El Río Pastaza

El Río Pastaza
Become friends with people who aren't your age. Hangout with people whose first language isn't the same as yours. Get to know someone who doesn't come from your social class. This is how you can see the world. This is how you grow. - Unknown

Samstag, 4. Juni 2016

Tag 277

Día del niño.
Nach dem Frühstück versammeln sich heute alle auf dem Pausenhof.
Die Koordinatoren des diesjährigen Indoor - Fußballturniers anlässlich des "Tag des Kindes" bemühen sich darum, Ordnung in das Gewusel zu bringen und die Kinder in ihre Mannschaften einzuteilen.


Jede Mannschaft hat ein Plakat auf dem der Gruppenname steht. Neben dem Plakatträger läuft jeweils ein Mädchen der jeweiligen Mannschaft voraus, das heute besonders hübsch gemacht wurde. Sie ist die sogenannte "madrina" und soll die Gruppe während dem Turnier unterstützen. Bei der Suche nach der genauen Definition einer "madrina" konnte ich leider nicht viel finden. Lediglich, die Frage nach dem Kleid scheint das Internet zu beschäftigen :D. Begleitet wird der Umzug, der genau ein halbes Mal um die Schule führt, von einer Blaskapelle, die voraus marschiert.



"madrinas"


Nach und nach treten die Mannschaften gegeneinander an. Manche der Kinder sind sehr motiviert, andere bewegen sich nicht einen Zentimeter vom Fleck und wieder Andere verstehen den Sinn des Spiels nicht :D. Allgemein ist es sehr lustig. Mal amüsiere ich mich über die kleinen Stöpsel, denen das Hemdchen zur Markierung der Mannschaft bis zu den Schuhen reicht und mal über Raquel, eine der Physiotherapeutinnen, die mit ihrer unverkennbaren Stimme voller Temperament besonders die Kinder anfeuert, die wie angewurzelt auf der Stelle stehen bleiben.




Maximino, einer der Koordinatoren, brüllt wie ein Fußballmoderator in sein Mikrofon und erfüllt somit die ganze cancha mit seiner Stimme.

Eduardas Lieblingsplatz: mein Oberschenkel :D

Kaum sind alle Partien beendet, sorgt die Nationalpolizei für Abwechslung im Programm. Nach einer Show mit den trainierten Polizeihunden gibt es noch ein kleines Theaterstück mit Handpuppen. Beides sehe ich nicht zum ersten Mal und ich bin froh, als das Puppentheater beendet ist, denn eine der Puppen "spricht" jedes Mal mit einer Stimme, die meinem Trommelfell gehörig zusetzt.



Abschließend gibt es (natürlich) etwas zu essen und ich bin damit beschäftigt, den klebrigen Kuchen in Eduardas Mund zu verstauen.


Liebste Grüße in die Heimat, eure
Clara

Freitag, 3. Juni 2016

Tag 276

Da waren's nur noch zwei.
Aufstehen, Rahel begrüßen, fertig machen, Miriam begrüßen, frühstücken. So fing bei mir in den letzten 9 Monaten bis auf ein paar Einzelfälle jeder Morgen an. Als ich heute Morgen für nur zwei Personen den Frühstückstisch decke, habe ich das Gefühl, es fehlt etwas.
Im Instituto ist heute Luis an der Reihe, seine "Lehrerprüfung" abzulegen, weshalb ich zusammen mit einer anderen Lehrerin die Gruppe leite.
Auch beim Mittagessen wird Miriams Fehlen spürbar.
Den Tag verbringe ich größtenteils in der Hängematte vor Miriams beziehungsweise auch meinem alten Zimmer, das nun wieder leer steht.
Der einzige Vorteil, dass Miriam weg ist, so meint Rahel später, ist, dass wir auch dienstags unsere Wäsche waschen können, was bisher immer Miriams Waschtag war :D.
Ach ja: gegen Nachmittag haben wir die Nachricht bekommen, Miriam sei gut zuhause angekommen. Es habe wohl alles super geklappt! :)
Saludos desde Ecuador,
Clara

Tag 275

Abschied von Miriam.
Da sich Miriam wünscht, noch ein letztes Mal typisch ecuadorianisch frühstücken zu gehen, stellt tigrillo (Kochbanane, Ei, Zwiebeln und Käse) unser heutiges Frühstück dar.
Danach dreht sich alles um die Frage "gehen die Koffer zu oder nicht?". Glücklicherweise schaffen wir es mit vereinten Kräften alle Reißverschlüsse zu schließen! :D
Wir fahren zum Flughafen, wo Miriam sogleich ihr Gepäck aufgibt. Irgendwie bekomme ich ein merkwürdiges Gefühl dabei, wenn ich darüber nachdenke, dass in nicht einmal 3 Monaten ich an Miriams Stelle stehe und auf meinem Boarding Pass "Frankfurt Flughafen" steht.
Der tränenreiche Abschied endet mit dem Versprechen, in Deutschland auf jeden Fall eine Reunion anzustreben.
Positiv überrascht werden wir "Zurückgebliebenen" von der Tatsache, dass es einen Direktbus vom Flughafen zu Quitos südlichstem Terminal gibt, das wir zwei Stunden später erreichen.
Auf der fünfstündigen Busfahrt von Quito nach Puyo werden drei Filme abgespielt, was ein neuer Rekord ist :D. Während einer kurzen Pause zwischen den Filmen erheben sich zwei Fahrgäste, die mit einer Flöte und einer Ukulele "El Condor pasa" (das wohl bekannteste Lied Perus) zum Besten geben.
Obwohl wir erst gegen 21 Uhr Ambato erreichen, ist auf die Bananenbrotverkäufer Verlass, die an dieser Stelle immer in den Bus steigen. Da wir noch nichts zu Abend gegessen haben, sind wir dankbar um das warme, süße Stück Kuchen.
Zwei Stunden später erreichen wir Puyo und fallen nach diesem emotionalen Tag schon bald müde ins Bett.
Liebe Grüße aus Puyo sendet
Clara

Tag 274

Miriams letzter Tag in Ecuador.
Obwohl selbst in Quito die Bars und Diskos nur bis 2.30 Uhr geöffnet haben, schlafen wir heute lange aus, machen uns dann gemütlich fertig und verlassen dann das Haus. Bei einem Bäcker, der sogar eine Backware verkauft, die deutschem Vollkornbrot ähnelt (!!!) und der erstaunlicherweise sehr billig ist, holen wir uns unser Frühstück, das wir an einer Bushaltestelle einnehmen :D.
Da Miriam noch ein paar Mitbringsel kaufen möchte, gehen wir zum Mercado artesanal von dem ich mich sogar noch an den Straßennamen erinnern kann.
Von den vielen bunten Farben und Mustern, den zahlreichen Touristen und den Händlern, die alle die gleichen Dinge anpreisen, werden wir müde und gehen im historischen Zentrum Mittagessen. Ecuadorianisch logischerweise! :)
Leider werden unsere Pläne, danach in einen Höhenpark zu gehen, von dem plötzlich aufkommenden Gewitter durchkreuzt.
Nach einer kurzen Lagebesprechung beschließen wir uns, in eine große Shoppingmall zu fahren, in der auch ein Kino zu finden ist. Wir entscheiden uns für Alice im Wunderland 2. Bis der Film beginnt drehen wir noch eine Runde durch das Einkaufszentrum, schauen bei einer Breakdance Show zu und essen ein etwas ungewöhnliches Softeis.


Auf den Kinofilm und die einbrechende Dunkelheit folgt schon Miriams letzte Nacht in Ecuador. Noch kommt es mir unwirklich vor, mich morgen schon von ihr verabschieden zu müssen. Schließlich haben wir jetzt knapp 9 Monate Tag ein Tag aus miteinander verbracht! :O
Hasta luego, 
Clara

Tag 273

Abschied von Ruth und Ankunft in Quito.
Miriams Abschied von Ruth trifft uns alle härter als erwartet. Selbst der Taxifahrer, der uns zum Terminal bringt, versucht diesmal nicht krampfhaft ein Gespräch mit uns anzufangen.
Gegen 15 Uhr kommen wir (Linea, Miriam, Rahel und ich) in Quito an. Dort ruhen wir uns erst einmal kurz aus bevor wir uns fertig machen und essen gehen.
Die Suche nach einem geeigneten Restaurant gestaltet sich etwas schwieriger als erwartet aber am Schluss entscheiden wir uns für einen Mexikaner. Vor diesem steht ein junger Mann, der mit einem riesigen sombrero auf dem Kopf burritos (gefüllte Weizenmehl-Tortillas) anpreist. Bei dem Wort burrito muss ich an ein Weihnachtslied denken, das ich hier gelernt habe und stimme dieses an. Der Typ ist begeistert davon, dass ich das Lied kenne und stimmt mit ein. Dem habe ich wohl einen nervtötenden Ohrwurm für den ganzen Abend beschert! :D
Nach dem Essen gehen wir am Plaza Foch, dem Platz in Quitos Neustadt um den sich das Nachtleben konzentriert, feiern.
Bis hoffentlich gleich, eure
Clara

Donnerstag, 2. Juni 2016

Tag 272

Miriams letzter Tag in Puyo.
Am heutigen Freitag haben wir frei, da der Feiertag am Dienstag (der eigentlich frei gewesen wäre) aus logistischen Gründen auf den Freitag verlegt wurde.
Wir beginnen den Tag mit einem Brunch bei Linea. Dort sind alle 9 Puyo - Freiwilligen ein letztes Mal an einem Tisch vereint.





Nach dem Bruchen fahre ich mit Miriam und Rahel zu einem der großen Wassertanks Puyos. Mit einem großen Becher Eis machen wir es uns auf einem Mäuerchen bequem und genießen die Aussicht.





Abends lädt uns Linea ein, sie zu einem Auftritt ihrer Gastfamilie in der Casa de la Cultura zu begleiten. Lineas Gastfamilie geht regelmäßig zu sogenannten "CENTI" - Treffen. "CENTI" steht für "Centro Internacional de Teoterapia Integral" und ist eine christliche Kirche, die überall auf der Welt Standorte hat.
Eben diese Kirche bietet heute ein Programm anlässlich zum Muttertag dar.
Schon am Eingang werden wir von einem überfreundlichen Herrn empfangen, der uns herzlich willkommen heißt und uns auf die Fotokulisse, die aus einem Samtsessel und einem Blumenstrauß besteht, aufmerksam macht.
Begrüßt werden wir nach nur einer Viertelstunde Verspätung (!!!) von den beiden Moderatoren.
Im Laufe des Programms werden verschiedene besonders beeindruckende Lebensgeschichten berühmter Frauen erzählt und es wird ein kleines Theater aufgeführt bei dem es um eine Frau geht, die Opfer häuslicher Gewalt war und sich daraufhin das Leben nehmen wollte. Was sie davon abhielt war ihre Begegnung mit "CENTI".
Reden werden gehalten, Gebete gesprochen und Lieder gesungen. ABER: wer sich jetzt Orgelmusik vorstellt, die einen Kirchenchor begleitet, liegt sowas von falsch! Die Orgelmusik wird durch eine Musik begleitet, die ohne Probleme in jeder Disko laufen könnte und deren Bass ordentlich in den Ohren wummert. Gesungen werden die Texte, die mit einem Beamer auf die Rückwand der Bühne projiziert werden, vom Publikum, das vor den Sitzen steht und in die Hände klatscht. Perfekt abgerundet wird die Szenerie durch den Moderator der, wie ein Popstar immer mal wieder "vamos" (= auf geht's) und "hey hey hey" ins Mikrofon brüllt :D.
Überrascht muss ich mich darauf konzentrieren, dass ich vor lauter Fassungslosigkeit nicht aus dem Takt komme :D.
Hasta pronto, eure
Clara

Mittwoch, 1. Juni 2016

Tag 271

Simulacro & ein weiteres "letztes Mal".
Im Instituto sind Luis und ich heute gerade dabei, Pflanzen umzutopfen als die Schulklingel genau drei mal ertönt. Das bedeutet Erdbeben. Glücklicherweise handelt es sich heute nur um ein weiteres "simulacro" also eine Simulation, trotzdem stehen in Windeseile alle Schüler in den sogenannten "zonas seguras", den sicheren Zonen.
Den Nachmittag verbringe ich im Zentrum, wo ich einige Besorgungen mache.
Abends kocht Ruth das letzte Mal für Miriam, die wir am Samstag nach Quito begleiten werden.


Nach dem Essen übergeben Miriam, Rahel und ich Ruth unser gemeinsames Abschiedsgeschenk: ein Fotokalender.
Schon jetzt ist die Stimmung ein wenig gedrückt, da wir alle wissen, dass sich unsere "kleine Familie" bald trennen muss :(.
Bis bald, eure
Clara