, keine richtige Butter und keine richtige Schokolade (sehr zu meinem Leidwesen) gibt
  • ... die Nächte kalt, die Tage in Puyo dafür sehr heiß sind
  • ... die Kinder des Institutos, einen, sobald man ankommt, gar nicht mehr loslassen wollen
  • ... man ständig das Gefühl hat, etwas essen zu können (2x Frühstück, Obstpause, 2x Mittagessen, Eis oder Kuchen zwischendurch, Abendessen, und "Mitternachtssnack" gehören zu unseren festen Mahlzeiten :D)
  • ... einen wirklich jeder sofort "mi hija" (= meine Tochter), "mi amor" (= meine Liebe) oder "mi reina" (= meine Königin) nennt
  • ... Ecuavolley überall auf den "canchas" gespielt wird
  • ... wenn man die Straße entlang schaut immer mindestens 1/3 der Autos Taxis sind
  • ... die Ecuadorianer, sehr körperkontaktfreudig sind, dafür Pünktlichkeit und Ordnung nicht so genau nehmen
  • ... meine Beine einfach immer mit Stichen (zum Glück nicht so regelmäßig), blauen Flecken und / oder Kratzern übersät sind (woher die auch immer kommen :D)
  • ... Reis der obligatorische Hauptbestandteil des Mittagessen im Instituto ist
  • ... überall "pollos" (= Hühnchen) in verschiedenen Formen (lebendig, gegrillt, gebraten, paniert, als Halbes, Ganzes oder Viertel) angeboten werden; außerdem laufen sie auch oftmals frei herum
  • ... Yucca und Kochbananen (*_*) oftmals Bestandteil des Essens sind
  • ... man ausschließlich Spanisch hört, was ich aber immer besser verstehe und inzwischen selbst schon ein klein wenig besser sprechen kann
  • ... ich hier die Einstellung bekommen habe, einfach zu machen statt nur darüber nachzudenken
  • ... der Verkehr für mich immer noch chaotisch zu sein scheint
  • ... die Buslinien undurchschaubar erscheinen
  • ... die Sicherheitsvorkehrungen sehr erhöht sind (um in unser Apartment zu kommen müssen wir 6 Schlösser aufschließen + die Alarmanlage mit einem Code ausschalten, und das Ausschalten mit einem weiteren Code telefonisch bestätigen) 
  • ... die Lebensfreude der Menschen sich auf einen überträgt :)
  • ... eben nicht immer alles so funktioniert, wie es soll, es aber immer eine Lösung gibt
  • ... man manchmal nicht genau weiß, was man isst :D
  • ... Münzen hier so viel praktischer sind als Scheine (zum Teil sind in den Kassen mancher Läden nur Münzen vorhanden, weshalb man einen Berg von Wechselgeld bekommt, wenn man mit größeren Scheinen zahlt)
  • ... es oft an Brot, was wir am Anfang der Woche immer deutlich zu wenig kaufen und Wasser, teils Trinkwasser, teils Leitungswasser, fehlt 
  • ... Höflichkeit vor Ehrlichkeit geht, weshalb man schon öfters mal eine falsche Auskunft / Wegbeschreibung bekommt, da dies "besser" ist, als nichts zu sagen :D
  • ... anschnallen überbewertet wird
  • ... ich jedes Mal so lange an der Wäsche rieche, bis ich mir einbilden kann, dass sie frisch riecht
  • ... man täglich kalt duscht, was inzwischen aber nach der Hitze des Tages schon fast angenehm ist
  • ... hier alles so unkompliziert zu sein scheint :)
Ich hoffe, diese Stichpunkte können einen kleinen Einblick in meine bisherigen Erlebnisse / Erfahrungen geben :).
Saludos desde Ecuador
Clara

Tag 32

Zu gestern muss ich noch zwei Dinge hinzufügen:
1. gab es gestern "yucca frita" (= frittierte Yucca) mit selbstgemachter Guacamole und einer Tomatensalsa zu essen *_*
2. haben wir uns noch 2 Avocados gekauft, diese zerdrückt, mit Olivenöl gemischt und uns das Ganze auf den Kopf geschmiert. Das soll anscheinend gut für die Haare sein :D. Mal sehen, ob es was bringt :D. Auf jeden Fall saßen wir dann gestern noch ca. 2,5 Stunden mit Plastiktüten (die wir zum Schutz um den Kopf gebunden haben) auf dem Kopf in unserem Apartment rum und haben Spanisch gelernt :D.

Heute im Schulbus hat man mal wieder gemerkt, dass jeder, der mit will, auch mitkommen kann und dann halt irgendwann wieder aussteigt :D. Die zwei Zusatzpassagiere, die wir heute mitnehmen, setzen wir beim Krankenhaus wieder ab.
Nach dem Frühstück und dem Zähneputzen mit Luis' Gruppe, bastel ich mit den Kindern weiter an der Flagge, die wir schon gestern angefangen haben.
Die Pause verbringe ich damit, die 7 Kinder der Gruppe zusammenzuhalten, was gar nicht so leicht ist, da sie oft gleichzeitig in alle Himmelsrichtungen laufen :D.
Als die Pause zu Ende ist, treffen wir uns wieder mit Luis vor dem Klassenzimmer. Er meint, dass es schon nach "Party" riecht ("huele a fiesta") und als wir die Tür öffnen, kommen wir in ein Zimmer, in dem Luftballons auf dem Boden verteilt sind und neben allerhand Süßigkeiten auch eine Torte auf dem Tisch steht. Das alles hat die Mutter von Matías vorbereitet, der heute Geburtstag hat. Während wir am Tisch sitzen, Geburtstagstorte und andere Leckereien essen, erfahre ich von Luis, dass die Kinder alle zwischen 8 und 9 Jahre alt sind. Es gibt nur eine Ausnahme: Johel, das Nesthäkchen der Gruppe mit nur 5 Jahren.
Vor dem Mittagessen schickt Luis mich mit den Kindern noch auf den Spielplatz um mit den Luftballons zu spielen. Ich warte eigentlich darauf, dass er nachkommt, denn mit dem kleinen Ameisenhaufen alleine gelassen zu werden ist relativ stressig. Allerdings kommt Luis, der inzwischen seine Empanadas vespert, erst 10 Minuten bevor wir wieder gehen :D.
Während die Kinder vor dem Mittagessen ihre Hände waschen, kommt von hinten ein kleiner Junge mit einem Wassereimer angerast, den er Señor Luis über die Hose schüttet. Da Luis mit seinem nun nassen Hintern und ich, die (wie Luis zum Glück auch) lachen muss, nicht wirklich seriös wirken, hat unsere Ansprache, dass man das nicht macht wohl wenig Wirkung :D.
Beim Mittagessen schmeißt uns Johel heute die Suppe durch die Gegend, die er, wie auch Abigail, einfach nicht essen möchte.
Nach dem Mittagessen und dem 2. Mal Zähneputzen, schauen Luis und ich noch, dass die Kinder alles mitnehmen und sind dann froh, als alle dann (mehr oder weniger sauber) im Bus sitzen.
Nach dem Instituto erledigen Rahel und ich noch ein paar Dinge im Zentrum, gehen dann nach Hause und machen Popcorn, erledigen noch ein paar weitere Dinge und gehen dann noch zur bailoterapia. Dort beobachten wir, bevor es losgeht, ein paar Kinder, die zwischen den Wasserflaschen oder Schlüsseln, die als Platzreservierung dienen, Fußball spielen. Erstaunlicherweise schießen sie diese "Platzreservierungen" nur selten um :D. Unsere Aufmerksamkeit wird außerdem auf einen älteren Herrn mit Stirnband und Crocs an den Füßen gelenkt, der in der "cancha" seine Aufwärmübungen macht. Er hopst durch die Gegend oder dehnt sich, alles in einem sehr dynamischen Ablauf :D.
Da diesem Post heute noch ein Zweiter folgen wird, beende ich diesen Tagesbericht jetzt mal.
Bis bald (oder gleich ;))
Clara