El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Freitag, 13. November 2015

Tag 75

Wahlen.
Die größte Wahl am heutigen Tage bestimmt den gesamten Schultag. Heute findet nämlich die Wahl zum "consejo estudiantil" (= Schülerrat) statt. Diese Veranstaltung ist sehr offiziell, wovon ich etwas überrascht bin. Um 9 Uhr klingelt die Schulglocke und alle versammeln sich auf dem Schulhof. Unter dem Dach unter dem normalerweise die Schulbusse stehen ist ein Rednerpult aufgebaut, das von den Flaggen von Ecuador, von Pastaza und einem Banner des "CNE - consejo nacional electoral" (= Aufsichtsrat der nationalen Wahlen) flankiert wird.


Schüler, Lehrer und Eltern sitzen auf Bänken und Stufen um den Pausenhof. Weitere wichtige Personen sitzen auf Stühlen unter dem Dach. Vertreter des CNE und der Polizei laufen umher, die Presse interviewt und die vier Wahltische werden vorbereitet. Es gibt zwei Wahltische für die Jungs und zwei für die Mädchen. Ein Wahltisch besteht aus jeweils zwei Lehrern, zwei assistierenden Schülern, einem Polizist und natürlich den Unterlagen. Auch die Unterlagen sind hochoffiziell. Zuerst gehe ich mit den Kindern zum Infotisch, bei dem gesagt wird, zu welchem Wahltisch das Kind gehen muss. Beim Wahltisch angekommen bekommt das Kind einen Stimmzettel in die Hand und geht in eine Wahlkabine. Nachdem der Stimmzettel in der Wahlurne verschwunden ist, müssen die Kinder unterschreiben bzw. ihren Fingerabdruck hinterlassen und bekommen eine Bestätigung, dass sie gewählt haben. Dieses Prozedere dauert bis ca. 10.30 Uhr. Danach singt Karen (die den Wettbewerb der blinden Sänger gewonnen hat) ein paar Lieder und weitere Lieder werden per CD abgespielt. Wie immer hält es hier keinen lange auf den Stühlen und bald fordern die Kinder ungehemmt auch die eingeladenen Gäste auf und unter dem Dach entsteht eine Tanzfläche. Als ich anfangen möchte, zu filmen, kommt Matías auf mich zugerannt und zerrt auch mich auf die Tanzfläche.
Gegen 11 Uhr wird in der großen aula das Ergebnis bekannt gegeben. Tatsächlich hat "lista 2" gewonnen.
Mein heutiger Arbeitstag bestand heute also aus: frühstücken, mit den Kindern wählen gehen, tanzen, mit den Kinder spielen und kuscheln und Mittag essen :D.
Beim Mittagessen hält mich Miriam, die Köchin, an und fragt mich, wann wir "den Apfelkuchen backen, von dem Ruth ihr erzählt hat". Ich habe jetzt also die Qual der Wahl mit wem ich als erstes Kuchen backe (Miriam, Marie-Elena oder Luis) ;).
Zuhause backen wir Brot. Nicht wie die anderen Male, in denen es ein Hefeteig war, fiel unsere Wahl diesmal auf einen Sauerteig, den wir schon die Woche über vorbereitet haben.
Als es um die Abendplanung geht und Serie schauen und bailoterapia zur Wahl stehen, entscheiden wir uns für die bailoterapia.
Ab morgen bin ich bei dem "Weltwärtstag" in Quito. Das ist ein Seminar auf dem Rahel und ich die anderen "Weltwärtsfreiwilligen" in Ecuador kennenlernen. Da ich nicht weiß, wie es dort um das Internet steht verabschiede ich mich jetzt vorerst mal bis Sonntag.
Allerliebste Grüße, eure
Clara

Donnerstag, 12. November 2015

Tag 74

Zwischen Pflicht und Vergnügen.
Im Instituto sind heute nur sechs Kinder unserer Gruppe da, weshalb Luis und ich endlich mal Zeit haben, die weitere Unterrichtsplanung für das Jahr zu machen. Wir entwickeln einen Stundenplan, bei dem die Kinder nach Möglichkeit dauernd beschäftigt sind (das war bisher aufgrund der neuen Gruppenzusammenstellung dieses Jahr immer etwas schwierig, da sowohl ich als auch Luis die Kinder noch zu wenig kannten). Als Rita später zwei der Kinder noch mit zur Sprachtherapie nimmt, bleiben uns nur noch vier und Luis beschließt, dass wir doch Kekse backen könnten. Während er einkaufen ist, bereite ich schon mal den Rest vor. Als er zurück kommt, fange ich an, den Teig zusammenzurühren. Nach und nach füllt sich die aula mit neugierigen Augenpaaren (von Müttern, Schülern und Lehrern), die mir auf die Hände schauen. Auch Alexandra (die Lehrerin von neben an) gesellt sich zu uns und macht espumilla de guayabas (das ist dieses Zeugs, das aus Puderzucker, Früchtpüree (heute: "guayaba" = Guave) und Eiweiß besteht). Die kleine Versammlung in unserer aula ist eine nette Abwechslung im Schulalltag.
Nach der Pause warten wir in der panadería bis die Kekse fertig sind. Ich finde es schön, wenn ich das, was ich gerne mache mit meiner Arbeit hier verbinden kann :).
Da es hier wohl normal ist, dass sich die Frauen ihre Nägel in den wildesten Farben und Mustern anmalen lassen, haben Rahel und ich beschlossen, dass ein Besuch bei einem ecuadorianischen Nagelstudio auf jeden Fall einmal Pflicht ist :D. Deshalb treffen wir uns nach der Schule mit Ruth, die uns mit zu "ihrer" Nageldesignerin nimmt. Als wir die Auswahl an "Modellen" sehen, kann ich mir nur schwer das Lachen verkneifen, denn 90% der Vorlagen stufe ich unter "sehr kitschig" und "viel zu viel" ein ;). Ruth zeigt mir, welche Modelle sie schon ausprobiert hat und freut sich darüber, dass es jetzt auch wieder die "Weihnachtsnägel" gibt :D. Ich entscheide mich aber doch eher für etwas Schlichtes und genieße es, dass ich einmal nicht das Problem habe, mir mit links die Nägel lackieren zu müssen.
Als eine weitere Kundin und Paulina ebenfalls das Studio betreten, entwickelt sich alles zu einer Klatsch- und Tratschrunde und wir verlassen das Studio erst wieder drei Stunden später - frisch lackiert versteht sich ;).
Saludos desde Puyo
Clara

Mittwoch, 11. November 2015

Tag 73

Zweite Male.
Trotz dass wir heute frei haben, stehen wir relativ früh auf um uns zum zweiten Mal einen "desfile" (= Umzug) anzuschauen. Dieser ist heute anlässlich dem Abschluss der Feste von Pastaza. Genau heute vor 56 Jahren wurde Pastaza nämlich provinzialisiert.
Der Umzug beginnt mit wichtigen Personen Pastazas. Darunter auch Estefany als neue "Reina de Pastaza". Danach folgen Gruppen, denen jeweils 2 Leute mit einem Banner, auf dem der Name der Gruppe steht, vorausgehen. Heute laufen Schulen und Unternehmen sowie Polizei und Feuerwehr Pastazas mit. Leider ist dieser Umzug nicht ganz so interessant, da diesmal nicht, wie letztes Mal, jede Menge Tänzer und Musiker dabei sind. Was ich aber durchaus sehenswert finde ist, dass jede Schule etwas einstudiert hat. Die Schüler der Abschlussklassen begleiten den Umzug jeweils (alle uniform mit Schulkleidung) mit Glockenspielen und Trommeln. Dabei haben die Mädchen, die vor den Jungs laufen die Glockenspiele in der Hand und machen dazu ein paar Tanzschritte. Dahinter folgen die Jungs mit den Trommeln. Bei großen Schulen gibt es danach außerdem noch eine Menge Schüler, die im Gleichschritt den Anderen folgen. Die Synchronität in der die Schüler die Instrumente erklingen lassen und im Gleichschritt geordnet hinter einander her laufen finde ich sehr beeindruckend.
Nach einer Weile habe ich dann aber doch genug davon und wir kämpfen uns durch die Menge aus dem Zentrum und nach Hause. Dort machen wir zum zweiten Mal Pizza. Da wir aus unseren Fehlern letztes Mal gelernt haben, kann sich diese Pizza echt sehen lassen und schmecken tut sie auch.
Um 17 Uhr treffen wir uns mit David und José im Zentrum. Zum zweiten Mal fährt uns der Bus direkt vor der Nase weg :(.
Mit den Jungs fahren wir zum Stadion, vor dem heute schon ab 15 Uhr ein gratis Open Air Konzert auf einer großen Bühne stattfindet. Verschiedene Bands, DJs und Sänger treten auf. Jedoch warten alle auf das eigentliche Highlight am Abend: Nicky Jam (ein Sänger, der auch in Deutschland bekannt ist).
Als wir ankommen ist es schon richtig voll (ich wusste gar nicht, wie viele Menschen in Puyo rein passen :D) und da ich die Aussicht, jetzt mehrere Stunden in der riesigen Menschenmenge warten zu müssen nicht sehr verlockend finde, gehen wir noch etwas essen und genießen noch ein bisschen die Leere im Parque 12 de Mayo.
Als wir zum zweiten Mal am Stadion sind (so gegen 19.20 Uhr) ist es nochmal wesentlich voller. Wir finden einen Platz ziemlich am Rand außerhalb der Menschenmenge von wo aus wir zwar nicht so viel sehen aber gut hören.
Durch die Menschenmenge schlängeln sich Verkäufer, die Süßwaren, Getränke, Nicky-Jam-Fanartikel oder Hocker anbieten. Tatsächlich kaufen auch wir für 2 Dollar zwei Mal einen dieser Plastikhocker, der tatsächlich gold wert ist :D. Nach langem Warten taucht Nicky Jam um 23 Uhr endlich auf.
Ein bisschen in der Latino-Musik angekommen kennen Rahel und ich fast alle Lieder, die während der knappen Stunde in der Nicky Jam auftritt, gespielt werden.
Wenn wir auf den Plastikhockern stehen, haben wir einen guten Blick auf die Bühne auf der wir (zwar nur ziemlich klein aber immerhin) Nicky Jam und seine Backgroundtänzer herumhüpfen sehen. Auf den Leinwänden links und rechts der Bühne sehen wir ihn dann aber auch in groß. Das Konzert gefällt mir insgesamt sehr gut. Die Licht- und Showeffekte sind wirklich gut und auch der Ton ist (anders als bei dem Wettbewerb der blinden Sänger) besser. Schade finde ich es allerdings, dass er nur eine knappe Stunde spielt und wir dafür so lange warten mussten.



Nachdem wir lange genug gewartet haben bis sich die Menschenmenge etwas aufgelöst hat, streben auch wir den Ausgang an. Dort treffen wir Miriam, deren Tasche geklaut wurde. Zum Glück ist das erst das erste Mal, dass uns sowas hier passiert. Es waren glücklicherweise auch nicht viele Wertsachen in der Tasche, weshalb der Verlust verschmerzbar ist.
Ziemlich müde falle ich gegen ein Uhr ins Bett.
Bis morgen, eure
Clara

Dienstag, 10. November 2015

Tag 72

Lachen und Weinen. 
Das erste, was heute zu dieser Überschrift passt ist das Wetter. Als wir heute Morgen das Haus verlassen weinen die Wolken, aber sobald wir das Instituo wieder verlassen lacht uns die Sonne an. Im Laufe des Tages wiederholt sich das noch öfters.
Im Instituto bescheren uns heute zwei Clowns viele lachende Kinder. 



Die Show spielt auf den Wahlkampf an, der gerade zwischen "Lista 1" und "Lista 2" herrscht. Es wird nämlich am Mittwoch eine Schülervertretung gewählt. Dazu gibt es zwei Listen ("Lista 1" und "Lista 2") an deren Spitze jeweils ein "Schülerpräsident" steht. Es gibt pro Liste außerdem verschiedene andere Ämter wie z.B. Sekretär oder Vizepräsident. Seit ein paar Wochen versucht jede Liste, die Schüler für sich zu gewinnen. Dabei wird zu Geschenken (wie z.B. Anstecker der jeweiligen Liste oder Bonbons) oder Spruchgesängen, die über das Schulgelände schallen ("vota lista 1 / 2" = "wählt Liste 1 / 2), gegriffen.
Weinende Kinder gibt es heute leider auch. Am Freitag wurden die Kinder mal wieder geimpft. Da aber nicht alle da waren, wird heute der Rest geimpft, was zum Teil übles Geschrei verursacht.
Das übliche Lachen, wenn man mit den Kindern spielt und das übliche Weinen im Speisesaal, wenn sich ein Kind mal wieder gegen das Essen sträubt oder wenn bei einem Streit mal wieder mehr als nur Wörter zum Einsatz kommen, bekomme ich natürlich auch heute zu hören.
Gegen Abend machen wir uns auf den Weg ins Zentrum, wo wir im Rahmen der Feste von Pastaza eine Veranstaltung zu traditionellen Folkloretänzen besuchen.
Bevor wir uns in die Halle begeben machen wir noch Halt um etwas zu Abend zu essen. Wir setzen uns an einen Tisch in einem Imbiss und was mich zum Schmunzeln bringt ist, dass es dort einfach aussieht als hätte jemand seine Küche aus dem Haus auf die Straße verlagert und noch ein paar Tische und Stühle dazu gestellt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass erstmal eine Pfanne gesucht werden muss und die Zutaten im Kühlschrank kontrolliert werden müssen bevor man uns sagen kann, was es gibt. Mit einem Wrap im Bauch und einem Quimbolito (= in einem bestimmten Blatt gebackener Kuchen aus Maismehl, Butter, Eiern und Trauben) und einer Humita (= in Maisblättern gedünstete Masse aus Mais, Eiern, Zwiebeln und Gewürzen) in der Tasche gehen wir zur Veranstaltung.
Diese sollte eigentlich um 19 Uhr anfangen aber als wir um 19.30 Uhr in der Halle ankommen tut sich noch gar nichts. Um 19.40 Uhr fängt man dann mal an, den Tanzboden zu verlegen und um 20 Uhr geht es dann tatsächlich los.
Ein Moderator führt durch's Programm und es präsentieren sich verschiedene Tanzgruppen in den buntesten Kostümen.



Der Großteil der Gruppen gefällt mir sehr gut aber nach 3 Stunden bin ich dann doch etwas erschlagen und meinen Rücken höre ich vom Sitzen auf den Stufen der Steintribüne auch schon weinen.
Somit machen wir uns auf den Weg nach Hause, wo wir später mit dem Wissen ins Bett fallen, dass wir morgen frei haben! :)
Hasta luego
Clara

Montag, 9. November 2015

Tag 71

Ergänzungen zu gestern:
First things first: Karin hat den Wettbewerb gestern tatsächlich gewonnen!! :)
Außerdem habe ich erfahren, dass die Wettbewerbsbedingungen leider nicht für jeden gleich waren. Pro verbesserte Tonspur mussten wohl 25$ gezahlt werden. Das ist zwar ein bisschen schade, da so nicht jeder die gleichen Chancen hatte, allerdings muss man sagen, dass der Ton letztendlich bei keinem Kandidaten wirklich gut war.

Warten, warten, warten.
Zuerst warten wir heute darauf, dass der Handwerker, der bei uns im Vorgarten arbeitet, fertig wird. Was genau "fertig" bedeutet habe ich aber noch nicht verstanden ;).
Als nächstes warte ich heute vor dem Backofen bis ich endlich das Ergebnis meiner wöchentlichen Backaktion in Empfang nehmen kann: Brownies :).



Während dem Warten auf die Brownies, sehe ich aus dem Augenwinkel das "Wasserauto" vorbei fahren. Da wir auf den "Wassermann" auch schon länger warten und unser Trinkwasser inzwischen schon wieder knapp geworden ist, stürme ich in unser Apartment um den Hausschlüssel zu holen (ich komme ohne Schlüssel nämlich nicht aus der Tür). Wenige Sekunden später renne ich dem "Wasserauto" hinterher, das zum Glück nicht weit von uns angehalten hat.
Mit frischem Trinkwasser und frisch gebackenen Brownies genießen wir den Sonntag :).

¡Cuídense mucho!
Clara

Sonntag, 8. November 2015

Tag 70

Vom Fühlen, Schmecken, Sehen, Riechen und Hören.
Zum Fühlen: heute Morgen bin ich vor Rahel wach und da sie gegen 11.30 Uhr immer noch nicht aufgestanden ist, wecke ich sie indem ich sie am Arm berühre. Sie wird zwar wach, erschreckt sich aber tierisch, da sie wohl heute Nacht Kakerlakenbesuch in ihrem Bett hatte und dachte, ich wäre ebenfalls eine Kakerlake ;).
Zum Schmecken: nachdem wir unseren Wocheneinkauf getätigt haben, machen wir Mittagessen: Yucca-Tortilla mit Salat. Der Salat besteht heute aus Blattsalat, Avocado, Erdbeeren und Trauben. In dieser Konstellation habe ich noch nie einen Salat gegessen, allerdings schmeckt es mir in Verbindung mit der Joghrtsoße ziemlich gut.
Zum Sehen (oder Nicht-Sehen): um 19.30 Uhr machen wir auf den Weg ins Zentrum. Da die Feste von Pastaza noch bis Dienstag andauern, finden in diesem Rahmen noch zahlreiche Veranstaltungen statt. Heute ist ein Gesangswettbewerb. Die Besonderheit dabei ist, dass die Kandidaten alle blind sind. Für Pastaza tritt eine Schülerin von Ruth, Karin, an, die wir natürlich kräftig anfeuern. Auch das Publikum besteht aus zahlreichen Blinden von denen Ruth einen Großteil mal unterrichtet hat.
Zum Riechen: im Publikum sitzend warten wir auf Paulina, Ruths Freundin, die später gefolgt von ihrer Parfümwolke zu uns stößt.
Zum Hören: insgesamt sind es bei dem Wettbewerb 11 Kandidaten. 6 davon kommen in die 2., 4 weitere dann in die 3. Runde. Bis zur zweiten Runde verfolgen wir den Wettbewerb, danach sind wir so müde, dass wir nach Hause gehen, Somit wissen wir nicht, wer gewonnen hat, ich werde das aber noch rausfinden ;). (Karin hat es übrigens auf jeden Fall in die zweite Runde geschafft). Die Stimmen der Kandidaten sind sehr schön, schade ist es jedoch, dass der Ton unglaublich schlecht ist und die Musik die Stimme nicht selten übertönt. Deswegen klingeln mir auch ein wenig die Ohren als wir die Halle verlassen.


Karins Auftritt :)
(ich entschuldige mal wieder die Qualität)
  
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!
Clara

Samstag, 7. November 2015

Tag 69

Ewigkeiten.
Das Instituto beginnt heute nicht, wie gewohnt, mit dem Frühstück, sondern mit einem Gottesdienst. Soweit ich das verstanden habe, ist dieser anlässlich des morgigen Todestages des früheren Rektors. Während ich damit beschäftigt bin, den Kindern alle paar Sekunden zu sagen, dass sie leise sein sollen, erzählt der Pastor den versammelten Gruppen des Institutos von der Ewigkeit, indem er meint, dass unsere Taten hier und jetzt unser Leben nach dem Tod beeinflussen. Außerdem zitiert er mehrere Stellen aus der Bibel, spricht mit den Anwesenden ein Gebet und bittet Gott um ein "milagro" (= Wunder) für die Kinder unseres Institutos. Die allgemeine Unruhe im Saal (produziert durch Stuhlgeklapper und Kinderschreie) legt sich etwas, als Lucía (die Vizerektorin) ein Lied abspielen lässt, in das fast alle mit einstimmen. Der Text wird an eine Leinwand produziert aber mir kommt es so vor, als kenne sowieso jeder dieses Lied. Es ist schön, die vielen verschiedenen Stimmen - Schüler, Lehrer, Eltern - zu hören, die zusammen im Raum erklingen.
Beim Frühstück sitze ich eine Ewigkeit mit Carlos im comedor bis er sein Brötchen gegessen hat. Neuerdings isst er nämlich das Brötchen, jedoch nur das "Weiße", weshalb es ein wenig dauert, bis er alles herausgepult hat.
In der Pause unterhalte ich mich mit Luis und während wir das Wort "pobre" (= arm) versuchen zu definieren und über die Unterschiede von Deutschland und Ecuador sprechen, bin ich froh, dass es keine Ewigkeit mehr dauert bis mir die passenden spanischen Worte einfallen ;). Für Luis ist jemand übrigens "arm", wenn er wenig Wissen hat, der finanzielle Aspekt scheint ihm nicht so wichtig zu sein. Allgemein habe ich das Gefühl, dass hier viel weniger über Geld nachgedacht oder geredet wird. Mir kommt es so vor, als seien die Menschen mit dem zufrieden, was sie haben und auf irgendeine Weise ist schließlich jeder reich. Sei es reich an Lebensfreude oder reich an Geld. Natürlich will ich damit nicht behaupten, dass der finanzielle Aspekt hier unwichtig sei, jedoch hat er hier vielleicht auch einfach nicht so einen hohen Stellenwert wie zum Beispiel in Deutschland.
Um 16.30 Uhr mache ich mich mit Ruth und Miriam auf den Weg zu einem weiteren Fest anlässlich der Feste von Pastaza. Wir nehmen ein Taxi und als der Taxifahrer (der meint, dass wir ihn nicht verstehen) Ruth über uns ausfragt und etwas unangebrachte Sprüche macht, bin ich froh, dass die Taxifahrt keine Ewigkeit dauert.
Das Fest ist mehr eine Ausstellung, bei der verschiedene Produkte und Dienstleistungen Pastazas gezeigt werden. Neben Ständen mit Nahrungsmitteln, Blumen, Tieren und Kunsthandwerk befindet sich dort auch eine Physiotherapeutin, die eine kostenlose Massage anbietet. Solange sie meinen verspannten Rücken (vom vielen Bücken im Instituto) massiert, wünsche ich mir, dass sie ewig weiter macht. Ruth findet heraus, dass sie diese Massagen normalerweise nicht weit vom Zentrum für nur 3 Dollar pro Dreiviertelstunde anbietet und wir beschließen, dort auf jeden Fall mal hinzugehen!
Nachdem wir viel über die einzelnen Stände erfahren und viele Geschenke (darunter "panela" (gekochtes und getrocknetes Zuckerrohr; soll gut für den Energiehaushalt sein, wenn man es mit Wasser mischt und dann trinkt), "papachina" Chips (eine bestimmte Sorte Kartoffelchips), Maracujacreme mit Schokolade und mehrere Prospekte) eingesammelt haben, verlasse ich das Fest und treffe David.
Wir gehen "salchipapas" (eine Mischung der Wörter "salsicha" (= Wurst) und "papas" (= Kartoffeln bzw. hier: Pommes)) essen, hören eine Weile einem Konzert zu und gehen in verschiedene (Tanz-)Bars, in denen beinahe jede Altersgeneration Seite an Seite die Hüften schwingt. Dazwischen fragt er immer wieder nach deutschen Begriffen für verschiedene Dinge aber so, wie sich das bis jetzt anhört, kann es noch eine Ewigkeit dauern bis er diese Begriffe richtig ausspricht. Manchmal wundert es mich doch, wie schwer es Anderen fällt, Wörter, Silben oder Buchstaben auszusprechen, die mir mühelos über die Lippen gehen ;). Zum Beispiel habe ich bisher niemanden hier getroffen, der ein "r" aussprechen konnte, ohne dieses zu "rollen". Das ist der Grund, warum die meisten Leute es hier sehr witzig finden, wenn ich meinen Namen ohne "rollendes r" ausspreche ;).
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, eure
Clara